Sa, 16. Dezember 2017

Obernberger See

12.08.2010 08:56

Umstrittenes Hotel: Landwirte fürchten nun um die Existenz

Das geplante Hotel am Obernberger See sorgt für Empörung in Tirol. Landwirte fürchten nun um ihre Existenz, Tausende Menschen wollen das Projekt stoppen.

Landwirt Alois Salchner streicht sich mit seinen rauen, faltigen Finger durch den Bart. Er blickt Richtung See, seine blitzblauen Augen tragen etwas Wehmut in sich. "Schön ist's hier, und so ruhig", murmelt der Obernberger, den alle Luis rufen.

40-Betten-Hotel geplant
Um die Ruhe und die Schönheit am naturgeschützten Obernberger See fürchtet der 76-Jährige. Ein 40-Betten-Hotel soll das Tiroler Gasthaus am Nordrand ersetzen. Zudem sind Tiefgarage und ein Seminarkomplex geplant. Grundeigentümer Gerhard Stocker will einen noch nie dagewesenen Bau errichten: 40 Stahlcontainer sollen in die Erde eingelassen und zu Zimmern umfunktioniert werden. Dabei ist nicht geklärt, ob dieses Vorhaben umsetzbar bzw. gesundheitsschädigend für den Menschen ist. Hauptsache die Gemeinde gab bereits grünes Licht. Baubeginn: Frühjahr 2011! Tirols Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer hat große Bedenken: Er ortet einen viel zu massiven Eingriff in die Natur.

"Stocker ignorierte meine Sorgen"
Luis und dessen Lebensgefährtin Roswitha Lacher haben aus der "Krone" von Stockers Vorhaben erfahren. "Ich hab Stocker meine Sorgen geschildert, doch er ignorierte mich." Luis' Sorgen betreffen sein Vieh und seine Existenz: 64 Kühe nennt er sein Eigen. Hundert Meter unterhalb des Sees besitzt er eine Alm. "Meine Kühe dürfen seit Jahrzehnten nahe dem Gasthaus weiden. Wenn das Hotel aufgezogen wird, hat mein Vieh keinen Platz mehr." Keine Weide bedeutet kein Vieh, bedeutet kein Geld! Tourismus und Landwirtschaft sind für Luis auf so engem Raum nicht vereinbar.

Als Weideberechtigter hat er laut Judikatur ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. "Alle acht Landwirte, die am Obernberger See ein Weiderecht genießen, müssen ihre Zustimmung zu dem Hotelbau erteilen, ansonsten ist das Projekt gestorben", sagt der von den Landwirten engagierte Tiroler Rechtsanwalt Hermann Holzmann. Für ihn ist das Projekt Irrsinn: "Es ist weder technisch durchdacht, noch auf finanziell solider Basis aufgestellt."

Fünf Millionen Euro muss Stocker laut eigenen Angaben aufbringen, Insider vermuten das Doppelte an Kosten. Bisher hat der Bauherr aber nur eine Million Euro beisammen. Den Rest will er über Gesellschafter und Förderungen des Bundes lukrieren.

Unterschriftenaktion gestartet
Die derzeitige Gasthaus-Pächterin Burgi Almberger schüttelt den Kopf, als die "Krone" sie auf das geplante Container-Schloss anspricht: "Wir haben sofort eine Unterschriftenaktion gestartet. Auf sieben Seiten haben bisher Hunderte Menschen aus aller Welt gegen das Bauvorhaben unterzeichnet. Es ist doch widersinnig etwas zu bauen, was weder von den Touristen, noch von den Einheimischen angenommen wird."

Auf Facebook und unter www.obernbergersee-in-gefahr.at haben sich Hunderte mit ihrer Signatur für die Erhaltung dieses wunderschönen Kleinods ausgesprochen. Die Natur kämpft hier gegen die Geldgier…

Kronen Zeitung

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