Sa, 16. Dezember 2017

Todesstrafe droht

10.09.2013 09:48

Studentin in Indien vergewaltigt: 4 Schuldsprüche

Fast neun Monate nach der Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Studentin in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi sind am Dienstag alle vier volljährigen Angeklagten schuldig gesprochen worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer die junge Frau im vergangenen Dezember in einem Bus entführt, vergewaltigt und so schwer verletzt hatten, dass sie später im Spital starb. Das Strafausmaß wird in den kommenden Tagen verkündet. Den vier Männern droht die Todesstrafe.

Die zwischen 19 und 26 Jahre alten Männer hatten ihre Schuld bestritten. Erst gegen Ende des Prozesses erklärte einer von ihnen laut seinem Anwalt, er habe den Bus gefahren, aber von den Vorgängen auf der Rückbank nichts mitbekommen. Nun wurden die Männer laut Staatsanwalt in allen Anklagepunkten wie Mord, Gruppenvergewaltigung, Entführung und Zerstörung schuldig gesprochen. Der Freund der Studentin, der ebenfalls im Bus war und von der Gruppe zusammengeschlagen wurde, hatte die brutale Tat ausführlich im Gerichtssaal erzählt.

Familie des Opfers fordert Strang für Täter
Die Familie des Opfers hatte bei der Urteilsverkündung Tränen in den Augen. Zuvor hatten die Angehörigen einmal mehr den Strang für die Täter gefordert. "Die einzig mögliche Strafe für diese Männer, die solch ein brutales, abscheuliches Verbrechen begangen haben, ist die Todesstrafe. Wir werden nichts anderes akzeptieren, auch keine lebenslange Haftstrafe", sagte der 20 Jahre alte Bruder. Nur so könnten sie mit dem Tod des Familienmitglieds abschließen.

Verteidiger wollen Einspruch einlegen: "Politische Urteile"
In ersten Erklärungen der Anwälte gegenüber der Journalistenschar vor dem Gerichtsgebäude machten diese deutlich, dass sie Einspruch gegen die Schuldsprüche einlegen würden. Einer der Verteidiger sprach von "politischen Urteilen".

Bereits am Wochenende war der einzige zur Tatzeit minderjährige Angeklagte von einem Jugendgericht in Neu-Delhi zu drei Jahren verurteilt worden (siehe Story in der Infobox). Damit erhielt er die höchstmögliche Strafe.

Hauptverdächtiger tot in Zelle aufgefunden
Insgesamt waren an der brutalen Tat sechs Männer beteiligt, doch der Hauptverdächtige wurde im März tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden, die Hintergründe sind noch unklar. Die Behörden sprechen von Selbstmord. Seine Familie und sein Anwalt hingegen behaupten, es sei Mord gewesen.

Welle der Empörung nach Vergewaltigung
Die Vergewaltigung hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, in ganz Indien Proteste ausgelöst und ein Schlaglicht auf die im Land grassierende Gewalt gegen Frauen geworfen. Die Regierung verschärfte die Gesetze für Sexualstraftaten und versprach schnellere Gerichtsverfahren. Auch diskutierte erstmals ein größerer Teil der Gesellschaft über Frauenfeindlichkeit und Rollenbilder im Land. Viele Demonstranten forderten bei Protesten den Strang für alle, auch den Jugendlichen der Gruppe. In Indien können Gerichte nur bei erwachsenen Tätern in Ausnahmefällen die Todesstrafe verhängen.

Wegweisendes Urteil für Indien?
Das Urteil könnte die Richtung in eine neue Zukunft in Indien weisen, sagt Ranjana Kumari, Direktorin des Zentrums für Sozialstudien in Neu-Delhi. Denn die Männer seien nicht davongekommen, wie das bisher so oft in Indien geschehen sei. Nur wenige Vergewaltigungen würden derzeit angezeigt, und davon endeten die meisten mit einem Freispruch. Vor allem weil Vergewaltigungsopfer als ihrer Ehre beraubt, schmutzig und nicht mehr heiratsfähig gelten, zögern nach wie vor viele Frauen, ihr Leid anzuzeigen.

"Früher wurde fast immer vertuscht, denn Vergewaltigung war mit einem riesigen sozialen Stigma behaftet. Das hat sich zu einem gewissen Grad geändert", sagt Akhila Sivadas vom Zentrum für Anwaltschaft und Forschung in Neu-Delhi. Deswegen trauten sich endlich mehr Frauen zur Polizei: In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden in der Hauptstadt 359 Fälle registriert, im Vorjahreszeitraum waren es 143 Fälle. "Vergewaltigung war immer da, aber jetzt zeigen die Opfer häufiger an", meint Sivadas.

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