Mi, 17. Jänner 2018

Suchen junge Mädchen

07.08.2013 11:59

Ägypten: Kurzzeitehen für Sextouristen

Touristen, die auf der Suche nach Sex mit jungen Mädchen sind, wird es besonders in ländlichen Regionen Ägyptens leicht gemacht: Sie werden temporär mit ihren Opfern "verheiratet", was das Treiben - trotz des Verbots von Kinderehen - mit einem legalen Deckmantel versehen soll. Manche Mädchen seien bis zum Alter von 18 Jahren schon 60-mal verheiratet gewesen, berichtet eine ägyptische Regierungsorganisation.

2008 wurde in Ägypten die Verheiratung von Personen unter 18 Jahren verboten, doch durchgesetzt werde das Gesetz besonders in ländlichen Gebieten oft nicht, beklagt die Einheit gegen Kinderhandel des Nationalen Rats für Kindheit und Mutterschaft, eine Regierungsorganisation. Seit der Revolution 2011 habe die Praxis wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage sogar noch zugenommen.

Reiche Männer kaufen kindliche "Ehefrauen"
Tausende Mädchen zwischen elf und 18 Jahren würden jedes Jahr an reiche, viel ältere Männer - vor allem aus dem Arabischen Golf - "verheiratet", berichtet die Nachrichtenagentur Inter Press Service. Die Männer werden demnach in armen Dörfern von Vermittlern bestürmt - je nach Wunsch, können Mädchen für einen Tag, aber auch mehrere Monate "geheiratet" werden. Die Opfer werden in letzterem Fall nicht nur mehrfach vergewaltigt, sondern müssen oftmals zudem ihrem "Ehemann" in dessen Heimatland folgen und dort zum Beispiel als Putzfrau arbeiten. Andere würden aber auch zur Prostitution gezwungen.

Gewaltige Summen für arme Familien
Das Geld, das für die falschen Hochzeiten kassiert wird, teilen sich die Vermittler mit den Eltern der Opfer. Eine einen Tag dauernde "Ehe" kostet etwa 800 ägyptische Pfund (ca. 90 Euro), für einen ganzen Sommer werden zwischen 20.000 und 70.000 Pfund (2.200 bis 7.500 Euro) fällig. Ein gewaltiger Betrag für arme, kinderreiche Familien, die sonst oft von weniger als 1,50 Euro pro Tag leben müssen.

Mädchen als Ware
Gesellschaftlich sei das oft durchaus akzeptiert, erzählt Sandy Shinouda von der Internationalen Organisation für Migration gegenüber Inter Press Service. Wenn ein Mädchen zehn Geschwister habe, werde sie von der Familie möglicherweise nur noch als Ware angesehen. Das Ehegeschäft werde mit der Begründung, es sei zum Besten der ganzen Familie, legitimiert.

"Sie verstehen, dass ihre Eltern sie verkauft haben"
Für die Opfer aber seien die psychologischen Auswirkungen groß, so Shinouda. "Die Mädchen wissen, dass ihre Eltern sie ausgebeutet haben. Sie verstehen, dass ihre Eltern sie verkauft haben." Rechte hätten die Mädchen zudem keine, denn die "Eheschließungen" seien offiziell nicht gültig. Die Mädchen wieder in die Gesellschaft einzugliedern, sei nicht so einfach - bringe man sie nach Hause zurück, würden sie oft sofort wieder an einen Interessenten verschachert.

Umfrage macht Umfang der Kinderehen deutlich
Um den Umfang der Praxis zu ermitteln, führte die Regierung 2009 eine Umfrage unter 2.000 Familien in drei Städten nahe Kairo durch. 75 Prozent der Befragten gaben laut der Untersuchung an, Mädchen zu kennen, die kurzzeitig verheiratet wurden. Die meisten waren zudem der Meinung, dass die Zahl der betroffenen Kinder gestiegen sei. 81 Prozent der "Ehemänner" kamen laut Überzeugung der Befragten aus Saudi-Arabien, zehn Prozent aus den Vereinten Arabischen Emiraten und vier Prozent aus Kuwait.

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