Fr, 24. November 2017

„Einfach entsetzlich“

09.12.2012 14:29

Schock und Trauer nach Tod von Kates Krankenschwester

Mit Wut und Trauer hat Großbritannien auf den Tod der Krankenschwester reagiert, die auf einen Telefonstreich zweier australischer Radiomoderatoren hereingefallen war. In einem Brief an die Eigentümer des Senders verurteilte das Londoner Krankenhaus, in dem die schwangere Herzogin Kate behandelt wurde, die Aktion am Samstag als "wahrhaft entsetzlich". Die Führung des Medienkonzerns SCA diskutierte den Vorfall unterdessen in einer Dringlichkeitssitzung.

"Ich schreibe Ihnen, um auf das Schärfste gegen den Telefonstreich Ihres Senders 2DayFM zu protestieren", hieß es in dem Schreiben von Spitalschef Simon Glenarthur an den Medienkonzern Southern Cross Austereo (SCA). Die unmittelbare Folge des "vorsätzlichen und unüberlegten" Streichs sei die "Demütigung zweier aufopfernder Krankenschwestern" gewesen, die nur ihren Job gemacht hätten, nämlich sich um die Patienten zu kümmern. Der spätere Tod einer der beiden Pflegerinnen sei "unbeschreiblich tragisch", hieß es in dem Brief.

Zwei Moderatoren (Bild 2) des Senders 2DayFM hatten sich am Dienstag in der Früh als Queen Elizabeth II. und Prinz Charles ausgegeben und Auskunft über Kates Zustand erbeten, die wegen schwerer Übelkeit behandelt wurde. Da die Telefonzentrale so früh noch nicht besetzt war, nahm die 46-jährige Jacintha Saldanha den Anruf an und stellte zu einer Kollegin durch, die Auskunft gab. Am Freitag wurde Saldanha tot aufgefunden. Nach Darstellung britischer Medien nahm sich die zweifache Mutter das Leben, die Ermittlungen dauern aber noch an.

Medienkonzern: "Tod der Frau war unvorhersehbar"
Glenarthur kritisierte, dass der Anruf nicht nur aufgezeichnet, sondern mit Genehmigung durch höhere Stellen des Senders auch ausgestrahlt wurde. Zwar könnten die Schäden, die der Streich angerichtet habe, nicht wieder gutgemacht werden. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass so etwas nie wieder geschehe, schrieb er.

Die SCA-Führung antwortete nach einer Sitzung in einem Brief an das Spital laut der Nachrichtenagentur AAP, der Tod der Krankenschwester sei "unvorhersehbar und äußerst bedauerlich" gewesen. Alle seien wegen der jüngsten Vorkommnisse in Trauer, auch wenn die Details der Tragödie noch offen seien. Es würden umgehend "alle damit verbundenen Prozesse" innerhalb des Senders überprüft, hieß es. SCA werde bei sämtlichen Ermittlungen kooperieren.

Moderatoren werden nicht mehr auftreten
Bereits zuvor hatten die beiden Moderatoren Mel Greig und Michael Christian angekündigt, bis auf Weiteres nicht mehr in der Sendung aufzutreten. Britischen Medien zufolge drohen ihnen Befragungen durch die britische Polizei. Die Moderatoren wollen sich auch selbst öffentlich äußern. Der Zeitpunkt sei noch unklar, sagte eine Sprecherin des Senders am Sonntag der australischen Nachrichtenagentur AAP. Die Beiden seien in intensiver Therapie. Ihr Zustand sei "labil". Tausende haben die Moderatoren auf Facebook und Twitter scharf kritisiert und werfen ihnen Mitschuld am Tod der Schwester vor.

Vor der Unterkunft nahe des Londoner Krankenhauses, in der Saldanha tot aufgefunden worden war, legten Trauernde Blumen nieder. Zum Haus der Familie in Bristol strömten Angehörige und Freunde, um ihrem Mann und den 14 und 16 Jahre alten Kindern Beistand zu leisten. In einer Eintragung auf Facebook kündigte ihr Mann an, seine Frau werde in ihrer indischen Heimat beigesetzt. Er sei wegen des tragischen Verlusts seiner Frau "am Boden zerstört".

Familie der Krankenschwester schockiert
Saldanhas Familie in Indien zeigte sich ebenfalls schockiert. Ihr Schwägerin Irene D'Souza sagte AFP, es sei nur schwer zu glauben, dass sie sich tatsächlich das Leben genommen habe. "Sie war einfach keine Frau, die so etwas tut."

Australische Medien nahmen die Moderatoren am Sonntag in Schutz. Dies sei ein Moment der Trauer und nicht die Zeit, um "hysterisch" jemandem die Schuld zuzuschieben, schrieb der "Daily Telegraph". Greig und Christian hätten Saldanha "nicht getötet".

William absolvierte ersten öffentlichen Auftritt
Prinz William ist unterdessen am Samstagabend zu seinen öffentlichen Pflichten zurückgekehrt. Er besuchte in London die Gala einer Hilfsorganisation für obdachlose Jugendliche, deren Schirmherr er ist. Unter anderem stand die Übergabe einer Auszeichnung an den Tennisspieler Novak Djokovic für dessen soziales Engagement an. Kate war anders als geplant nicht dabei, da sie wegen Schwangerschaftsübelkeit vorerst ihre offiziellen Termine absagen musste.

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