Sa, 25. November 2017

Lager alle voll

30.09.2015 19:56

An der Grenze entsteht nun eine Zeltstadt

Es war einer der stärksten Tage: In den Salzburger Notquartieren für Flüchtlinge war am Mittwoch alles voll. Zusätzlich warteten 800 Menschen direkt an der Grenze nach Freilassing. Bürgermeister Heinz Schaden schlug Alarm und forderte dringend Notquartiere auch in der näheren Umgebung der Stadt. Er warnte erneut vor einer Schließung des Bahnhofs. "Wenn dort mehr als 2000 Personen sind, müssen wir dicht machen. Die Lage droht aus dem Ruder zu laufen". Verärgert zeigte er sich auch über die Wiener Verkehrsleitzentrale. "Immer wieder bitten wir, dass keine Flüchtlinge mehr geschickt werden. Trotzdem kommen immer welche nach."

3500 Flüchtlinge wurden am Mittwoch am Bahnhof und an der Grenze gezählt. Lediglich ein Sonderzug brachte 384 Personen nach Deutschland. Bei der Saalachbrücke wurde inzwischen eine regelrechte Zeltstadt errichtet. Die Flüchtlinge können dort nicht nur im Tiefgeschoß des Zollgebäudes schlafen, sondern auch in zwei beheizten Zelten für 70 bzw. 90 Menschen. Das Bundesheer, die Militärpolizei, freiwillige Helfer und das Rote Kreuz kümmern sich dort um einen geordneten Zugang. Die Flüchtlinge wurden wie in den vergangenen Tagen in Gruppen eingeteilt. Allerdings durften sie nicht mehr direkt auf die Saalachbrücke, sondern auf den Steg der Stauwehrbrücke. So konnte der Autoverkehr etwas entlastet werden. Inzwischen ist es an der Grenze zum Alltag geworden, dass kleine Kinder Ball spielen, sich gegenseitig in Einkaufswagerl herumfahren oder am Boden mit ihren Eltern warten oder in der Kälte schlafen. Am Mittwoch gab es dann auch noch Noroviren-Alarm: Zwei Kinder klagten über Durchfall und Erbrechen. Sie sind mittlerweile in Deutschland untergebracht. Trotzdem müssen die Helfer nun Mundschutz und Handschuhe tragen. Ein Bild von der Lage machte sich am Mittwoch Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und Christoph Pinter von der UNHCR, für heute ist Verteidigungsminister Gerald Klug am Bahnhof angekündigt.

Angst vor dem Schnellverfahren
Angst macht Bürgermeister Schaden auch, dass die Deutschen dabei sind, an der Grenze ein Schnellverfahren zur Asyl-Abwicklung einzuführen. Dieses könnte bis zu 48 Stunden dauern. Damit würden die Flüchtlingsströme also noch länger in Salzburg zuwarten. "Ich befürchte, dass dann viele Menschen abgewiesen und zu uns zurück geschickt werden."

Spontane Hilfe kam auch aus England an Grenze
Inmitten des Trubels spielen sich aber auch menschliche Szenen ab: Ein Gruppe von Pakistani aus Manchester in England sah die Bilder an der Grenze auf BBC im Fernsehen, packte eine ganze mobile Küche und Lebensmittel in einen Lkw und machte sich nach Salzburg auf: "Die Männer kochen mit riesigen Töpfen, damit alle satt werden. Diese Hilfsbereitschaft ist unglaublich", sagt Stadtvize Harald Preuner, der mit anpackte.

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