Mo, 23. Oktober 2017

Zwölf Angeklagte

19.05.2016 11:27

Video, Zeugen und DNA als Mordbeweis

Nach einer Massenschlägerei im Lehener Park im September 2015, bei der der Türke Ahmed S. (50) sein Leben verlor, sitzen seit Mittwoch zwölf junge Männer - acht Afghanen, drei Türken und ein aus dem Kosovo stammender Mann - im Landesgericht in Salzburg auf der Anklagebank. Staatsanwalt Leon-Atris Karisch wirft dem 16-jährigen Hauptangeklagten Mord vor. Sieben weitere Afghanen (16 bis 21) müssen sich wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Drei Türken (31, 34, 37) sowie ein gebürtiger Kosovare (21) stehen wegen Raufhandels mit Todesfolge vor Gericht. Die Beweislast wiegt schwer: Der Staatsanwalt verweist auf drei Augen- und 60 weitere Zeugen, ein Handyvideo sowie die DNA-Spurenauswertung.

Gespräch mit junger Frau löste alles aus
Laut Staatsanwaltschaft spielte sich Folgendes ab: Eine junge Frau spricht am 21. September am Bahnhofsvorplatz mit einem Türken (18) aus Bischofshofen. Ein mit der Frau befreundeter Afghane und seine Freunde gehen auf den Türken los und verprügeln ihn mit Gürtelschnallen. Das Opfer erzählt seinem Vater zu Hause was passiert ist. Der trommelt seine Freunde zusammen. Am 22. September fahren sie nach Salzburg und versuchen den Afghanen, der als erster zuschlug, durch einen Drogenkauf anzulocken. Der riecht die Lunte aber.

Verabredung zur Schlägerei am Telefon
Am Nachmittag gibt es telefonischen Kontakt zwischen den Türken und den Afghanen, das "Treffen" im Lehener Park wird vereinbart. Dieses läuft aber aus dem Ruder. Denn die acht Afghanen holen aus ihrem Versteck bei den Bahnhofsgleisen Messer, abgebrochene Glasflaschen und Holzlatten als Waffen. Als die fünf Türken bemerken, dass die Gegner bewaffnet sind, zerlegen sie einen Plakatständer und nutzen die Holzteile ebenfalls als Waffen. Die Gruppen treffen drei Mal aufeinander. Am Ende liegt der Vater des 18-jährigen Türken mit einer Stichwunde im Rücken und weiteren schweren Verletzungen am Boden. Seine vier Freunde können ihn unter Schlägen und Angriffen von den Afghanen ins Auto ziehen und ins Landespital fahren. Dort erliegt er aber den schweren Verletzungen. "Der Messerstich ging bis in den Brustkorb. Damit war die Todesfolge vorhersehbar", begründet Karisch die Mordanklage gegen den damals erst 15-Jährigen. Dieser gibt an, er habe nur zugestochen, weil er seinem Freund helfen wollte.

Beide Seiten haben lange Vorstrafenregister
Die Vorstrafenregister der Afghanen, die seit 2013 in Österreich leben, sind lang. Suchtmittelhandel und -Gebrauch - die Gruppe dealte im Lehener Park und versteckte Drogen in den Bäumen - Körperverletzung, Sachbeschädigung, gefährliche Drohung, Diebstahl. Einige der Burschen sind anerkannte Flüchtlinge - etwa der Hauptangeklagte - andere genießen subsidiären Schutz. Über eine abgeschlossene Schulbildung verfügt keiner. Mit der deutschen Sprache hapert es. Während bei den Afghanen Drogen und Gewalt bei den Vorstrafen eine große Rolle spielen, sind es bei den Türken Körperverletzungen. Die Verteidiger und Richterin Bettina Maxones-Kurkowski haben sich auf ein langes Verfahren eingestellt. Ein Urteil soll im August gefällt werden.

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