Mo, 28. Mai 2018

Schwere Vorwürfe

24.01.2014 11:04

ADAC-Präsident fliegt mit Rettungsheli zu Terminen

Gefälschte Abstimmungsergebnisse brachten dem deutschen Automobilclub ADAC in den vergangenen Tagen negative Schlagzeilen. Doch damit ist es noch nicht vorbei, nun gerät auch ADAC-Präsident Peter Meyer in die Kritik: Er soll den Rettungshubschrauber als Transportmittel benutzt haben - nur um schneller von einem Termin zum nächsten zu kommen.

Ein Zeuge informierte das deutsche Magazin "Stern" über die Flugaktivitäten des Präsidenten. Konkret geht es um den 27. Juni 2003. Damals soll Meyer - zu dem Zeitpunkt gerade einmal zwei Jahre im Amt - zum "Tag der Verkehrssicherheit" nach Hamburg geflogen sein. Gelandet sei er selbstverständlich direkt am Tagungsort, der Fischauktionshalle am Hamburger Hafen. Nach Abschluss der Veranstaltung ging es dann mit dem Heli weiter nach Wolfsburg. Die Flugzeit beträgt etwa 45 Minuten, während man mit dem Auto je nach Verkehr zweieinhalb bis drei Stunden gebraucht hätte. Und abgeholt wurde der Präsident dann ebenfalls wieder mit dem "gelben Engel der Lüfte", wie der Rettungshelikopter genannt wird.

"Präsidium zum Flug berechtigt" – Behörde weiß von nichts
Der ADAC bestätigte den Sachverhalt und teilte zugleich mit: "Die Präsidiumsmitglieder sind als offizielle Organe dazu berechtigt, für dienstliche Anlässe bei Verfügbarkeit ausschließlich auf Reservemaschinen der Luftrettung zurückzugreifen. Diese Möglichkeit wurde in den letzten zehn Jahren weniger als 30 Mal von Mitgliedern des Präsidiums in Anspruch genommen. Die beauftragenden Ministerien bzw. die zuständigen Länderbehörden sind natürlich über alle Vorkommnisse unserer in den Rettungsdienst eingebundenen Rettungshubschrauber informiert."

Bei den Behörden in Niedersachsen, wo ein Großteil des dokumentierten Fluges stattfand, scheint man laut "Stern" nichts über die Praxis beim ADAC zu wissen: "Hier ist nicht bekannt, dass Rettungshubschrauber auch für den Personentransport eingesetzt werden", sagt Tanja Rißland, Sprecherin des Innenministeriums.

Wer bezahlt für die Flüge?
Auch wenn der ADAC über 51 Helis verfügt, sollten diese doch eigentlich für die Rettung von Menschenleben eingesetzt werden, kritisiert der "Stern". Außerdem seien ohnehin nicht immer alle Hubschrauber einsatzbereit, da sie auch Wartungsarbeiten unterzogen würden oder zu Trainingszwecken unterwegs seien.

Und dann kommt noch die Kostenfrage hinzu. Immerhin bezahlen die 19 Millionen ADAC-Mitglieder mit ihrem Beitrag einen kleinen Teil (rund 40 Cent pro Person) für den Heli, der Rest kommt unter anderem von den Innenministerien der Länder, von Krankenkassen und durch Spenden.

Der ADAC sieht in der Transportnutzung allerdings kein Problem - da dies ohnehin nur in absoluten Ausnahmefällen geschehe - und erklärt gegenüber dem "Stern": "Sofern wir Hubschrauber für andere Zwecke als den Rettungsdienst verwenden, tun wir dies im Rahmen unserer unternehmerischen Verantwortung zur Senkung unserer Fixkosten." Der Verein habe demnach die Kosten getragen, es sei alles "komplett und voll transparent" bezahlt worden.

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