Sa, 25. November 2017

Ärger in Mittersill

01.03.2010 18:37

Statt Babystation nun Hebammen-Praxis für 9 Stunden

Der Auftrag des Landtags war klar: Bis Ende März muss Landesrätin Erika Scharer ein Zukunftskonzept für das Mittersiller Spital vorlegen. Und eine Lösung, wie in der Region weiterhin Geburten möglich sind. Scharers Plan: Sie will statt der Babystation eine eigene Hebammen-Praxis, die neun Stunden pro Woche offen ist.

„Krone“-Leser erinnern sich, wie verzweifelt die Mütter im gesamten Oberpinzgau für die Babystation in Mittersill kämpften. SP-Landesrätin Erika Scharer will die Station fürs Sparpaket opfern. Montag legte sie in der Regierung das Konzept vor, wie es in Mittersill weitergehen soll – und die Enttäuschung ist gewaltig.

Neue Station bloß drei Tage die Woche geöffnet
Denn statt einer Babystation, die rund um die Uhr besetzt ist, hat Scharer andere Pläne: Ab 16. März soll es in Mittersill eine Hebammenstation geben – und die ist bloß drei Tage in der Woche jeweils von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Sonst gibt es eine „Beratungshotline“ für Fragen um die Geburt. Und den Hinweis, dass die Hebammen „aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen nicht in der Lage sind, Geburten in Eigenverantwortung durchzuführen.“ Das bedeutet für die Frauen im Oberpinzgau: Zur Entbindung müssen sie nach Zell am See oder nach St. Johann in Tirol.

Kritik für Landesrätin von allen Seiten
„Ein Kahlschlag für unser Spital“, ist Mittersills Bürgermeister Wolfgang Viertler total entsetzt. „Und eine bittere Nachricht für alle Frauen in der Region. Sie stehen jetzt bei der medizinischen Versorgung als Frauen zweiter Klasse da!“ Auch sonst legte die Landesrätin fürs Spital nichts Neues vor: Wie schon im Dezember verspricht sie die Aufstockung der Orthopädie (von 12 auf 14 Betten), eine bessere Lungenstation und eine Akutgeriatrie, die für Mittersill seit dem Jahr 2006 (!) zugesagt, aber noch immer nicht gebaut ist.

Dafür setzt es auch scharfe Kritik von der VP-Klubchefin Mag. Gerlinde Rogatsch: „Das sind lauter alte Hüte! Scharer hat den Auftrag des Landtags, ein Zukunftskonzept fürs Mittersiller Spital zu erstellen, ganz einfach nicht erfüllt.“

Der „neue Schwerpunkt“ Orthopädie ist noch dazu ohne Führung: Der exzellente Oberarzt hört wegen „fehlender Perspektiven“ auf, ein Nachfolger wird derzeit erst mit Anzeigen gesucht.Das ist ja kein Zukunftskonzept für unser Krankenhaus, sondern Kahlschlag. Die Oberpinzgauerinnen werden als Frauen zweiter Klasse eingestuft!Bürgermeister Wolfgang Viertler, Mittersill

von R. Redtenbacher, Kronen Zeitung

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