Mi, 22. November 2017

Kult-Kabarettist

11.02.2012 09:00

Hader ist 50: Vom Stoascheißer-Koarl zum Aufschneider

Josef Hader kennt man "Privat", als Schöpfer des Stoascheißer-Koarl, als Brenner und "Aufschneider". Er ist der bekannteste österreichische Kabarettist, feierte aber auch im gesamten deutschsprachigen Raum Erfolge. "Hader Privat" gilt mit 500.000 Zuschauern als eines der erfolgreichsten Kabarettprogramme Österreichs. Seine Filme haben Kultstatus, sein wortwitziger Gesang sowieso. Am 14. Februar feiert Josef Hader seinen 50. Geburtstag.

"Und die Karin liegt im Bett statt im Kabarett / Und mocht dort ganz wunderschöne Sachen / Sie macht mit dem Karl, an klan Karl / So an Karl kann ich ihr nicht machen" (Lied von den Leuten, die nicht ins Kabarett gehen).

Josef Hader wird 1962 in Waldhausen, Oberösterreich, geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt er im niederösterreichischen Nöchling, auf dem Bauernhof der Eltern und im Stiftsgymnasium Melk. Gemeinsam mit den ersten Nummern auf der Schulbühne sind das die frühen prägendenden Momente. Zur professionellen Kabarettbühne fehlen nur noch wenige Jahre und ein abgebrochenes Lehramtsstudium Deutsch/Geschichte.

Mit seinem vierten Programm "Biagn oder Brechn" entfernt sich Hader von dem damals gängigen politischen Nummernkabarett und bewegt sich hin zu seiner Form des kabarettistischen Einakters, prompt gelingt ihm der Durchbruch. Es folgen der "Bunte Abend" (1990), der Österreichische Kleinkunstpreis (1992) und "Im Keller" (1993).

Danach beschließt Hader, etwas ganz anderes zu wagen - in Monologform erzählt er 1994 in "Hader Privat" aus seinem Leben. Mit herausragendem Erfolg bei Publikum und Presse. Danach kommt lange nichts, Hader konzentriert sich auf seine Filme. Auf der Bühne steht er nur noch mit "Hader spielt Hader", wo der Kabarettist in einer Art persönlichem Best-of die Geschichten und grotesk-morbiden Lieder der früheren Programme verknüpft. 1999 erhält er den Nestroy-Ring.

Witz der Katastrophe fasziniert
Zehn Jahre dauert es, bis Hader mit einem neuen Programm auf der Bühne steht. Als er zurückkommt, will er sich verändern: "Hader muss weg" (2004) wird eine Mischung aus Kabarett und Schauspiel. In sieben unterschiedlichen Charakteren tritt Hader auf die Bühne, am Ende sind drei von ihnen tot. Es ist das Kaputte und das Fehlerhafte, das an seinen tragisch-komischen Figuren fasziniert - der Witz der Katastrophe.

Aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Film und Fernsehen kann Hader Fuß fassen. An der Seite von Alfred Dorfer spielt er den kleinbürgerlichen Heinz Bösel in "Indien" (1993). In Österreich erreicht der Film schnell Kultstatus. 2000 schlüpft er für die Verfilmung des Wolf Haas-Romans "Komm, süßer Tod" in die Rolle des Detektivs Simon Brenner. Zusammen mit Wolfgang Murnberger und Wolf Haas schreibt er das Drehbuch. Es folgen "Silentium" (2004) und "Der Knochenmann" (2009). Im Fernsehzweiteiler "Der Aufschneider" (2010) verkörpert er mit großem Erfolg den liebenswert zynisch-misanthropischen Pathologen Fuhrmann. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Regisseur David Schalko setzt sich in "Wie man leben soll" (2011) fort.

Auch im Ausland erfolgreich
Als einer der wenigen österreichischen Kabarettisten hat es Hader auch über die Grenzen hinaus geschafft. Die Brenner-Filme laufen in Deutschland wenigstens in Programmkinos, mit "Hader spielt Hader" tourte er dank einer kleinen Dialektreduktion auch durch deutsche Städte. Aber erst die Figur eines schulderfüllten Vergewaltigers in dem Drama "Ein halbes Leben" bringt die endgültige Anerkennung - ganz ohne Komik. Es folgen der deutsche Fernsehpreis für den besten Schauspieler 2009 und der Grimme-Preis 2010.

Über Hader ganz privat ist wenig bekannt. Der Vater von zwei Söhnen tritt lieber mit seinem sozialen Engagement als mit seinem Privatleben an die Öffentlichkeit. Er ist Gründungsmitglied des Vereins "SOS Mitmensch" und übernahm 1995 für zwei Jahre den Vorsitz. Bis heute setzt er sich für soziale Anliegen ein und unterstützt z. B. den Verein "Purple Sheep", der Asylwerber betreut. Als das kleine Theater am Alsergrund 2009 vor dem finanziellen Ruin stand, schoss Hader Geld aus seinem Privatvermögen vor. Nach den Kinoerfolgen der letzten Jahre ist Josef Hader derzeit mit einer adaptierten Fassung von "Hader spielt Hader" wieder auf Tour.

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