Do, 14. Dezember 2017

Proteste in Irland

12.07.2012 16:23

Mix eingeschläfert, weil er "Pitbull-ähnliche Züge" hat

Ob bestimmte Hunderassen als besonders gefährlich einzustufen sind, wird unter Experten und Hundehaltern seit Jahren hitzig diskutiert. In mehreren europäischen Ländern wurden Rassen wie Pitbull oder Staffordshire Terrier mit strengen Haltungsauflagen belegt. Ein Fall aus Irland sorgt nun international für Empörung: Dort wurde Mischling "Lennox" seiner Familie weggenommen und eingeschläfert, obwohl er nie negativ aufgefallen war und nicht unter die Regelungen für "gefährlichen Hunderassen" fiel. Er starb auf gerichtliche Anordnung, nur weil er angeblich wie ein Pitbull aussah.

Lennox, ein Mischling aus American Bulldog und Labrador, lebte von Welpenbeinen an bei Familie Barnes in Belfast, Irland. Als verantwortungsvolle Hundehalter ließen sie ihn chippen, registrieren und versichern und führten ihn stets an der Leine spazieren, es gab niemals Beschwerden über den Hund. Umso größer war der Schock, als die Stadtverwaltung eines Tages die Beschlagnahmung des damals fünfjährigen Lennox anordnete. Die Begründung: Der Rüde habe "Pitbull-ähnliche Züge", auch wenn er eigentlich ein Mischling aus zwei Rassen war, die auf keiner Liste stehen.

Hundefreunde in ganz Europa protestierten
Im Mai 2010 wurde Lennox aus seinem Familienumfeld gerissen und beschlagnahmt. Die Stadtverwaltung drängte die Barnes, das schriftliche Einverständnis zu seiner Einschläferung zu geben, doch die Familie weigerte sich. Stattdessen protestierte sie öffentlich gegen die Vorgehensweise, über soziale Medien wie Facebook erregte der Fall schnell Aufmerksamkeit in ganz Europa.

Tausende Menschen unterschrieben Petitionen gegen die Tötung des Rüden. Zwei Jahre lang wurde Lennox von der Regierung "verwahrt", es kam sogar zu einer Gerichtsverhandlung. Obwohl er sich auch während seiner Zeit im städtischen Zwinger nie aggressiv gezeigt hatte, bestätigte der Richter die Entscheidung, Lennox zu töten. Das Urteil löste einen Proteststurm in Irland aus, doch diese Woche wurde der Mischling schließlich eingeschläfert.

Gericht kann Einschläferung von Listenhunden beschließen
In Irland gibt es seit 1991 eine Rasseliste. American Pitbull Terrier, Bullmastiff, Dobermann, English Bullterrier, Japanischer Akita und Tosa, Rhodesian Ridgeback, Rottweiler, Staffordshire Bullterrier und sogar der Deutsche Schäferhund sowie Mischlinge aus diesen Rassen müssen demnach an öffentlichen Orten einen Maulkorb tragen, dürfen nur an der kurzen Leine und von Personen über 16 Jahren geführt werden. Ein Gericht kann die Einschläferung solcher Hunde beschließen, wenn sie als gefährlich einzustufen sind oder nicht ordnungsgemäß geführt werden. 2007 wurde in Dublin ein generelles Verbot der "Kampfhunde" in städtischen Wohnungen erlassen.

Rassezugehörigkeit muss vom Halter belegt werden
In Österreich haben die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Vorarlberg Rasselisten eingeführt. Während in der Bundeshauptstadt ein Hundeführschein für die Haltung von sogenannten "Kampfhunden" abgelegt werden muss, gelten in Niederösterreich verschärfte Haltungsbedingungen. In Vorarlberg sind Rassen der Liste genehmigungspflichtig. In Oberösterreich, der Steiermark und neuerdings auch in Salzburg setzt man dagegen auf Information beziehungsweise Prüfung für Neuhundebesitzer aller Rassen. Welcher Rasse der Hund angehört (bei Mischlingen die Elterntiere), ist im Zweifelsfall vom Hundehalter zu beweisen.

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