Mo, 11. Dezember 2017

Zehntausende warten

08.09.2015 06:36

Nächste Flüchtlingswelle ist bereits im Anrollen

Kurze Atempause im Flüchtlingsdrama (siehe Video-Lokalaugenschein in Nickelsdorf oben), doch die nächste Welle über die Balkanroute Richtung Europa ist im Anrollen: Zehntausende Flüchtlinge in Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn bereiten sich auf den Sprung nach Europa vor. Zielland Nr. 1 ist nach wie vor Deutschland.

Wie dramatisch die Lage ist, beweisen die derzeit verfügbaren neuen Zahlen über das Ausmaß der bevorstehenden Flüchtlingswelle:

  • In Griechenland befinden sich auf dem Festland 4000 Flüchtlinge.
  • Auf der Insel Lesbos warten 20.000 Flüchtlinge, auf Kos 6000, auf anderen griechischen Inseln weitere 4000.
  • An der Grenze Griechenlands zu Mazedonien warten 9000 Flüchtlinge.
  • In Mazedonien sind 5000, in Serbien noch einmal 4000 Flüchtlinge.

In Summe ergibt das über 50.000 Personen, die derzeit nach Europa drängen. Hindernisse wie etwa der Stacheldrahtzaun zwischen Ungarn und Serbien werden einfach überrannt, wie ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz am Montag vor Ort berichtete: Dieser Stacheldraht sei wegen der Bahnlinie von Serbien nach Ungarn unterbrochen - die Menschen würden über die Geleise flüchten, es sei mit einer Völkerwanderung zu vergleichen, "man lässt die Leute durch".

Wehrschütz berichtete darüber hinaus, dass nicht-syrische Flüchtlinge ihre Papiere wegwerfen und sich gefälschte syrische Pässe besorgen. "Ein Riesengeschäft" habe sich aufgetan, weil viele glauben, mit syrischem Pass in der EU leichter Asyl zu bekommen.

Flüchtlinge kurzzeitig aus ungarischem Lager geflohen
Indes sind am Montagabend rund 130 Migranten aus dem Flüchtlingslager Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze geflohen. Sie machten sich zu Fuß auf der Autobahn M5 nach Budapest auf, wurden aber bald von einer Polizeieskorte gestoppt. Einige Flüchtlinge lieferten sich Rangeleien mit den Polizisten, laut der Nachrichtenagentur Reuters setzte die Exekutive auch Pfefferspray ein. Am späten Abend gaben die Migranten schließlich auf und wurden mit Bussen zurück in die Sammelstelle in Röszke gebracht.

Kommentar von Peter Gnam: Es ist noch lange nicht zu Ende
Ja, es ist nur eine Atempause, denn die nächsten Flüchtlinge aus Nahost sind schon auf dem Weg nach Europa, und da vor allem nach Deutschland. Wenn Menschen nämlich alles hinter sich lassen mussten und vor Tod und Verderben geflüchtet sind, dann sind sie nicht aufzuhalten. Nicht durch Stacheldrähte und auch nicht durch prügelnde Polizisten. "Die Leute ziehen weiter Richtung gelobtes Land, weil sie dort, woher sie kommen, keine Zukunft sehen", sagte am Montag im "Mittagsjournal" ein Politologe. Und er berichtete auch, dass es in den letzten vier Wochen eine Art Dammbruch gegeben hat, der die EU noch lange beschäftigen wird.

Deutschland suchen sich die Flüchtlinge deshalb vorrangig aus, weil sie glauben, aufgrund der Wirtschaftskraft dieses Landes bessere Chancen auf einen Neuanfang zu haben. Dem stehen die Ängste vieler Deutschen gegenüber, von einer noch nie gekannten Flüchtlingswelle überrannt und an die Wand gedrückt zu werden. Ängste, die es auch in Österreich gibt. Münchens Behörden ließen wissen, dass es sich "noch ausgeht", es aber eng werde, "denn auch uns sind Grenzen gesetzt".

Unterdessen rollt schon die nächste Flüchtlingswelle an, weil Griechenland nicht ein noch aus weiß, Mazedonien die Menschen in Züge Richtung Serbien verfrachtet und Serbien die Flüchtlinge Richtung Ungarn dirigiert. Von dort geht es nach Österreich und Deutschland. Unaufhaltsam?!

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