Mi, 23. Mai 2018

Vier Ungereimtheiten

21.01.2015 09:31

Wilde Verschwörungstheorien nach "Charlie"-Drama

Nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und der blutigen Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris blühen im Netz nun die wildesten Verschwörungstheorien. Obwohl angebliche Ungereimtheiten stets schnell widerlegt werden können, halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach sich das Drama ganz anders abgespielt habe, als von den französischen Behörden behauptet und von den Medien kolportiert.

Laut "Focus" sind vor allem vier angebliche Ungereimtheiten ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker:

1. Der Außenspiegel des Fluchtfahrzeugs
Auf einem Foto vom Wagen der Islamisten Said und Cherif Kouachi nach dem Angriff auf "Charlie Hebdo" sieht es so aus, als seien die Außenspiegel des Citroën weiß. Doch als das Auto von der Polizei untersucht wurde, waren sie plötzlich schwarz.

Experten konnten dieses vermeintliche Phänomen jedoch schnell aufklären: Demnach sind die Außenspiegel des Autos verchromt und reflektieren das Licht je nach Einfallswinkel.

2. Der Personalausweis des Terroristen
Viele Verschwörungstheoretiker finden es auch mehr als verdächtig, dass Said Kouachis Personalausweis im Fluchtwagen gefunden wurde. Und das, obwohl bekannt ist, dass der Islamist ein militärisches Training durchlaufen hatte und somit vor solch stümperhaften Fehlern gefeit sein müsste.

Auch hierfür haben die Ermittler eine plausible Erklärung parat: Beim Angriff auf "Charlie Hebdo" gingen die Terror-Brüder zwar mit eisiger Ruhe vor, ihre Flucht jedoch verlief völlig chaotisch. Der Grund: Die Brüder hatten die Flucht gar nicht geplant, weil sie von Vornherein davon ausgingen, im oder vor dem Redaktionsgebäude bei einem Feuergefecht mit Sicherheitsleuten oder der Polizei zu sterben. Außerdem, so die Ermittler, passieren auch erfahrenen Kriminellen Fehler.

3. Der nicht aufgelegte Telefonhörer
Skeptiker bezweifeln zudem die Erklärungen der Polizei zur Geiselnahme in dem jüdischen Supermarkt, bei dem der Islamist Amedy Coulibaly zwei Tage nach dem "Charlie Hebdo"-Anschlag vier Menschen tötete. Dabei teilten die Ermittler mit, sie hätten mitverfolgen können, was im Inneren des Supermarkts vor sich ging, weil Coulibaly nach einem Telefonat den Hörer nicht richtig aufgelegt haben soll.

Dies erscheint vielen Menschen vollkommen unglaubwürdig, wodurch die Verschwörungstheorien weiter angeheizt wurden. Die Behörden hingegen sehen keinen Grund, warum sich gerade dieser Aspekt des Geiseldramas nicht so abgespielt haben sollte, wie von den Ermittlern angegeben.

4. Die Route beim Gedenkmarsch
Im Netz ist auch einmal mehr von einer angeblichen jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung die Rede. Denn Internetnutzer wollen festgestellt haben, dass die Demonstrationsroute beim riesigen Gedenkmarsch in Paris am Sonntag vor einer Woche die Staatsgrenzen Israels nachzeichnete...

Verschwörungstheorien wie die angeführten werden laut "Focus" vor allem von Jugendlichen - in Frankreich hauptsächlich von solchen aus den benachteiligten Vororten der Großstädte - verbreitet. "Im Jugendalter muss man gegen die Erwachsenen, gegen die herrschende Ordnung, gegen die Gesellschaft rebellieren", zitiert das Magazin Guillaume Brossard, Mitbegründer der Internetseite hoaxbuster.com, die im Internet kursierende Gerüchte zu widerlegen versucht. "Alternative Theorien sind für Jugendliche ein tolles Feld, um sich auszudrücken."

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