Fr, 20. Oktober 2017

Keine Haftgründe

17.04.2016 13:58

Rohrbomben-Fund in Wien: Bastler auf freiem Fuß

Bei den zwei Rohrbomben, mit denen ein 23-jähriger Kärntner zum Arbeiten nach Wien fuhr, wo sie am Donnerstag in seiner Unterkunft gefunden wurden, hat es sich um Osterböller gehandelt. Das Wiener Straflandesgericht ging in dem Fall von keinem dringenden Tatverdacht in Richtung vorsätzlicher Gefährdung durch Sprengmittel aus. Der Tischler wurde daher am Sonntag enthaftet.

Der Haftrichter habe nach der Befragung des Verdächtigen kein Gefährdungsdelikt mehr angenommen, teilte Gerichtssprecherin Christina Salzborn mit: "Allenfalls ist ein Verstoß gegen das Sprengmittelgesetz gegeben." Das allein war für eine weitere Inhaftierung nicht ausreichend. Da keine sonstigen Haftgründe vorlagen, wurde dem U-Haft-Antrag der Staatsanwaltschaft keine Folge geleistet und der 23-Jährige stattdessen auf freien Fuß gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat die Möglichkeit, diese Entscheidung zu beeinspruchen.

Der Tischler hatte dem Haftrichter erklärt, er hätte in seiner Werkstatt in seinem Heimatort im Kärntner Bezirk Völkermarkt aus abgeschnittenen Kupferrohren, die er mit Schwarzpulver füllte, Osterböller hergestellt. Im Beisein von Freunden und Bekannten zündete der 23-Jährige diese dann auch auf einem Feld - diese Tradition sei in Kärnten bei Jung und Alt beliebt.

Wollte Böller "auffetten" und nachpräparieren
Weil ihm die Böller zu wenig laut waren, dürfte er zwei von ihnen nach Ostern mit nach Wien genommen haben. Seinen Angaben zufolge wollte der Tischler sie dort mit zusätzlichen Utensilien - um den Knall zu verstärken, hatte er schon Nägel an den Rohren fixiert - "auffetten" und nachpräparieren. Sein Vermieter stieß allerdings bei einer Kontrolle des Zimmers auf die dort deponierten funktionstüchtigen Bomben und schlug Alarm. Der 23-Jährige und sein 17 Jahre alter Zimmer- und Arbeitskollege wurden festgenommen.

Dass der 17-Jährige mit der Sache nichts zu tun hatte, stellte sich rasch heraus. Weder wurden an seiner Heimatadresse im Bezirk Klagenfurt-Land verdächtige Gegenstände gefunden noch war er am Transport der Böller beteiligt. Er wurde daher nach seiner polizeilichen Einvernahme auf freiem Fuß belassen, die Staatsanwaltschaft nahm bei ihm von einem Antrag auf Verhängung der U-Haft Abstand.

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