Sa, 18. November 2017

Völlig unversorgt

19.04.2016 10:52

OÖ: Fünf Katzen nach zwei Tagen im Auto befreit

Als regelrechten "Tierrettungs-Thriller" bezeichnen die Mitarbeiter der Tierrettung Schabenreith einen Einsatz am vergangenen Samstag: Ein Mann hatte fünf Katzen ganze zwei Tage lang völlig unversorgt im Auto zurückgelassen. Die Helfer konnten die Vierbeiner gerade noch retten.

Wenn die Polizei anruft, werden die meisten Menschen nervös. So auch Doris Hofner-Foltin und ihr Mann Harald Hofner, denn für sie bedeutet so ein Anruf nämlich, dass irgendwo Tiere in Not sind und das Team des oberösterreichischen Tierparadieses Schabenreith mit seiner Tierrettung zu einem Einsatz fahren muss.

"Den Zustand im Auto kann man sich kaum vorstellen"
Doch was sie am vergangenen Samstag vorfanden, war selbst für die erfahrenen Tierheimleiter emotional belastend. "Ich bin total fertig", kommentierte Doris Hofner-Foltin ihre Rettungsfahrt, die sie auf einen Parkplatz in Windischgarsten führte. "Den Zustand in dem abgestellten Auto kann man sich kaum vorstellen. Wie können Menschen nur so mit Tieren umgehen?"

Fünf Kater mussten im Auto ausharren
Was war geschehen? Aufmerksame Bürger hatten die Polizei des Luftkurorts verständigt, dass auf besagtem Parkplatz ein Auto stehe, in dem sich fünf Katzen befinden - ohne Katzenkörbe, ohne Futter, ohne Frischluft und ohne Wasser. Und das seit zwei Tagen, bei nicht unbeträchtlichen Temperaturen und in der prallen Sonne.

Mann soll Tiere einfach zurückgelassen haben
Bereits am Donnerstag, dem 14. April, wollen Zeugen einen Mann gesehen haben, der das Auto mit einem Hund und einem Tiertransportkorb verlassen hat und seither nicht mehr aufgetaucht ist. Über den Inhalt dieses Transportbehältnisses und den Verbleib des Mannes sei noch nichts bekannt, so das Schabenreith-Team in einer Aussendung. Die Polizei stellte den Tieren schließlich Wasser ins Auto und überließ den Rest den erfahrenen Helfern.

"Der Geruch war bestialisch"
Der Geruch beim Öffnen der Fahrzeugtüre sei bestialisch gewesen, so Doris Hofner-Foltin: "Fünf unkastrierte Kater - da kommt schon ein ordentlicher Gestank zusammen. Die Katzen waren natürlich etwas wütend; das wären Sie auch, wenn man Sie zwei Tage lang in ein Auto sperrt. Aber sonst geht es ihnen den Umständen entsprechend relativ gut." Derzeit werden in Steinbach am Ziehberg 440 ausgesetzte oder missbrauchte Tiere versorgt.

Katzer werden im Tierheim versorgt
Obwohl die Kater anfangs also ihre Krallen ausfuhren, sind sie wohlbehalten im Tierparadies Schabenreith gelandet, wo sie gefüttert, entwurmt und gut untergebracht wurden. "Mittlerweile lassen sie sich sogar wieder gern streicheln", so Doris Hofner-Foltin.

Autobesitzerin: Es handelt sich um ein "Eheproblem"
Die bisher bekannt gewordenen Hintergründe dieses ganz eindeutigen Falles von Tierquälerei: Das in Windischgarsten samt Katzen zurückgelassene Auto gehört einer Norddeutschen, die der Polizei auf telefonische Anfrage berichtet hat, es handle sich um ein "Eheproblem" - ihr Mann sei mitsamt den Tieren weggefahren und konnte bisher auch nicht ausgeforscht werden. "Laut den Behörden hat sich der Lenker des Wagens mit seiner abscheulichen und unverantwortlichen Tat nicht strafbar gemacht", ärgert sich Doris Hofner-Foltin.

Tierheimleiter: "Klarer Fall von Tierquälerei"
Für Tierheimleiter Harald Hofner liegt ein klarer Fall vor: "Für mich ist das Tierquälerei. Es ist schon seltsam genug, dass jemand mit einem Auto von Deutschland nach Österreich fährt, in dem sich fünf Katzen - ohne Transportkörbe -, ein Hund und vielleicht noch ein weiteres Tier befinden; den Wagen dann auf einem Parkplatz unversperrt abstellt und einfach tagelang spurlos verschwindet. Selbst bei schweren Depressionen und Beziehungsproblemen hätte der Betreffende doch wenigstens die Polizei verständigen können, dass hier ein Problem vorliegt."

Zustand der Tiere ist gut, Spenden werden benötigt
Die beruhigende Nachricht für Tierfreunde: Der Zustand der Kater ist soweit gut, allerdings sind sie alle unkastriert und ungechippt, also werden relativ kostspielige Eingriffe und Behandlungen nötig sein. Das Land Oberösterreich zahlt, sofern sich der Tierhalter nicht meldet, pro Katze pauschal 156 Euro. Meldet sich der Besitzer aber, dann muss er die angefallenen Kosten bezahlen. "Und wenn nicht, bleibt das finanzielle Risiko wieder einmal an uns hängen", sagt Doris Hofner-Foltin, die eine solche Situation nicht zum ersten Mal erlebt.

Wer mit einer Spende helfen will, sei herzlichst dazu eingeladen, so die Tierschützerin. Spendenkonto: BAWAG, IBAN: AT22 1400 0467 1040 9714, BIC: BAWAATWW. Infos zum Tierparadies Schabenreith unter www.tierparadies.atsowie Tel.: 0699/100 800 26.

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