Sa, 18. November 2017

Nach Streit um Beute

20.08.2014 20:12

Frau durch Tür niedergeschossen - 33 Monate Haft

Ein 34-jähriger Mann, der eine 27-jährige Frau durch die Tür einer Wohnung in Wien-Ottakring niedergeschossen und schwer verletzt hatte, ist am Mittwoch zu 33 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Die Geschworenen am Straflandesgericht befanden den Mann der versuchten absichtlichen schweren Körperverletzung für schuldig. Die Anklage auf versuchten Mord wurde verworfen.

Damit schlossen sich die Geschworenen dem Verteidiger an, der versichert hatte, dass sein Mandant keinen Tötungsvorsatz gehabt habe. Der Staatsanwalt meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Frau geriet nach Einbruch zwischen Fronten
Die Tat hatte sich im vergangenen September ereignet. Der Schuss galt nicht der Frau, sondern ihrem damaligen Lebensgefährten. Mit diesem war sich der Angeklagte in die Haare geraten: Die beiden sollen versucht haben, aus einem Einbruch stammenden Schmuck zu verkaufen. Weil das nicht klappte, bekam der Freund der 27-Jährigen die Wertsachen zurück und wollte sie dem 34-Jährigen nicht mehr aushändigen.

Daraufhin kündigte der Mann gegenüber mehreren Personen an, er werde seinen Komplizen umbringen. Auch dessen Freundin rief er an und meinte kryptisch: "Ob er das überlebt, wird sich zeigen." Danach besorgte er sich von einem Bekannten eine Pistole.

Nicht in Wohnung gelassen - durch Tür geschossen
Am Abend des 27. September tauchte er damit in dem Haus in Ottakring auf, in dem das Paar wohnte, und platzierte sich vor der versperrten Eingangstür. Er klopfte und schrie, man solle ihm aufmachen. Als das nicht geschah, trat der 34-Jährige zunächst gegen die Tür und feuerte - als er laut Staatsanwalt hinter der Milchglasscheibe "deutliche Umrisse einer Person" wahrnahm - aus einer Entfernung von maximal eineinhalb Metern auf die Gestalt.

Das Projektil durchschlug die rechte Hand der Frau, drang ihr in den Bauch und blieb im Becken stecken. Durch die zersplitterte Scheibe gab der 34-Jährige einen weiteren Schuss ab, der keinen Schaden anrichtete, da sein Kontrahent auf die Toilette geflüchtet war.

Lebensgefährliche Darmverletzungen
Die 27-Jährige wurde umgehend ins Spital gebracht. "Wäre nicht so schnell Hilfe gekommen, wer weiß, wie das geendet hätte", meinte der Staatsanwalt. Die lebensgefährlich Verletzte wurde notoperiert, Teile des Dünn- und Dickdarms mussten ihr entfernt werden.

Der Schütze flüchtete vom Tatort und begab sich in ein Lokal in Favoriten. Als dort ein Gast nicht mit ihm Billard spielen wollte, zückte er erneut seine Pistole und feuerte in die Luft. Die Polizei wurde gerufen, die den 34-Jährigen festnahm.

Verteidiger: Kein Mordversuch, sondern "Tragödie"
Sein Verteidiger machte nun vor dem Schwurgericht geltend, dass der Mann unter erheblichem Alkohol- und Tabletteneinfluss gestanden sei. Dass er die Frau niederschoss, war für den Anwalt kein versuchter Mord, sondern "eine Tragödie, ein Unfall".

Der Angeklagte selbst meinte, er könne sich "das alles nicht erklären". Er behauptete, sich an nichts Konkretes mehr erinnern zu können, er sehe alles "wie durch einen Nebelvorhang". Ob und was er dem Freund der 27-Jährigen antun habe wollen, könne er daher nicht sagen: "Vielleicht wollte ich ihn einschüchtern."

Nach Einbruch bereits 21 Monate Freiheitsstrafe
Formal wurde die Strafe als Zusatzstrafe zu einer bereits rechtskräftigen Gerichtsentscheidung ausgesprochen - vor wenigen Monaten hatte der 34-Jährige im Straflandesgericht für die Beteiligung an jenem Einbruch, der zu der nun verhandelten Tat führte, eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten ausgefasst. Damit hätte der Mann nun insgesamt viereinhalb Jahre abzusitzen.

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