Fr, 15. Dezember 2017

"Krone"-Interview

16.01.2014 16:58

Karl Stoss: Olympia-Boykott war nie ein Thema

Deutsche und französische Politiker reisen nicht nach Sotschi, österreichische schon – dafür kritisierte Skikönig Hermann Maier den russischen "Zaren" Wladimir Putin! Aber was sagt der heimische Olympia-Boss zu den Winterspielen in Sotschi? Dachte er jemals an einen Boykott des gesamten Teams? ÖOC-Präsident Karl Stoss im Interview mit "Krone"-Sportchef Robert Sommer.

"Krone": Herr Präsident, hatten Sie je daran gedacht, dass Österreichs Team Sotschi boykottieren sollte?
Karl Stoss: Nein! Wenn man keine Olympischen Spiele in Russland will, hätte man früher draufkommen müssen, dass dort das Verständnis von Demokratie und Umweltschutz anders ist als etwa bei uns.

"Krone": Das heißt: Sie sehen da sehr wohl Defizite?
Stoss: Ja, aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: Auch für die Winterspiele vor vier Jahren in Kanada wurden ganze Wälder gerodet. Wir müssen uns die Frage stellen: Wollen wir nur noch Großereignisse in Ländern, wo alles hundertprozentig passt?

"Krone": Da werden wir nicht allzu viele finden – Salzburg, das sich ja um Olympia 2014 beworben hat, wäre da eine Möglichkeit gewesen.
Stoss: Die Wahl ist vorbei, sie ist entschieden! Jetzt freuen wir uns auf Sotschi.

"Krone": Und auch darauf, dass Bundeskanzler Werner Faymann und Sportminister Gerald Klug dabei sind? Unsere Politiker boykottieren ja zum Unterschied von Kollegen aus anderen Ländern diese Spiele nicht.
Stoss: Ich finde das völlig richtig – wir Österreicher haben eine Jahrhunderte dauernde Freundschaft mit dem russischen Volk, davon profitieren wir auch wirtschaftlich: Unsere Firmen setzten bei den Bauarbeiten für die Sportstätten 1,2 Milliarden Euro um, Deutschland mit zehnmal mehr Einwohnern 1,5 Milliarden. Wir haben auf der einen Seite profitiert, warum sollen wir dann auf der anderen boykottieren?

"Krone": Aber dass in Russland nicht alles zum Besten steht, ist wohl auch Ihre Meinung, oder? Werden Sie das vor Ort artikulieren?
Stoss:
Natürlich muss man sich Gedanken machen, aber ich maße mir da kein Urteil an. Ich werde dort ausschließlich zu sportlichen Themen Stellung nehmen.

"Krone": Vielleicht werden Sie ja ganz andere Fragen beantworten müssen – nämlich als Generaldirektor der Lotterien! Halten Sie einen Wettskandal, wie zuletzt in Fußball-Österreich, auch bei Winterspielen für möglich?
Stoss: Ausschließen kann man nichts – zumal es immer häufiger Wetten in Ländern gibt, die gar keinen Bezug zu den betroffenen Bewerben haben: etwa wenn in Vietnam auf Drittliga-Fußballpartien auf dem Balkan gesetzt wird. Wir haben aber auch im Winter ein gut funktionierendes Warnsystem.

"Krone": Abseits harmloser Fragen wie nach Ihrem Medaillen-Tipp für Sotschi gab's Kritik, dass Sie Ihrem Generalsekretär Peter Mennel gestatteten, auch Präsident der Eishockey-Liga zu werden. Ist das nicht unvereinbar?
Stoss: Ich sehe da überhaupt kein Problem, weil Mennel nicht im ÖOC-Vorstand ist und keinen Einfluss auf die Olympia-Entsendungen hat. Das Eishockeyteam wird also sicher nicht bevorzugt. Seine Doppelfunktion hat uns sogar schon einiges gebracht: Der Liga-Sponsor ist mittlerweile auch ein Partner von uns geworden.

"Krone": Und jetzt endlich die Frage aller Fragen: Wie viele Medaillen erwarten Sie?
Stoss: Zweistellig sollte die Ziffer schon werden! Vancouver mit 16 zu erreichen, wäre natürlich großartig.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden