Mo, 19. Februar 2018

Unbesetzte Stellen

08.07.2016 16:15

Von Vorau bis Birkfeld: Landärzte dringend gesucht

Seit Jahren zeichnet sich der Ärztemangel am Land ab, mittlerweile hat er viele Regionen erreicht. Kassenstellen etwa in Birkfeld, Friedberg, Vorau und Murau sind derzeit unbesetzt, die verbleibenden Hausärzte werden dadurch noch stärker belastet. Die Gemeinden versuchen Jungmediziner mit "Zuckerln" zu locken.

Es ist der verzweifelte Hilferuf eines "Krone"-Lesers aus Birkfeld: "Unsere Hausärztin Martina Hoffmann-Moder ist Anfang Juli in Pension gegangen, Nachfolger gibt es keinen. 1500 Patienten sind betroffen." Es gibt zwar noch Kassen-Mediziner im Ort - sie sind aber überbelegt. Der Rest sind Wahl- oder Fachärzte.

"Die Kassen-Stellen werden für Ärzte immer uninteressanter. Sie sind mit vielen Verantwortungen verbunden, bringen im Vergleich aber wenig ein", weiß der Birkfelder Bürgermeister Franz Derler (VP).

"Patienten sind verunsichert"
Auch in Vorau ist seit Anfang Juli eine Arztstelle - zumindest bis Oktober - unbesetzt. "Der Prozess ist zu langwierig, die Fristen sind zu starr", kritisiert Bürgermeister Bernhard Spitzer. "Die Patienten sind natürlich verunsichert. Dabei haben wir das Glück, dass Dr. Kryza (der aktuell einzige Kassenarzt im Ort, Anm.) auf seinen Urlaub verzichtet und wir das Spital haben."

Bereits seit Herbst des Vorjahres ist man in Friedberg auf der Suche nach einem zweiten Hausarzt. "Ein Interessent hat sich gemeldet, dann aber wieder abgesagt", erzählt Bürgermeister Wolfgang Zingl. Die Gemeinde selbst habe zwar keine geeigneten Räumlichkeiten, "es gibt aber Private, die sofort eine Arztpraxis einrichten würden".

Auch Vorau könne jederzeit geeignete Räumlichkeiten anbieten, betont Spitzer. Birkfeld versucht ebenfalls ein attraktives Paket zu schnüren - mit Praxis, Baugrund, Kinderbetreuung.

Wettkampf unter den Landgemeinden
Doch dieses Engagement hat auch seine negativen Seiten: "Es entsteht ein Wettkampf um Ärzte unter Landgemeinden, die finanziell ohnehin nicht mit Reichtum gesegnet sind", meint Derler. Zudem ist es schwer, mit möglichen Kandidaten in Kontakt zu kommen: "GKK und Ärztekammer gehen mit den Daten um wie mit einem Staatsgeheimnis."

Die "Steirerkrone" sprach zu diesem Thema auch mit Jörg Garzarolli, dem Vizepräsidenten der steirischen Ärztekammer und Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte:

"Krone": Herr Garzarolli, aktuell gibt es in einigen Gemeinden unbesetzte Arztstellen. Wird das zunehmend zum Problem?
Jörg Garzarolli: Leider zeichnet sich der Trend ab, dass die Stellen schwer nachzubesetzen sind - nicht nur bei uns in der Steiermark, wo wir beispielsweise vor kurzem 14 vakante Planstellen hatten, sondern auch in den anderen Bundesländern.

"Krone": Erreicht uns nun endgültig die seit langem angekündigte Pensionswelle bei den steirischen Landärzten?
Garzarolli: Diese Pensionswelle ist längst im Gang. Ihren Höhepunkt wird sie in zwei bis drei Jahren erreichen.

"Krone": Was muss sich ändern?
Garzarolli: Es müsste eine echte Alternative zum Angestellten-Dasein etwa im Spital geschaffen werden. Die Kollegen im niedergelassenen Bereich sind am Limit, die Leistungsverrechnung ist aus dem Jahre Schnee. Es gibt auch den Wunsch vieler Ärztinnen, sich Planstellen zu teilen.

"Krone": Kommt zu wenig Unterstützung aus der Politik?
Garzarolli: Man bemüht sich, ist aber oft zu zögerlich. Gerade Bürgermeister und Lokalpolitiker sind meist engagiert und bieten Starterleichterungen wie geeignete Räumlichkeiten. Aber leider geschieht oft erst dann etwas, wenn es bereits Spitz auf Kopf steht.

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