Sa, 25. November 2017

„Krone“-Interview

29.05.2014 17:00

Fatboy Slim: „Mein Album wäre der FC Chelsea“

Fatboy Slim aka Norman Cook gehört zu den bekanntesten DJs des Planeten und prägt mit Songs wie "Right Here, Right Now", "Praise You" oder "Eat, Sleep, Rave, Repeat" seit mehreren Dekaden das leichtfüßige Gefühl jugendlicher Befreitheit. Anfang Juli ist er nach längerer Abwesenheit auch wieder in Österreich zu Gast und wird das Urban Art Forms Festival als Headliner anführen. Mit im Gepäck hat er auch Songs seines neuen Albums "Bem Brasil". Im "Krone"-Interview erzählte der 50-Jährige über seine grenzenlose Liebe zu Fußball, warum er in Brasilien beliebter ist als in seiner Heimat England und weshalb er nur barfuß und in Hawaii-Hemden auftritt.

"Krone": Norman, dein neues Album "Bem Brasil" ist eine perfekte Kombination aus deiner Liebe zu Beats, Brasilien und Fußball. Wann hattest du die Idee für dieses Projekt?
Fatboy Slim: Als feststand, dass die WM nach Brasilien kommt, wusste ich, dass ich hier dabei sein muss. Wir haben lange darüber diskutiert, was denn der Soundtrack für die WM wäre, und wir wussten, dass traditionelle brasilianische Musik unbedingt dabei sein müsste. Vor zwei Jahren hat mich die Plattenfirma schließlich um eine brasilianische Compilation gebeten, was eine großartige Idee war.

"Krone": Du bist in Brasilien noch populärer als in deiner englischen Heimat. Warum eigentlich?
Fatboy Slim: Ich weiß es nicht, die Brasilianer denken wohl, ich wäre cool (lacht). Ich bin, glaube ich, aber im richtigen Zeitpunkt in dieses Land gekommen, als die Brasilianer elektronische Dance-Musik entdeckten. Sie haben dann meine DVD von der Big Beach Party im englischen Brighton gesehen und mich eingeladen, auch in Brasilien aufzutreten. Vor zehn oder zwölf Jahren haben wir diese Idee dann in Rio umgesetzt, vor 360.000 Menschen, live vom Fernsehen ausgestrahlt. Ich habe damit wohl genau in ihre Herzen getroffen.

"Krone": Du bist ein großer Fan der brasilianischen Kultur. Was gefällt dir so besonders daran?
Fatboy Slim: Ich mag eigentlich keine Menschen so gerne wie die Brasilianer. Sie sind einfach so ehrlich, glücklich und voller Passion. Brasilien hat so eine große Geschichte von Musik, Fußball und Essen, aber es sind die Menschen, die mich so an diesem Land faszinieren.

"Krone": Wie die Nationalteams bei der Fußball-WM hast auch du dir für dieses Projekt nur die erlesensten Namen ausgesucht – unter anderem DJ Fresh, Gregor Salto, Psychemagik oder Dimitri Vegas. Gab es besonders erinnerungswürdige Momente, während das Album entstand?
Fatboy Slim: Es gab einfach viele Höhen und Tiefen. Es war zum Beispiel nicht einfach, mit den brasilianischen Plattenfirmen zu kommunizieren, und einige DJs sind nicht gerade die Besten, wenn es darum geht, Deadlines einzuhalten. Es war aber schön, mit alten Freunden wie Carl Cox oder Greg Wilson zusammenzuarbeiten, oder auch tolle neue Künstler wie Dimitri oder Like Mike kennenzulernen. Ich habe hauptsächlich mit Menschen zusammengearbeitet, die ich kenne und die auch eine Ahnung von brasilianischer Musik haben.

"Krone": War es dir ein besonderes Anliegen, dass du rund um all die Beats und elektronischen Klangteppiche die traditionelle brasilianische Musik in den Vordergrund stellst?
Fatboy Slim: Schon, ja. Wir wollten nur nicht die ganz großen Klassiker wie "The Girl From Ipanema" verwursten, weil uns das etwas zu berechnend erschien. Mir war es einfach wichtig, viele dieser alten und bekannten Songs so upzudaten, dass auch junge Menschen einen Zugang zu diesem speziellen Sound finden. Wir wollten einfach ein bisschen tiefer in die Materie eindringen und einen alternativen WM-Soundtrack machen, der nicht von Coca Cola oder Budweiser gesponsert wird.

"Krone": Das Album hat jedenfalls einen fröhlich-sonnigen Sommervibe. War das dein Ziel?
Fatboy Slim: Nein, daran ist nur die brasilianische Musik schuld (lacht). Die klingt nun einmal einfach happy. Als der Blues durch die Sklaven einst nach Amerika kam, brachten brasilianische Sklaven eine Art von Fröhlichkeit in den Sound. Es ist einfach viel Tempo und Spaß in dieser Musik enthalten und abseits der vielen Protest-Songs feiern die Brasilianer in erster Linie das Leben.

"Krone": Wo liegen für dich eigentlich die Parallelen zwischen Fußball und Musik?
Fatboy Slim: Ich würde sagen, diese kollektive Euphorie, die sich bei einem Konzert als auch bei einem Spiel zur gleichen Zeit am gleichen Platz abspielt. Der größte Unterschied ist, dass du im Fußball auch die Enttäuschung erlebst, was bei der Musik normalerweise nicht der Fall ist. Im Prinzip feiert man aber überall ein gegenseitiges Interesse. Ich bin aber kein Fan oder Befürworter von Fußball-Soundtracks an sich. Diese tendieren immer zu einer gewissen Hymnenhaftigkeit und das geht mir viel zu weit.

"Krone": Du bist ja selbst begeisterter Anhänger des englischen Zweitligaklubs Brighton & Hove Albion. Hast du als derart berühmter Fan niemals eine Hymne für deinen Verein verfasst?
Fatboy Slim: Wir haben übrigens zwei Minuten vor Saisonende noch den Sprung in die Playoffs geschafft. Unglaublich. Hymne habe ich keine geschrieben. Der Klub hat mich schon mehrmals gefragt, ob ich nicht etwas remixen oder einen ganz neuen Song machen wolle, aber wie ich schon sagte mag ich Fußball und Musik, glaube aber nicht, dass eine Mixtur aus diesen beiden immer positiv endet. Der Klub hat außerdem seine eigene Hymne und spielt immer wieder "Right Here Right Now" oder "Praise You" bei den Spielen. Ich komme also ohnehin zwanghaft zu meinem Glück (lacht).

"Krone": Bist du nicht auch Mitbesitzer des Vereins?
Fatboy Slim: Ich besitze etwa drei Prozent des Vereins und war neun Jahre lang der Trikot-Sponsor.

"Krone": Wenn du "Bem Brasil" mit einem Fußballklub vergleichen müsstest – welcher wäre es?
Fatboy Slim: Auf Länderebene hoffe ich natürlich, mein Album klingt, wie Brasilien spielt (lacht). Es ist ein interessanter Mix aus erfahrenen alten Spielern, die das Mittelfeld zusammenhalten, mit ein paar jungen, heißblütigen Stürmern, die gerne und oft treffen. Möglicherweise wäre mein Album also der FC Chelsea.

"Krone": Wirst du während der WM eigentlich deiner Heimat England oder Brasilien die Daumen drücken?
Fatboy Slim: Ich habe ehrlich gesagt nicht viel Vertrauen in die Stärke des englischen Teams. Die Erwartungen an diese WM sind im ganzen Land ziemlich gering. Wir haben kein wirklich gutes Team, aber es sind viele junge Spieler dabei, die überzeugen wollen. Sie haben nichts zu verlieren und werden sicher voll angreifen – damit könnte uns eine Überraschung gelingen. Bei der letzten WM hatten wir viele altgediente Hasen, die stark unter Druck standen und deshalb wohl nicht ihr volles Potenzial abrufen konnten. Ich bin während der WM zwar unterwegs, habe aber keine Auftritte während der Gruppenspiele. Möglicherweise wird England auch wieder auf Deutschland treffen und das ist meist der Punkt, wo die Sache für uns vorbei ist. Brasilien drücke ich aber auch wirklich die Daumen, denn ich weiß, wie viel Passion und Leidenschaft die Menschen in diesem Land in das Fußballteam stecken. Der Erfolg der gesamten Weltmeisterschaft hängt sicher mit dem Abschneiden der Mannschaft zusammen. Ich kann mich noch erinnern, wie negativ die Leute in England eingestellt waren, als wir 2012 die Olympischen Sommerspiele in London veranstalteten. Es kann ja alles danebengehen, der viele Verkehr etc. Im Endeffekt war alles hervorragend organisiert, wir haben viele Medaillen geholt und die Stimmung im ganzen Land hat sich währenddessen stark verbessert. Das multiplizierst du jetzt ungefähr mit 100 und du hast eine Ahnung davon, was in Brasilien abgehen wird. Wenn das Team schnell verliert, werden sie Probleme im Land haben, gewinnen sie aber die WM, wird es die größte Party geben, die die Welt je gesehen hat.

"Krone": Was traust du Spanien zu? Immerhin waren sie die Gewinner der letzten drei Großereignisse.
Fatboy Slim: Ich sehe sie in den Top Vier des Turniers. Nach den letzten Jahren will sie natürlich jeder schlagen und sie können eigentlich nur verlieren (lacht).

"Krone": Dein Weltmeistertipp ist also Brasilien?
Fatboy Slim: Wenn ich mein eigenes Geld einsetzen würde, würde ich wohl auf ein Finale zwischen Brasilien und Argttlerweile so groß, dass du dir schon mal einen eventuellen Umzug überlegt hast?
Fatboy Slim: Umziehen ist vielleicht der falsche Ausdruck, aber ich habe mir schon oft überlegt, dort ein Haus zu bauen. Das wollte ich schon vor zehn Jahren machen, aber ich bin dann schnell draufgekommen, dass es auch aufgrund meiner familiären Situation einfach zu weit entfernt ist. Mein Portugiesisch ist übrigens… nennen wir es einfach stark verbesserungswürdig (lacht). Für englischsprachige Menschen ist das eine verdammt schwer zu erlernende Sprache. Es wäre aber das perfekt Land für einen eventuellen Ruhestand. Du bist zwar bekannt dort, aber nicht so bekannt, dass du nach deinem Job keine Ruhe hast. Insofern wäre Brasilien ein attraktiver Ort, um zu leben.

"Krone": Letztes Jahr hast du mit dem Song "Eat Sleep Rave Repeat" einen enormen Hit in Umlauf gebracht. Ist das dein Lebensmotto?
Fatboy Slim: Ich sage es mal so – es war eine Art Motto, schon viele Jahre bevor der Song entstanden ist. Es ist wie "Right Here, Right Now" – beide Songs bedeuten den Menschen auf viele unterschiedliche Arten etwas. Die Songs verbinden die Menschen. Mich freut es aber, dass der Song sich auch auf Teetassen oder T-Shirts verewigt hat, weil es eine Art Lebensmotto für die junge Rave-Generation geworden ist.

"Krone": Du bist seit einigen Dekaden extrem erfolgreich im Musikgeschäft unterwegs. Was ist dir am liebsten? Live aufzulegen, Songs zu schreiben, sie zu produzieren oder neue Beats zu finden?
Fatboy Slim: Derzeit bekomme ich die größten Kicks, wenn ich als DJ auf den Bühnen stehe. Ich habe nicht wirklich viel Feuer in meinem Herzen, wenn es um Alben produzieren geht. "Eat Sleep Rave Repeat" war ein Song, den ich einfach machen musste, aber abseits davon steckt meine Leidenschaft tatsächlich auf der Bühne. Es ist eine besonders gute Zeit für DJs, denn du kannst momentan über die ganze Welt reisen und all die jungen Leute beobachten, wie sie auszucken und zu deiner Musik abgehen. So wie die jungen Amerikaner, die immer stärker in den Sog der elektronischen Musik gezogen werden – das erinnert mich an mich selbst vor 30 Jahren. Es kann natürlich auch schnell passieren, dass ich in ein paar Jahren des Tourens müde bin und wieder gerne im Studio sitze.

"Krone": Auf deiner Facebook-Seite hast du "Fatboy Slim's Rules Of DJing" online gestellt – darunter stand auch "Trage niemals Schuhe" und "Kleide dich in Hawaii-Hemden". Was hat es damit auf sich?
Fatboy Slim: (lacht) Das Hawaii-Hemd ist schnell erklärt – sobald ich es anziehe, ist es für mich eine Transformation von der Privatperson Norman Cook zur Kunstfigur Fatboy Slim. Es geht darum, in die Rolle einzutauchen. Bevor ich auf die Bühne gehe, ziehe ich immer meine Schuhe aus und ich fühle mich dabei sofort wie eine völlig andere Person. Ich bin dann fernab der Realität, aller Probleme und Hindernisse und fühle mich wie ein 17-jähriger Rave-Freak auf der Bühne. Aus irgendwelchen Gründen bin ich wohl nur Fatboy Slim, wenn ich keine Schuhe anhabe (lacht).

"Krone": Anfang Juli bist du beim Urban Art Forms Festival am Schwarzlsee bei Graz zu sehen. Ist dir von Österreich etwas in Erinnerung geblieben?
Fatboy Slim: Oh mein Gott, wann war ich eigentlich das letzte Mal hier? Ich glaube, es war vor drei Jahren, aber sicher bin ich mir nicht. Ich war mehrmals beim Snowbombing zu Gast, und auch wenn dort sicher nicht nur österreichisches Publikum ist, gehören die Auftritte zumindest technisch gesehen zu Österreich (lacht).

"Krone": Wird sich die Show eigentlich hauptsächlich um das "Bem Brasil"-Album drehen?
Fatboy Slim: Ich werde nicht allzu viele Hits von mir spielen, aber immer wieder Snippets meiner Songs einfügen, um die Leute daran zu erinnern, wer ich bin. Es ist aber auf jeden Fall ein DJ-Set und keine Werbung für mein neues Album. Es wird eine ziemliche coole Mischung aus EBM und Acid House werden. Die Show wird sehr zugänglich sein und am wichtigsten ist mir ohnehin, dass wir alle eine große Party haben.

Wer Fatboy Slim live erleben will, sollte sich auf das Urban Art Forms Festival von 3. bis 5. Juli am Schwarzlsee bei Graz begeben. Karten erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"-Ticketshop.

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