Sa, 18. November 2017

Panne bei Rückbau

05.08.2015 16:29

Das ist der „Schiefe Turm von Voitsberg“

Panne mitten im Rückbau des alten Kohlekraftwerks im steirischen Voitsberg: Bei der Demontage von Innenrohren im rund 180 Meter hohen Kamin der Anlage kam es am Dienstag zu einem Zwischenfall, bei dem das Fundament des Rauchfangs beschädigt wurde. Das Ergebnis erheiterte bereits zahlreiche Schaulustige, die zum Ort des Geschehens pilgerten, um den "Schiefen Turm von Voitsberg" auf Fotos abzulichten.

"Bei den Abbau-Vorbereitungen des Kamins wurde bei Arbeiten im Inneren des Kamins der Fundamentsockel beschädigt", ließ das Bauunternehmen Porr am Mittwochnachmittag über Martin Taborsky, den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Kraftwerk Voitsberg, wissen. Der Kamin steht nun schief und muss deutlich früher als geplant abgerissen werden.

Das Areal sei nach dem Vorfall in Abstimmung mit dem Baukoordinator und dem Arbeitsinspektor gesperrt worden. Alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen wurden in die Wege geleitet, hieß es seitens des Unternehmens. In einem ersten Schritt sei der Kamin noch am Dienstag unter Einsatz von Pyrotechnik in die richtige Fallrichtung gebracht worden. In einem zweiten Schritt komme seit Mittwoch ein Roboterbagger zum Einsatz, der den Kamin bis spätestens Ende der Woche zu Fall bringen soll.

Vorfall mit bitterem Beigeschmack
Der Anblick des schiefen Kamins mag zwar belustigend sein, ganz ungefährlich ist die Situation derzeit vor Ort jedoch nicht. Wegen eines Restrisikos, dass der 180-Meter-Schornstein einstürzen könnte, habe die Angelegenheit einen bitteren Beigeschmack, so der Voitsberger Bürgermeister Ernst Meixner. Der Rauchfang sollte ursprünglich im Herbst von Spezialmaschinen Stück für Stück "abgeknabbert" werden, da eine Sprengung wegen des dortigen Wasserschutzgebietes nicht möglich ist.

Aus Sicherheitsgründen musste die nahe gelegene Umfahrung Voitsberg gesperrt werden. Ein Statiker prüfe nun, wie stabil der schiefe Kamin ist. Wenn es Entwarnung gibt, soll die Straße wieder freigegeben werden, sagte Meixner. Er zeigte sich enttäuscht, dass die Porr ihn nicht vor den Arbeiten am Dienstag informiert habe, damit er die Bevölkerung rechtzeitig benachrichtigen hätte können.

Der Bürgermeister äußerte außerdem Sorge um die Wasserversorgung der Stadt: "Der Tregistbrunnen mit einer Dauerentnahme von 25 Litern pro Sekunde und kurzzeitiger Maximalentnahmemenge von 36 Litern pro Sekunde sowie der Kasparbrunnen mit einer Entnahmemenge von 13 Litern pro Sekunde zählen zu den wichtigsten Wasserversorgungseinrichtungen für die Stadt, das Schutzgebiet liegt im Bereich des Fallraumes. Es ist zu hoffen, dass es durch den Fall des Kamins zu keinen Problemen kommt."

Derzeit größtes Rückbauprojekt in Österreich
Das Kraftwerk Voitsberg ist nach Angaben von Porr das derzeit größte Rückbauprojekt in Österreich und wird die Landschaft in der Weststeiermark um ein prägendes Industriebauwerk ärmer machen. Danach soll das rund 245.000 Quadratmeter große Gelände für die Nachnutzung vorbereitet werden. Die Stadtgemeinde Voitsberg will gemeinsam mit einer privaten Projektentwicklungsfirma das Areal kaufen. Mit einer Tochtergesellschaft der Stadt soll der Kauf abgewickelt werden, wobei die öffentliche Beteiligung 50 Prozent ausmache. Auf dem Gelände sollen sich Betriebe ansiedeln.

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