Mo, 11. Dezember 2017

Leiter fehlte

24.08.2010 22:25

Bergleute in Chile hatten keine Chance zu flüchten

Offenbar konnten die in Chile verschütteten Kumpel wegen einer fehlenden Leiter im Lüftungschacht nicht flüchten, als die Mine einzustürzten begann. Nach zwei Tagen verschloss ein Erdrutsch den Lüftungsschacht. Seit 5. August sitzen die Bergleute 700 Meter unter der Erde fest. Jetzt soll die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA helfen, die Männer zu befreien.

"Sie versuchten, herauszukommen. Aber ihnen fehlte schlicht die Leiter dazu", sagte Bergbauminister Laurence Golborne in der Nacht zu Dienstag, nachdem er mit den eingeschlossenen Arbeitern kommuniziert hatte. Demnach hätten die Kumpel innerhalb der folgenden zwei Tage nach dem Einsturz der kleinen Gold- und Kupfermine San José ins Freie gelangen können. Erst nachträgliche Erdrutsche hätten den Zugang zum Lüftungsschacht dann endgültig versperrt.

Die verschütteten und nach 17 Tagen in 700 Metern Tiefe entdeckten Bergleute in Chile haben am Montag durch einen Schacht Lebensmittel, Wasser und Sauerstoff erhalten. Die Bergungsmannschaften versuchten, mit Hilfe eines neu installierten Kommunikationssystems herauszufinden, in welcher Verfassung die Kumpel sind - und bereiteten sie auf eine lange Wartezeit vor: Bis zu vier Monate können vergehen, bis die Retter zu den Männern vordringen, die sich in einen Schutzraum flüchten konnten.

Jeder der Eingeschlossenen konnte über ein Funkgerät und eine Kamera, die den Männern über einen schmalen Schacht geschickt wurden, mit den Helfern sprechen (im Bild einer der Kumpel). Alle waren hungrig, ansonsten aber wohlauf. Außerdem baten sie darum, ihnen Zahnbürsten in die Tiefe zu schicken.

Ingenieure arbeiteten daran, den rund 16 Zentimeter breiten Schacht zu verstärken, der derzeit die einzige Verbindung zu den Verschütteten ist. Die Bergungsmannschaften ließen einen langen Schlauch in die Tiefe hinab, um die Schachtwände zu schonen und vor fallenden Steinen zu schützen. Der Schlauch ist mit einem Gleitgel überzogen, um die "Paloma" (Taube) genannten Kapseln, in denen die Vorräte hinabgeschickt werden, leichter passieren zu lassen. Es dauert etwa eine Stunde, bis ein solcher Behälter in dem Schutzraum in etwa 700 Metern Tiefe ankommt.

Rettung könnte sich bis Weihnachten hinziehen
Die Arbeiter wurden bei einem Grubenunglück am 5. August verschüttet und galten bis Sonntag 17 Tage lang als verschollen. Bis zu ihrer Rettung aus dem Schutzraum wird wohl noch einige Zeit vergehen - bis ein ausreichend breiter Rettungstunnel gegraben ist, könnte es Weihnachten sein.

Nach dem Unglück hielten sich die Bergleute mit Dosen-Thunfisch, Milch und Keksen am Leben. Das berichtete Sergio Aquila, Arzt im Rettungsteam, nach einem Gespräch mit den Eingeschlossenen. Die Lebensmittel waren in dem Schutzraum von der Größe eines Wohnzimmers gelagert. Jeder Kumpel aß alle paar Stunden zwei kleine Löffel Thunfisch, trank einen Schluck Milch und knabberte an einem Keks, wie der Mediziner berichtete.

NASA soll jetzt helfen
Die Behörden von Chile haben bereits um Unterstützung der Bergung bei der US-Raumfahrtbehörde ersucht. Die Situation der Bergleute sei vergleichbar mit Astronauten, die monatelang in Weltraumstationen ausharren. Daher baut Chile jetzt auf die Erfahrung der NASA. Der chilensiche Gesundheitsminister sagte in einem Fernsehinterview, dass sie bereits im Gespräch mit NASA seien. Vor allem bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln soll die Raumfahrtbehörde zum Einsatz kommen.

Sicherheitsvorschriften in den Minen werden verschärft
Die Unglücksmine bei Copiapo wurde erstmals im Jahr 1889 in Betrieb genommen und 2007 nach einem tödlichen Unfall zunächst geschlossen. Erst im vergangenen Jahr wurde sie wieder eröffnet. Allein in diesem Jahr kamen in Chile bisher 31 Bergarbeiter ums Leben. Der chilenische Präsident Sebastian Pinera kündigte eine Verschärfung der Sicherheitsvorschriften in den Minen des Landes an.

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