Di, 22. Mai 2018

SUV, iPad, Taser, ...

13.04.2011 18:09

Was mit dem Ölpest-Geld von BP gekauft wurde

"Na, immerhin kommt ein Teil unserer Kohle wieder zurück", würde der für seinen Zynismus bekannte Ex-BP-Chef Tony Hayward wohl sagen, wenn in Biloxi, Mississippi, einer der nagelneuen SUVs um die Ecke biegt und sich beim Herausbeschleunigen einen kräftigen Schluck Benzin genehmigt. Der Geländewagen wurde nämlich mit jenem Geld erworben, das der britische Ölkonzern eigentlich für die Beseitigung der Ölpest-Folgen an die Golfküsten-Regionen zahlte. Nicht die einzige kuriose Anschaffung, wie die Ergebnisse einer groß angelegten Recherche der US-Nachrichtenagentur AP jetzt zeigen.

Fast 1,5 Milliarden Dollar schüttete BP nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko an Staat, Bezirke und Gemeinden als Soforthilfe aus. Einzige Bedingung: Das Geld muss im weitesten Sinne in die Bekämpfung der Ölpest und ihrer Folgen fließen. Doch diese lasche Vorgabe lud offenbar vor allem auf Gemeindeebene viele Verantwortliche dazu ein, kuriose Ausgaben zu tätigen. Den Verbleib von 550 Millionen Dollar konnte die Nachrichtenagentur AP in aufwendiger Recherche ermitteln. Mehr als ein Viertel der Summe ging demnach an Projekte, die nicht nur auf den ersten Blick fragwürdig erscheinen.

So wurde die Polizei im verschlafenen Örtchen Ocean Springs nach der Katastrophe erst einmal mit Elektroschock-Geräten, sogenannten Tasern, ausgerüstet. Eine andere Stadt kaufte sich einen riesigen Straßenstaubsauger, weitere legten das Geld einfach auf die hohe Kante - für noch schlechtere Zeiten.

14 spritfressende Geländewagen für kleines Städtchen
Ein besonders krasses Negativbeispiel ist die Stadt Biloxi im Bundesstaat Mississippi. Hier kauften die Stadtverantwortlichen 14 spritfressende Geländewagen, zwei Boote, zwei Müllautos und einen Schaufelbagger. Kostenpunkt: 1,4 Millionen Dollar. Einer der SUVs, ein 35.000 Dollar teurer Chevy Tahoe 1500 TL, ging direkt an Bürgermeister A.J. Holloway. Sein erst vier Jahre alter GMC Yukon wurde ausgemustert. Eine Stellungnahme zu dem Luxuskauf lehnt Holloway ab, sein Sprecher versucht aber wenigstens, einen Bezug zu der Ölkatastrophe herzustellen: "Holloway musste nach der Katastrophe zu zahlreichen Meetings fahren."

Ebenfalls unverschämt schlug Charlotte Randolph, Gemeindepräsidentin von Parish, zu. Sie stellte BP ein iPad in Rechnung - natürlich die teuerste Version. Ihr Sprecher erhielt einen nagelneuen Laptop samt Zubehör. Kostenpunkt des Notebooks: 3.165 Dollar. Dabei hatte der Sprecher erst im Vorjahr einen tragbaren PC für 2.700 Dollar erhalten.

Doch auch hier gibt es allerlei Begründungen, warum die Ausgaben zwingend notwendig gewesen seien. "Mein alter Laptop war nach den ganzen Arbeiten, die rund um die Katastrophe angefallen waren, nicht mehr zu gebrauchen", so der Sprecher, "und das iPad war nötig, um während der Krise mit Arbeitern und Offiziellen zu kommunizieren." Merkwürdig nur, dass das Apple-Tablet erst 20 Tage nach dem Abdichten des Bohrlochs gekauft wurde.

Krasse Vetternwirtschaft mittels Beraterverträgen
Einen besonders krassen Fall von Vetternwirtschaft gab es unterdessen im Gulf County. Dort wurde ein Beratervertrag für die Überwachung der Sauberkeit der Strände abgeschlossen. 14.468 Dollar flossen für die einmonatige Tätigkeit - und zwar an die Firma Florida Eco Services, die erst wenige Tage nach der Ölkatastrophe gegründet wurde. Besitzer ist Patrick Farrell, dessen Frau im Vorstand der lokalen Handelskammer sitzt und somit gut mit der County-Regierung vernetzt ist.

Begründung für die Vergabe: "Es ist doch besser, Aufträge an lokale Firmen zu geben als an Unternehmen aus anderen Landesteilen", sagt der Anwalt des Bezirks - der gleichzeitig auch der juristische Vertreter des begünstigten Unternehmens Florida Eco Services ist.

Sauberen Strand mit Mega-Rockkonzert gefeiert
Immerhin einen minimalen Bezug zu den BP-Vorgaben hatte eine Maßnahme eines Countys in Florida. Der Bezirk organisierte ein riesiges Rockkonzert mit Lynyrd Skynyrd, Kenny Loggins und den Doobie Brothers. 300.000 Dollar Gage war den Verantwortlichen das Festival wert. Anlass für den Mega-Gig direkt am Meer: "Wir wollten feiern, dass unser Strand wieder sauber ist", so ein Verantwortlicher.

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