Fr, 17. November 2017

Gemeinsame Erziehung

09.05.2016 10:09

Mutterglück im Hühnerstall als wertvolle Lektion

Die 21 Tage sind uns vorgekommen wie Monate. Jeden Tag sind wir gefühlte 80-mal zum Nest gegangen, um Nachschau zu halten. Ob sich unter "Brunhildes" Flügeln endlich etwas tut. Und irgendwann, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, dass aus den neun Eiern etwas schlüpft - da war es soweit. Auf einmal guckt so ein flauschiges Pipperl aus Mamas Federn, ein hilfloses Zwutschkerl, ein paar Gramm leicht. Und gluckst dich an. Und man ist, als Hobbyhalter, der die ersten Küken seines Lebens "gekriegt" hat, verzückt…

Keine Viertelstunde später das Wunder Nummer zwei, noch ein goldenes Flauscherl. Und tags darauf zwei schwarze Mini-Wollknäuel. Süß! Was folgt, ist wie "Universum" hautnah und live. Vom ersten Moment an bringt die Mama den Kleinen etwas bei. Sie geht zum Futternapf, goggert kurz zur "Versammlung" und zeigt vor, dass man da rausfrisst. Sie geht zum frischen Wasser, demonstriert, wie man einen kühlen Drink nimmt, die Kinderchen machen es nach. Brunhilde "erklärt" den Kleinen, dass man aus der Menschenhand, der man vertraut, Leckerbissen entgegennehmen darf. Und verzichtet dabei selbst auf vieles, das sie sonst liebt! Sie nimmt ein Stück Käse mit dem Schnaberl und, statt es zu schlucken, legt sie es den Kleinen vor. Da geht einem das Herz auf.

Stolze Eltern, herzige Kinder
Es folgt der Ausflug ins Grüne! Schon in den ersten Lebenstagen führt die Glucke ihre Sprösslinge ins Freie, lässt sie von der wärmenden Sonne küssen, das Gras unter den Mini-Füsschen spüren. Später gesellt sich auch der Papa dazu, Hahn "Professor M". Wie eine Menschenfamilie beim Sonntagsspaziergang. Stolze Eltern, herzige Kinder.

Kein Nachwuchs für älteste Henne
Aber ein Stich ins Herz von "Henriette". Das ist unser ältestes Huhn, und es hat mit solch einer Hingabe gebrütet! Ihre eigenen Eier hat sie in ein Nesterl gelegt, fremde dazugeholt! Oft über Meter, mühsam, hat sie die Eier ihrer "Kolleginnen" mit dem Schnabel weitergerollt, bis sie 15 zusammenhatte. Das ist ein ziemlicher Eierberg. Mit ihrem ganzen Körper, mit weiten Flügeln, hat sie alle abgedeckt, ist stoisch drauf gesessen. Wochenlang. Hätten wir sie nicht per Hand gefüttert, wäre sie wohl eingegangen. Man hat ihre Verzweiflung, Mutter zu werden, fast gespürt.

Hühner teilen jetzt ihr Mutterglück
Drei Wochen sind vergangen. Vier. Sie hat nicht aufgegeben. Fünf. Es wurde nichts mehr. Kein Küken. Glauben Sie mir, auch einem Huhn merkt man an, wenn es richtig traurig ist. Und dann hat Brunhilde etwas Großherziges getan. Sie hat ihre Küken zu Henriette geführt. Ihr irgendwie mitgeteilt: Komm, wir erziehen die gemeinsam! Ich teil’ mein Mutterglück mit dir! Und seither sind sie zu sechst unterwegs. Und der Hobbyhalter muss schon wieder vor lauter Rührung schlucken.

Massenhaltung nimmt Tieren viel
Froh sind wir auch: Das sanfte Brahmahuhn Brunhilde betrachtet alle als ihre Freunde, auch hausfremde Katzen, die die hilflosen Küken so ansehen wie wir einen Braten im Ofen. Da ist Zweitmama Henriette von anderem Kaliber! Wenn irgendwer "ihren" Babys zu nahe kommt, dann schlägt sie mit den Flügeln, plustert sich zum Doppelten auf, sieht sich selbst als Adler. Da zieht selbst Hund "Emil" mit seinen 60 Kilogramm den Schwanz ein. Fazit, nicht nur zum Muttertag: Und sei es "nur" ein Huhn, wir können viel von Tieren lernen. Und wir sehen, das ist der traurige Teil, was wir Tieren in der Massenhaltung nehmen…

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