Di, 12. Dezember 2017

Für den Fall der Fälle

18.06.2010 10:24

Atom-Anlage im LKH Salzburg: Land übernimmt Haftung

Durch die Katastrophe von Tschernobyl erlangte Cäsium-137 traurige Berühmtheit. Kaum jemand weiß, dass die radioaktive Substanz auch in Salzburg eingesetzt wird. Für medizinische Zwecke. Das Land übernimmt die Haftung.

"Biobeam 2000" heißt die Spezial-Anlage, die im Landesspital an der Blut-Klinik im Einsatz ist. Mit dem Gerät werden Blut-Bestandteile bestrahlt, um wirklich jedes Risiko für die Patienten bei einer Bluttransfusion auszuschalten. Der höchst wirksame Apparat ersetzt ein altes Gerät, das mit Kobalt arbeitete. Der neue "Biobeam" dagegen verwendet Cäsium-137 als Strahlungs-Quelle - und das bringt einige Gefahren.

Versicherung wäre zu teuer
Denn das Cäsium ist stark radioaktiv, für die Verwendung gelten strengste Auflagen. "Das Spital müsste entweder eine hohe Summe als Rücklage zur Seite legen - oder eine Versicherung abschließen, bei der beträchtliche Prämien zu zahlen wären", heißt es im Büro von Landes-Finanzchef David Brenner. Um Geld zu sparen, entschied sich das Land deshalb für die preiswerteste Alternative: Es übernimmt ganz offiziell die Haftung für den Cäsium-Einsatz in der "Uniklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin", wie die Abteilung des Spitals offiziell heißt.

"Der Einsatz des radioaktiven Materials in der Klinik ist absolut sicher. Fürs Land fallen nur jährliche Entsorgungskosten von 20.000 Euro an", wissen Brenners Mitarbeiter. Im Landtags-Ausschuss wurde diese Haftung bereits genehmigt - "das ist sinnvoller, als Steuergeld für eine Versicherung auszugeben, obwohl alles sicher ist."

Goiana-Unfall als Warnung
Bei sachgemäßer Verwendung von Cäsium-137 kann demnach nichts passieren - bei Dummheit schon. Das bewies 1987 der "Goiania-Unfall" in Brasilien. Dort stahlen Diebe ein altes Gerät zur Strahlentherapie, da sie das Metall für wertvoll hielten. Ein Schrotthändler öffnete den Bleibehälter mit dem radioaktiven Cäsium-137, das so in die Umwelt gelangte. Ein blau strahlendes Pulver nahm er mit nach Hause, weil es ihn faszinierte. Erst nach Tagen, als viele Bekannte erkrankt waren, flog auf, was passiert war.

Bilanz dieses Goiania-Unfalls: 249 Strahlen-Kranke, 21 schwere Fälle, vier Tote. 249 verstrahlte Gebäude, 41 evakuiert, 7 abgerissen. Teile der Stadt sind immer noch radioaktiv belastet

von Robert Redtenbacher, Salzburger Krone
Symbolbild

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