Sa, 16. Dezember 2017

Stolz und Sorgen

27.03.2011 13:21

"Bergbauer sein, das ist nicht immer super"

Als sich Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich am Freitag mit seinem Amtskollegen aus Bayern auf halbem Weg in Salzburg traf, marschierten die Landwirte auf. Organisiert wurde der Protest von der Österreichischen Bergbauern-Vereinigung. 10.000 Landwirte gibt es in Salzburg, fast drei Viertel davon sind als Bergbauern deklariert. So wie Familie Hollaus in Piesendorf.

Claudia (25) und Rupert (30) Hollaus haben ihren Bergbauernhof im Piesendorfer Ortsteil Walchen. Sie sind ein Spezialfall, aber auf der anderen Seite auch typisch für viele Landwirte, die dazu verdienen müssen, um zu überleben. "Wir haben acht Milchkühe im Stall, daher arbeite ich im Winter beim Lift, im Sommer beim Maschinenring und Gästebetten haben wir auch“, erklärt Rupert. Ihm passt diese Aufteilung ganz gut, denn alleine vom Hof zu leben wäre nicht möglich. "Und ich habe gerne mehrere Standbeine", betont er.

Töchter sollen "ihren eigenen Weg finden"
Das Ziel der jungen Bauersleute ist klar: "Wir wollen den Hof, den wir vor fünf Jahren gut in Schuss vom Onkel übernommen haben, schuldenfrei weiter geben." Da kommen die beiden Töchter Anna (5) und Theresa (2) ins Spiel. "Sie sollen ihren eigenen Weg finden. Wenn sie den Hof wollen, freue ich mich", sagt Rupert Hollaus.

Rupert und seine Frau sind mit Stolz Bauern. "Dass es kein Wochenende gibt oder einen längeren Urlaub, das war uns bewusst, als wir uns für den Hof entschieden haben. Ich bin gelernter Maler und Claudia Floristin, es wäre also auch anders gegangen."

"Was uns bleibt, wird weniger und weniger"
Dass der Hof floriert, die beiden Töchter hier aufwachsen können und die Eltern oft zu Hause sind, das sind die positiven Seiten des Bergbauerndaseins. Doch "Bergbauer sein, das ist nicht immer super", gesteht der 30-Jährige. Denn die steilen Hänge erfordern viel Handarbeit und Spezialmaschinen. "So ein Motormäher kostet zirka 10.000 Euro. Das ist dann nicht einmal der der teuerste, will aber auch bezahlt werden", sagt Rupert. Dass die Europäische Union die Gelder für die Landwirtschaft neu verteilen will, bereitet ihm Sorgen.

"Schon jetzt wird mehr in die Agrarindustrie als in kleine Strukturen investiert. Die Produkte werden immer teurer, wir sehen davon nichts oder erst viel später etwas. Kraftfutter, Treibstoff, das wird alles teurer. Das, was uns bleibt, wird weniger und weniger." Und genau diese Sorgen teilen alle Landwirte in Salzburg mit dem Bergbauern aus Piesendorf.

von Melanie Hutter, Kronen Zeitung

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