Fr, 15. Dezember 2017

Reisebus umgebaut

25.08.2010 14:23

Schlepperbande tarnte ihre 23 Opfer als Touristen

Eine 26-köpfige Schlepperbande aus Griechenland ist am vergangenen Sonntag von der Polizei zerschlagen worden. Die 14 Männer und zwölf Frauen wurden gemeinsam mit 23 Illegalen aus Palästina, dem Irak und Afghanistan in Wien-Leopoldstadt gefasst, als sie aus ihrem "Touristen"-Bus (li.) aussteigen wollten. Die Verdächtigen wurden in die Justizanstalten Wiener Neustadt und Eisenstadt eingeliefert, die Geschleppten ins Asyllager nach Traiskirchen überstellt, gab Niederösterreichs Sicherheitsdirektor Franz Prucher am Mittwoch bekannt.

Der Bus, mit dem die griechischen Schlepper und die Geschleppten unterwegs waren, sei als Touristenbus getarnt und gut ausgebaut gewesen, so Prucher. Die meiste Zeit über seien alle gemeinsam als Passagiere im Fahrzeug gesessen, damit der Bus nicht unterbesetzt und somit verdächtig wirkte. An kritischen Stellen wie Grenzübergängen und Städten mussten sich die Illegalen aber zusammengepfercht in einem ausgebauten Stauraum unter den Sitzen verstecken (re.).

Das Versteck im Bus ist etwa acht Quadratmeter groß und 35 Zentimeter hoch. Laut Oberst Ernst Schuch, stellvertretendem Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, sei es "äußerst gefährlich" - weil luftdicht abgeschlossen - gewesen. Die illegal Einreisenden, Männer und Frauen im Alter von 14 bis 37 Jahren, seien bei ihrer Ergreifung dennoch in einem guten Zustand gewesen. Sie hatten für die Reise nach Österreich pro Kopf 8.500 US-Dollar bezahlt und hätten in den kommenden Tagen das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen aufsuchen sollen.

60-jähriger Buschauffeur als Kopf der Bande
Als Haupttäter der Gruppe gilt der 60-jährige Buschauffeur. Er dürfte pro Fahrt rund 10.000 US-Dollar erhalten haben. Die übrigen Verdächtigen im Alter von 21 bis 64 Jahren entstammen überwiegend einer griechischen Minderheit, die in Georgien geboren wurde. Sie seien nur teilweise und auch nur zu dieser einen Fahrt geständig, hieß es. Einige hätten zugegeben, als "Begleitpersonen" Geld für die Fahrt erhalten zu haben, andere dagegen hätten behauptet, diese Fahrt als Touristen gebucht und von den Schlepper-Transporten nichts gewusst zu haben.

Auf die Spur der Bande waren die Kriminalisten durch Einvernahmen von Asylwerbern in Traiskirchen gekommen. Sie hatten bei Befragungen erzählt, dass sie mit einem umgebauten griechischen Reisebus von Griechenland über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Wien gebracht worden waren. Die Transporte hätten immer am Wochenende stattgefunden. Die Beamten legten sich daraufhin auf die Lauer und beobachteten die Strecke auf der Ostautobahn (A4) vom Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland nach Wien.

"Reisebus"-Razzia in der Leopoldstadt
Am Sonntag gegen 7.30 Uhr wurde dann ein entsprechendes Fahrzeug auf der A4 auf der Höhe Simmering entdeckt und verfolgt. Als der Bus in der Schüttelstraße in Wien-Leopoldstadt anhielt, warteten die Beamten bereits. Die Illegalen wurden zunächst nach dem Fremdengesetz festgenommen und seien anschließend ins Lager nach Traiskirchen gebracht worden, so Prucher. Die Schlepper wurden in Wiener Neustadt und in Eisenstadt wegen Verdachts auf gewerbsmäßige Schlepperei und Bildung einer kriminellen Organisation in U-Haft genommen.

Man gehe davon aus, dass mit dem zwölf Jahre alten Bus schon seit geraumer Zeit derartige Fahrten durchgeführt worden seien, sagte Schuch. Wie viele Menschen auf diese Weise geschleppt wurden, könne man aber seriös nicht schätzen. Vermutet wird auch, dass die Schlepperbande Teil einer türkischen Organisation ist. Ermittlungen nach den Hintermännern seien am Laufen.

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