Do, 22. Februar 2018

Hoher Blutzoll

27.06.2015 12:42

Kurden vertrieben IS-Kämpfer wieder aus Kobane

Die kurdischen Milizen haben laut Aktivisten die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) wieder aus der syrischen Grenzstadt Kobane vertrieben. Zwei Tage nach Beginn einer IS-Offensive auf die Stadt an der Grenze zur Türkei hätten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) wieder die Kontrolle errungen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. Die jüngsten Kämpfe um die Kurden-Stadt hatten allerdings einen hohen Blutzoll gefordert.

Demnach wurden seit Donnerstag mehr als 240 Menschen getötet. Der kurdische Aktivist Rudi Mohammed Amin sagte, die gesamte Stadt sei wieder unter Kontrolle der YPG. Zahlreiche IS-Kämpfer seien getötet oder verletzt worden. Die YPG-Kämpfer hätten vor einer Schule, in der die IS-Kämpfer verschanzt waren, Sprengsätze zur Explosion gebracht und sie dann gestürmt. Vermutlich seien alle Dschihadisten in dem Gebäude tot.

Die Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netz von Aktivisten und Ärzten vor Ort stützt und deren Angaben nur schwer zu überprüfen sind, erklärte, die kurdischen Kämpfer durchsuchten die Stadt nach weiteren IS-Milizionären. Ihren Angaben zufolge wurden seit Donnerstag 174 Zivilisten in und um Kobane getötet, davon 148 in der Stadt selbst. Zudem seien 16 kurdische Kämpfer und 54 Dschihadisten getötet worden. Die Zahlen könnten weiter steigen, da noch nach Opfern gesucht werde.

Neue IS-Offensive mit Selbstmordanschlägen
Die Dschihadisten waren im Jänner nach viermonatigen Kämpfen zum Rückzug aus Kobane gezwungen worden, hatten Donnerstagfrüh aber mit drei Selbstmordanschlägen überraschend eine neue Offensive gestartet. Laut Aktivisten wollten die Extremisten die Stadt offenbar nicht erobern, sondern nur möglichst viele Zivilisten töten. Beobachter sprachen von einem "Ablenkungsmanöver", nachdem die IS-Miliz an anderer Front im Norden Syriens unter Druck geraten war.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte unterdessen vor der Gründung eines Kurdenstaats im Norden Syriens und warf den kurdischen Milizen die Vertreibung arabischer oder turkmenischer Volksgruppen vor. "Wie hoch auch der Preis ist, wir werden niemals die Bildung eines neuen Staates an unserer Südgrenze im Norden Syriens akzeptieren", sagte Erdogan am Freitagabend während eines Essens zum Fastenbrechen.

Kurden: "Streben keinen eigenen Staat an"
Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten sind der bewaffnete Arm der Partei der Demokratischen Union (PYD), die enge Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterhält. Die PKK kämpft in der Türkei seit 1984 gegen den Staat und ist dort als Terrorgruppe verboten. Der PYD-Vorsitzende Saleh Muslim hatte am Freitag der türkischen Zeitung "Hürriyet" versichert, seine Bewegung strebe nicht die Gründung eines Staates in Syrien an.

Erdogan warf den kurdischen Milizen vor, in den eroberten Gebieten "die demografische Struktur" zu verändern. Zugleich wies er erneut Vorwürfe zurück, die Türkei unterstütze die Dschihadisten. Dies sei "üble Verleumdung".

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