Di, 12. Dezember 2017

"Krone"-Interview

16.02.2011 10:19

Arzt zögerte nach schwerer Kollision keine Sekunde

So einen Einsatz erleben auch erfahrene Flugretter nicht jeden Tag: Martin6-Notarzt Dr. Toni Horcicka (Bild) erkannte in Bramberg nach einem Skiunfall (siehe Infobox) sofort den Ernst der Lage einer verletzten Frau und legte ihr noch auf der Piste eine Brustkorbdrainage. Im "Krone"-Interview schildert er die Notoperation im Schnee.

Montag, 13.45 Uhr: Der Martin6-Helikopter ist gerade auf dem Rückflug von einem Einsatz als die Alarmierung über eine Ski-Kollision in der Wildkogelarena Bramberg kam.

"Krone": Herr Dr. Horcicka, wie stellte sich die Situation dar, als Sie dort waren?
Dr. Toni Horcicka: Durch den Zusammenstoß erlitt die Patientin Verletzungen am Brustkorb und zusätzlich innere Verletzungen. Zwischen Brustkorb und Lunge hatte sich Luft gestaut, die Atmung war dadurch akut bedroht.

"Krone": Was ist in dieser Situation zu tun?
Dr. Horcicka: Es gilt, den Überdruck so schnell wie möglich zu beseitigen. Also habe ich eine sogenannte Brustkorb- oder Thorax-Drainage gelegt. Es braucht dafür einen gezielten Schnitt in den Brustkorb um eben den Druck von der Lunge zu nehmen.

"Krone": Ein schwieriger Eingriff?
Dr. Horcicka: Zumindest im Schnee keine alltägliche Situation. Und eine Herausforderung, weil natürlich die Umstände auf der Skipiste nicht so optimal sind wie etwa im Spital.

"Krone": Dauerte dieser Eingriff sehr lange?
Dr. Horcicka: Die Drainage selbst ist innerhalb von Minuten gelegt. Aber es dauert insofern länger, als dass der Patient narkotisiert werden muss.

"Krone": Die Operation verlief vielversprechend?
Dr. Horcicka: Die akute Atem-Bedrohung konnte dadurch gebannt werden. Und wir konnten die Patientin soweit stabilisieren, dass wir sie mit dem Rettungshelikopter ins Spital nach Schwarzach fliegen konnten.

"Krone": Für Sie der erste chirurgische Eingriff in dieser Form?
Dr. Horcicka: Nein, das war schon öfters der Fall. Etwa 2008 in Saalbach, wo wir ein Mädchen aus Deutschland auf der Piste operierten.

"Krone": Also ein Routine-Einsatz?
Dr. Horcicka: Die Situation auf der Ski-Piste ist immer eine Herausforderung. Hier von Routine zu sprechen, sehe ich immer etwas kritisch.

von Max Grill, Kronen Zeitung

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