So, 27. Mai 2018

Hochmotivierend

07.01.2014 14:03

Futter für Rollenspiel-Fans: "Bravely Default"

Schon lange wünschen sich Fans der "Final Fantasy"-Reihe ein japanisches Rollenspiel, das so richtig an alte Tugenden anknüpft - "Bravely Default" ist genau dieses Spiel. Der exklusive Nintendo-3DS-Titel erinnert im besten Sinne an Klassiker wie "Final Fantasy 5" - mit rundenbasierten Zufallskämpfen, Jobsystem und wendungsreicher Story. Ein klassisches Spielprinzip, das Square Enix aber mit einigen sinnvollen Neuerungen aufpeppt.

"Bravely Default" ist in vielerlei Hinsicht altmodisch und macht auch kein Geheimnis daraus. Das merkt man bereits an der unscheinbaren Grundidee, die man zigfach aus anderen Rollenspielen kennt: In einer x-beliebigen Fantasywelt haben vier riesige magische Kristalle, die Erde, Wind, Feuer und Wasser repräsentieren, ihre Kraft verloren. Die Folge sind Naturkatastrophen und Kriege, die das Land und seine Bewohner heimsuchen.

Um die drohende Dunkelheit abzuwenden, raufen sich vier jugendliche Helden zusammen: Der Bauernlümmel Tiz, der Schwerenöter Ringabel und die geläuterte Überläuferin Edea helfen der Priesterin Agnès dabei, die vier Zaubersteine wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das sympathische Heldenquartett wächst dem Spieler schnell ans Herz, da alle Figuren sorgfältig geschrieben wurden und reichlich Profil besitzen. Dazu trägt auch die gute englische Sprachausgabe bei, die fast durchgängig zu den vielen, deutschen Bildschirmtexten ertönt - ein dickes Plus für die Atmosphäre!

Ernste Story, für Europäer leicht entschärft
Im Verlauf der mehr als 60 Spielstunden erforschen die vier Helden alle Winkel des Landes und stoßen dort auf verschiedenste Nöte, Sorgen und Probleme. "Bravely Default" setzt dabei auf durchaus ernste, gehaltvolle Themen mit interessanten Gegenwartsbezügen: Da knechtet ein Herrscher beispielsweise sein Volk mit unmenschlichen Arbeitszeiten, während wir in einer anderen Region eine grausame chemische Kriegswaffe vernichten sollen. In einer weiteren Region ist die Bevölkerung heillos einem krankhaften Schönheitswahn verfallen.

Dabei geht es mal heiter, mal nachdenklich zu - eigentlich eine gute Story-Mischung, die aber nicht immer den richtigen Ton trifft: Religionstreue und Militarismus werden zuweilen unkritisch rübergebracht, außerdem geben einige Charaktere arg sexistische Sprüche zum Besten, was eher unreif als witzig wirkt. Da lässt es tief blicken, dass genau diese Inhalte für den westlichen Markt sogar zensiert wurden - denn im japanischen Original sind die weiblichen Charaktere nicht nur leichter bekleidet, sondern auch minderjährig. Für die europäische Fassung wurde das Alter der kindlich designten Figuren jedoch von 15 auf 18 Jahre angehoben und einige schlüpfrige Dialoge leicht entschärft.

Trotz mancher Patzer bleibt die Story auf einem soliden Niveau und führt den Spieler schlüssig durch die Welt. Die Spielergruppe marschiert auf einer schlicht designten Übersichtskarte von einem Ort zum nächsten, dazwischen lauscht man umfassenden Dialogen oder schlägt sich mit rundenbasierten Zufallskämpfen rum. Andere Spielinhalte - etwa Rätsel oder Action-Elemente - gibt es nicht, "Bravely Default" konzentriert sich wie alte "Final Fantasy"-Teile ganz auf seine Story, auf die Gefechte und die umfassende Charakterentwicklung.

Scharmützel: Klassisch, rundenbasiert und blitzschnell
Kämpfe laufen in bewährter Manier ab: Die vier Helden stehen stets einer Monstergruppe gegenüber, die man Runde für Runde mit Attacken und Zaubern niederknüppeln muss. Dabei kommt es auf die richtige Taktik an: Blitzspeere machen Wassermonster platt, Feuerzauber lassen Eisviecher schmelzen und fliegende Gegner holt man problemlos mit einem guten Bogentreffer vom Himmel. Wird's brenzlig, kommen Tränke, Salben und Schutzzauber zum Einsatz - das klappt so gut, wie man's von alten "Final Fantasy"-Teilen oder beispielsweise "Chrono Trigger" gewohnt ist.

Allerdings hat "Bravely Default" eine wichtige Besonderheit: Untypisch für's Genre darf man nicht nur ein, sondern bis zu vier Manöver hintereinander festlegen - das sind die namensgebenden "Brave"-Aktionen. Jeder Held kann so eine ganze Reihe von Attacken und Zaubern einsetzen, wird danach allerdings sehr verwundbar - für jeden Einsatz von "Brave" muss der gewählte Charakter nämlich eine Runde aussetzen und ist dem Feind dann schutzlos ausgeliefert. Soll der Held jedoch lieber eine Runde warten, wählt man stattdessen die zweite Funktion "Default" - damit verzichtet der gewählte Kämpfer auf seine Aktion, bekommt dafür aber eine Runde gutgeschrieben. Durch dieses simple System erhalten die Gefechte eine unerwartete taktische Tiefe, die sich vor allem in den kniffligen Bosskämpfen bemerkbar macht.

Komfortfeatures sorgen für guten Spielfluss
Da man sehr viel Zeit mit Kämpfen verbringt, haben die Entwickler gleich mehrere hübsche Komfortfunktionen eingebaut, damit das Dauergekloppe nicht zu zäh gerät: Wer mag, kann beispielsweise alle Kampfanimationen in doppelter oder sogar vierfacher Geschwindigkeit ablaufen lassen, außerdem darf man seine zuletzt gewählten Manöver automatisch wiederholen - das ist vor allem in den Zufallskämpfen praktisch, in denen man meist ohnehin nur Standardaktionen verwendet. So kann man in Windeseile ein Gefecht nach dem nächsten hinter sich bringen, um Gold und Erfahrungspunkte anzuhäufen.

Wer doch mal keine Lust auf Zufallskämpfe hat, der kann sie per Schieberegler reduzieren oder sogar ganz abschalten - ideal, wenn man nach einem Bossgefecht nur noch in die nächste Stadt zurückkehren möchte, um seine Wunden zu heilen und die Heldengruppe weiterzuentwickeln. Und sollte man sich an einem Kampf die Zähne ausbeißen, darf man den Schwierigkeitsgrad in mehreren Stufen regeln. Zwar beginnt das Spiel sehr fair und einsteigerfreundlich, doch im Laufe der Zeit wird es zunehmend kniffliger - spätestens im vierten Kapitel steigt der Anspruch derart sprunghaft an, dass sich auch geübte Spieler in Acht nehmen müssen.

Charaktervielfalt dank Jobsystem
Anstelle fester Klassen bietet "Bravely Default" ein flexibles Jobsystem - leicht zu kapieren, aber erfreulich tiefgängig. Über Haupt- und Nebenquests schalten die Helden neue Job-Klassen frei, die sie dann beliebig wählen und trainieren können. Ob Schwarzmagier oder Pirat, Schwertmeister oder Dieb, Salbenmacher oder Walküre - es gibt stolze 24 solcher Berufe, die man unabhängig von dem Charakterlevel eines Helden trainiert und verbessert.

Für jeden neuen Joblevel erhält der Held neue Fertigkeiten, die er entweder aktiv im Kampf einsetzen oder aber als passive Boni verwenden kann. Der Clou daran: Zu jeder gewählten Job-Klasse darf man noch einen Nebenberuf wählen, sodass man jeden Job frei miteinander kombinieren kann. Beispielsweise verbindet man so einen kampfstarken Ritter mit einem flexiblen Weißmagier, der mächtige Heilkräfte und Schutzzauber verwendet. Und als wäre diese Fülle an Fähigkeiten und Boni noch nicht genug, gibt's auch eine ordentliche Auswahl an Waffen und Rüstungsteilen, die man in den gut designten Charaktermenüs anlegen und auswechseln kann.

Grafisch durchwachsen, aber atmosphärisch
Grafisch bietet "Bravely Default" ein wechselhaftes Bild: Die meisten Gewölbe und auch die Übersichtskarte, auf der die Gruppe durch die Welt reist, sind recht lieblos, kantig und detailarm gestaltet - dabei wäre die Hardware des Nintendo 3DS eigentlich zu mehr fähig. Dafür entschädigen jedoch die Städte und Dörfer: Anders als die Dungeons wurden diese Locations nämlich nicht in schlichter 3D-Grafik umgesetzt, sondern zunächst aufwendig von Hand gezeichnet und erst anschließend als Texturen für die dreidimensionalen Umgebungen verwendet.

Das Ergebnis sind Städte, die so hübsch aussehen wie schicke Artworks, dank Zooms und mehrstufig scrollender Ebenen aber trotzdem ein Gefühl räumlicher Tiefe vermitteln - besonders hier darf dann auch der 3D-Bildschirm der Nintendo-Konsole zeigen, was er kann. Die Kämpfe bieten dafür nichts Besonderes - Animationen, Effekte und Monsterdesign bewegen sich allenfalls auf durchschnittlichem Niveau. Schöner ist da die Dialogdarstellung geraten, denn hier darf man alle Gesprächspartner in Nahaufnahmen inklusive passender Animationen bewundern - das sorgt zusammen mit der guten englischen Sprachausgabe für ordentlich Atmosphäre.

Features, die keiner braucht

Ebenso unnötig: Selbst wenn man genügend Bewohner in seinem Dorf hat, um die zeitaufwendigen Bauarbeiten durchzuführen, muss man den 3DS eingeschaltet und zumindest im Standby-Modus lassen, damit das Gebäude fertig wird. Eine ähnlich sinnlose Idee der Entwickler ist die Möglichkeit, kostenpflichtig Bonustränke im Nintendo eShop zu kaufen, dank derer man sich einen Vorteil im Kampf verschaffen kann. Diese Tränke sind zwar völlig unnötig, doch allein die Anwesenheit der unbeliebten Mikrotransaktionen dürfte manchem Spieler sauer aufstoßen.

Fazit: "Bravely Default" ist ein sehr gutes, sehr motivierendes, sehr traditionelles Japano-RPG mit typisch klischeehafter Story, aber auch gelungenen ernsten Momenten geworden. Die Charaktere wachsen dank Witz und toller englischer Sprachausgabe schnell ans Herz. Zudem machen das flexible, tiefgängige Jobsystem und viel Bedienkomfort die taktischen Kämpfe zum Vergnügen. Sich auch angesichts der langen Spielzeit den Spaß von Mängeln wie dem fragwürdigen Sexismus, der Streetpass-Funktion und Bau-Warterei verderben zu lassen, wäre schade. Denn alles in allem darf sich "Bravely Default" locker zu den besten japanischen Rollenspielen zählen, die man für Nintendos 3DS bekommt.

Plattform: 3DS
Publisher: Square Enix
krone.at-Wertung: 8/10

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