Di, 16. Jänner 2018

Nach Tetschn–Sager

17.05.2012 09:06

"Krone"-Interview: "Der Scheuch watscht keinen"

Sein Tetschn–Sager hat Uwe Scheuch wieder unrühmliche Aufmerksamkeit gebracht. Auch aus Wien hagelt es Rücktrittsforderungen – doch Kärntens stellvertretender Landeshauptmann denkt gar nicht daran, zu gehen. "Ausrutscher passieren." Warum ihm besonders oft, versucht er im "Krone"-Gespräch mit Kerstin Wassermann zu erklären.

"Krone": Sie haben gesagt, dass eine kleine Tetschn in der Schule hin und wieder gut wäre.
Uwe Scheuch: Aber ich habe es nicht so gemeint! Das war eine falsche Metapher – in dem Moment, wo’s mir rausgerutscht ist, hab’ ich schon gewusst, oh je, das könnte falsch verstanden werden.

"Krone": Für mich ist eine Tetschn eine Watschn. Für Sie nicht?
Scheuch: Nein – weil ich’s ja nicht wörtlich gemeint habe. Lehrer sollten mehr Sanktionsmöglichkeiten haben. Aber Gewalt lehne ich strikt ab.

"Krone": Das hat anders geklungen.
Scheuch: Bitte, ich hab’ selbst zwei Kinder! Lieber hacke ich mir die Hand ab, als ein Kind anzugreifen! Der Scheuch watscht keinen, niemals.

"Krone": Also alles ein Missverständnis...
Scheuch: Sie machen sich lustig. Es ist aber nicht lustig, wenn man als jemand dargestellt wird, der man nicht ist.

"Krone": Bei Ihnen häufen sich Ausrutscher. Erst die Part-of-the-Game-Affäre, jetzt...
Scheuch: ...jetzt ein blöder verbaler Fehler, für den ich mich in der Sekunde entschuldigt habe! Aber wer nix tut, macht nix falsch. Ich packe alles an und bin sicher jemand, der oft was falsch macht. Und bei mir hört man halt immer mit sechs Ohren hin, schaut mit vier Augen zu.

"Krone": Weil Sie schließlich hochrangiger Politiker sind: Landeshauptmann-Stellvertreter.
Scheuch: Bin ich da kein Mensch?

"Krone": Nochmal: Sie sind Politiker. Es hagelt – wieder einmal – Rücktrittsforderungen.
Scheuch: Das ist bloß wieder das politische Spiel. Ich denke ja nicht daran! Die Entscheidung über mein Tun wird bei der nächsten Wahl getroffen – durch den Wähler!

"Krone": Das heißt, Sie bleiben. Auch bei einer neuen Verurteilung wegen Korruption?
Scheuch: Gerichte werden hier ein Urteil fällen, danach entscheiden wir in der Partei, welche politischen Auswirkungen das hat.

"Krone": Aber wo ist Ihr persönlicher moralischer Anspruch?
Scheuch: Ich habe einen sehr hohen moralischen Anspruch und den lebe ich auch. Ich halte das nicht für fair, meine Moral in Frage zu stellen, nur weil ich mich im Wort vergriffen habe.

"Krone": Ist das nicht irgendwie schon typisch Uwe Scheuch: Erst reden, dann denken?
Scheuch: (lacht) Ja, das bin ich wohl! Da könnte ich noch lernen. Aber ein Gutes hat die Sache auch.

"Krone": Was denn?
Scheuch: Ich habe ein Tabu angegriffen – dass es in der Schule massive Probleme gibt. Und das will ich anpacken.

"Krone": Woran denken Sie?
Scheuch: An Sanktionsmöglichkeiten. Wenn einer 37 Mal frech aus der Klasse läuft, warum kann er dann nicht zu sozialen Diensten verdonnert werden? Ich rede nur davon, dass Lehrer mehr Durchgriffsrechte bekommen sollten. Und die vielen positiven Reaktionen geben mir in der Diskussion recht.

"Krone": Positive Reaktionen?
Scheuch: Ja, nicht, dass Kinder gewatscht werden sollen, um Himmels Willen, das will ja keiner. Die meisten Leut’ haben meinen Tetschn-Sager wohl so verstanden, dass ich damit einfach Sanktionsmöglichkeiten meine.

"Krone": Wie war Ihre Schulzeit?
Scheuch: Also ich hab’ schon mal eins auf die Finger gekriegt – und es hat mir nicht geschadet. Aber es hat mir auch nicht geschadet, dass ich früh am Bauernhof geholfen hab. Deswegen bin ich trotzdem gegen Kinderarbeit.

"Krone": Sie greifen das Bildungssystem an: Ihr Sohn geht aber in Italien zur Schule.
Scheuch: Die Tochter in Spittal, der Bub in Udine. Weil ich ihm die Chance geben will, Sprachen zu lernen – jedem zu empfehlen! Das zeigt meine Geisteshaltung: Ich bin ein offener, moderner Mensch.

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