Sa, 25. November 2017

Bedrohte Art

02.07.2012 11:54

Bereits 16 junge Kaiseradler in Österreich

Der weltweit bedrohte Kaiseradler befindet sich bildlich gesprochen im Aufwind: Elf Kaiseradler-Paare in Österreich haben derzeit Nachwuchs und ein wachsames Auge auf insgesamt 16 weißbraun beflaumte Küken. Die Paare halten sich sowohl in einem burgenländischen Horst als auch in niederösterreichischen Revieren auf. Seit 2009 werden die Kaiseradlerbestände in Niederösterreich durch die Organisation "BirdLife" beringt und besendert. Die im Vorjahr erstmalig mit Sender ausgestatteten Jungvögel dokumentieren bereits 10.000 zurückgelegte Flugkilometer.

"Mit 16 Jungvögeln sprechen wir beim Kaiseradler von einem sensationellen Bruterfolg", so Gábor Wichmann, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich. Die Schutzbemühungen der Vogelschutzorganisation mit der Vermeidung von Störung in Horstnähe zeigen Wirkung. "Jetzt muss nur noch der Horst-Baum auch Gewitterstürmen standhalten. Wenn die derzeit noch flugunfähigen jungen Greife aus dem Horst hinauskatapultiert werden, sind sie leichte Beute für Bodenräuber wie den Fuchs", so Wichmann. Er hofft, durch die jungen Kaiseradler, die Mitte Juli flügge werden, den stetigen Aufwärtstrend der österreichischen Kaiseradlerpopulation erneut bestätigen zu können.

Weniger als 30 Prozent überleben die ersten drei Jahre
In den ersten drei bis vier Lebensjahren, in denen die Kaiseradler überlebenswichtige Erfahrungen sammeln, sind sie insbesondere durch ihre Unerfahrenheit durch Anflug und Stromschlag an Stromleitungen, Windkraftanlagen und illegale Verfolgung stark gefährdet. Die Überlebensrate liegt bei Jung-Adlern unter 30 Prozent. Die maximale Lebenserwartung eines Kaiseradlers wird von den Experten auf 15 Jahre geschätzt.

Besenderung und Beringung schützt Jungadler
Seit fünf Jahren kommt ein Kaiseradlerpaar in das Revier bei Hohenau zum Brüten. Im Vorjahr zog es zwei Junge auf, heuer gelang die für ein Kaiseradlerpaar maximale Aufzucht von drei Jungvögeln, die bereits besendert wurden. Dabei wird der Sender den jungen Vögeln wie ein Rucksack und mit größter Vorsicht umgehängt und angepasst. Dieser Vorgang erfordert viel Erfahrung auf und wird alljährlich im Rahmen einer Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum von Greifvogelexpertin Anita Gamauf durchgeführt.

"Eine kleine Solarzelle versorgt den Sender mit Strom und sendet so per SMS punktgenau die Standortdaten an unsere Projektmitarbeiter", erklärt Wichmann den Vorteil des Senders. Die Besenderung von Jungvögeln in Niederösterreich hilft einerseits, das Verhalten von Jungadlern über Jahre hinweg zu beobachten und andererseits, die Nutzung ihres Lebensraumes besser zu verstehen. Fälle von Wilderei an besenderten Kaiseradlern können somit rasch und ziemlich genau nachverfolgt werden.

Daten zeigen: Adler fliegen auf Naturschutzgebiete
Die Daten der 2011 mit Sendern ausgestatteten Kaiseradler zeigen interessante Unterschiede: Während das bei Hohenau geschlüpfte Weibchen zunächst weite Erkundungsflüge in Zentral- und Osteuropa unternommen hatte, ist sie jetzt etwas ruhiger und sesshafter geworden. Dabei hat es ihr der ungarische Teil des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel besonders angetan - dorthin kehrt sie bisher immer wieder zurück.

Der im Auwald des Nationalpark Donau-Auen geschlüpfte, männliche Kaiseradler hingegen verhielt sich anfangs eher vorsichtig, bis er mutig entlang der Donau von einem Naturschutzgebiet zum andern bis nach Serbien flog. "Die Daten zeigen uns deutlich, dass sich unsere Kaiseradler dort wohlfühlen, wo sie eine abwechslungsreiche Agrarlandschaft mit vielen Brachen und hohen alten Bäumen vorfinden", ergänzt Wichmann.

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