Sa, 18. November 2017

Causa Tierschützer

14.12.2010 08:41

„Maulwurf“ führt bei Prozess zu hohem Zuseherinteresse

Auf reges Interesse ist beim Wiener Neustädter „Tierschützer-Prozess“ eine eingeschleuste verdeckte Ermittlerin und die Aussage ihres „Führungsoffiziers“ gestoßen. Was man sich erwartete, war viel. Was man bekam, war wenig. Auf insgesamt 96 Berichtsseiten soll sich keine einzige kriminelle Handlung gefunden haben.

Der Prozess gegen insgesamt 13 Angeklagte wegen Bildung einer kriminellen Organisation und Sachbeschädigung läuft seit März. Die Ermittlungen jedoch laufen seit Jahren. Im April 2007 wurde eine verdeckte Ermittlerin – Codename „Danielle Durand“ eingeschleust. Zur „Abwehr gefährlicher Angriffe“, wie der Auftrag lautete. Schließlich hatte es Buttersäure-Attentate gegen eine Nobelboutique und ein Attentat gegen eine Modekette gegeben – von wem auch immer.

15 Monate verdeckt ermittelt
Denn Danielle schrieb während ihrer 15-monatigen Undercover-Tätigkeit viele Berichte. Insgesamt 96 Seiten voll. Listete penibel auf, bei welchen Demonstrationen sie dabei war, wo sie Folder im Namen des Tierschutzes verteilt hatte und dass auch eine Jagd erfolgreich gestört worden war.

Sie nahm auch an Workshops in Holland und in der Schweiz teil. Die Ausbeute lag dabei in drei Trinkflaschen – zum DNA-Abgleich mit den damals unter Beobachtung stehenden und nunmehr angeklagten Tierschützern, allen voran den Hauptbeschuldigten Martin Balluch und Felix Hnat.

Verdeckte Ermittlerin besucht Angeklagten im Gefängnis
„Danielle“ soll es wirklich gut gelungen sein, in den „inneren Kreis“ vorzustoßen und Vertrauen zu erlangen – als mutmaßliche Geliebte des Zweitangeklagten. Die selbst nach Hausdurchsuchungen und Festnahme bestand – sie besuchte ihn im Gefängnis.

Vor Gericht sagte am Montag ihr „Führungsoffizier“ aus. Der sich bedeckt hielt. Er will die Aufträge vom Leiter der SOKO bekommen und weitergeleitet haben. Man habe zuerst gegen keine bestimmte Gruppe ermittelt, die Ermittlerin sollte nur Kontakte herstellen. Das tat sie, in dem sie bei den wöchentlichen Demonstrationen vor einer Modekette – die mit echtem Pelz verbrämte Winterjacken im Angebot hatte – teilnahm. Der „Führungsoffizier“ musste zugeben, dass die Berichte erst nach medialen Aufdeckungen an das Gericht weitergeleitet worden waren. Jetzt, Anfang Dezember. Und dass es auf seinem Schreibtisch noch weitere gebe. Mehr Details wolle er zum jetzigen Zeitpunkt nicht besprechen, sagte er zu Richterin Arleth.

von Peter Grotter, Kronen Zeitung

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