Do, 23. November 2017

Von Nazis geraubt

21.04.2011 13:35

Salzburger Museum muss 30-Millionen-Klimt restituieren

Das Museum der Moderne Salzburg (MdM) muss ein Werk von Gustav Klimt restituieren. Dabei handelt es sich um das etwa um 1915 entstandene Gemälde "Litzlberg am Attersee" mit einem Schätzwert von 20 bis 30 Millionen Euro. Amalie Redlich, die ursprüngliche Eigentümerin des Gemäldes, war 1941 von den Nazis deportiert und später ermordet worden.

Gutachten hätten ergeben, dass die Ansprüche von Redlichs Enkel und Alleinerben Georges Jorisch gerechtfertigt seien, gaben am Donnerstag der Leiter des Hauses, Toni Stooss, und Museumsreferent Wilfried Haslauer bekannt. Das berühmte Gemälde gehört damit einem 83-jährigen kanadischen Pensionisten und nicht dem MdM.

Gemälde gelangte über Umwege ins MdM
Die seit Jahren betriebene Provenienz-Forschung ließ keinen Zweifel offen: "Litzlberg am Attersee" wurde 1938 von Amalie Redlich aus dem Nachlass ihres Bruders Victor und ihrer Schwägerin Paula Zuckerkandl erworben. 1941 wurde Redlich in ein polnisches Konzentrationslager deportiert und dort ermordet.

Die Gestapo beschlagnahmte das Bild aus Redlichs Wiener Wohnung (de facto ein Raub) und verkaufte es an den Salzburger Kunsthändler Friedrich Welz, der den Klimt wiederum gegen ein Werk aus der Salzburger Landesgalerie eintauschte. Dort wurde "Litzlberg am Attersee" inventarisiert und gelangte später in den Besitz der Nachfolgerin der Landesgalerie, der Sammlung Rupertinum, heute MdM.

Bild wird jetzt freiwillig zurückgegeben
Einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Rückgabe des Werkes gebe es nicht, wie der für Museen zuständige Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer am Donnerstag deutlich machte. Die Salzburger Landesregierung habe sich aber in einem Akt der Selbstbindung darauf festgelegt, Bilder dann zu restituieren, wenn der Eigentums-Beweis eindeutig vorliegt.

Haslauer will sowohl der Landesregierung als auch dem Salzburger Landtag entsprechende Anträge vorlegen, mit einem verbindlichen Landtagsbeschluss ist am 6. Juli zu rechnen. Sollte dieser Beschluss wie erwartet fallen, dann soll das identitätsstiftende Werk österreichischer Kulturgeschichte in einer kurzen Sonderausstellung in Salzburg gezeigt werden. Im Anschluss daran ist der Transport nach Kanada geplant.

Neo-Bildbesitzer will MdM finanziell unterstützen
"Natürlich werden wir versuchen, mit dem Eigentümer über das Bild zu verhandeln", so Haslauer, "aber ich gebe mich keinen Illusionen hin, dass wir derartig hohe Summen aufbringen können." Ein Trostpflaster gibt es für das MdM aber auch: Der Eigentümer und vermutliche Alleinerbe der Rechte hat eine laut Haslauer "ebenso unerwartete wie großzügige" Spende an das Museum angekündigt. Jorisch will den seit Jahren aus Geldmangel immer wieder verschobenen Umbau des Wasserturms neben dem Museum auf dem Mönchsberg mit 1,3 Millionen Euro mitfinanzieren, das Geld soll aus dem Verkauf des Bildes lukriert werden. Haslauer will den unter anderem für Künstlerateliers vorgesehenen Turm "Amalie-Redlich-Turm" nennen.

In österreichischen Wohnzimmern würden eine lange Reihe weiterer geraubter Kunstwerke hängen, wie Haslauer erläuterte. "Wären diese Bilder im Besitz eines öffentlichen Museums, müssten sie zweifelsfrei zurückgegeben werden." Die gültige Rechtslage zwinge die rechtmäßigen Eigentümer aber, auf eigenes Risiko mit den Besitzern zu verhandeln. Das MdM beschäftigt sich zurzeit mit einem ebenfalls geraubten Gemälde von Emil Nolde. Da liege der Nachweis, wer der rechtmäßige Eigentümer ist, bisher aber nicht vor. Daher soll das Bild vorerst im Bestand des Hauses bleiben.

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