So, 19. November 2017

Mauerfall-Gedenken

31.10.2009 19:30

Berlin: Gorbatschow fordert Perestroika in den USA

Die Wegbereiter der deutschen Einheit Helmut Kohl, George Bush senior (re.) und Michail Gorbatschow (li.) sind am Samstag in Berlin zu einem Erinnerungstreffen an den Mauerfall vor 20 Jahren zusammengekommen. Der Altkanzler, der ehemalige US-Präsident und der frühere sowjetische Staatschef sprachen über die Ereignisse vom Herbst 1989. Dabei hat Gorbatschow den USA einen grundsätzlichen gesellschaftlichen und politischen Wandel empfohlen. Zu Bush senior sagte er: "Sie brauchen eine Perestroika."

In der jetzigen Situation werde sehr viel von den USA abhängen, so Gorbatschow. "Hier wird man Führungsqualitäten beweisen müssen", sagte er mit Blick auf dem Machtwechsel in den USA vor einem Jahr. Damals löste Barack Obama den Sohn von Bush senior, George W. Bush, im Präsidentenamt ab. Es gebe ein Einverständnis in der Welt, "dass nun Veränderungen folgen müssen".

Gorbatschow (78) lobte auch die Rolle der DDR bei der Annäherung von Ost- und Westeuropa in den Zeiten des Kalten Krieges. "Über die DDR haben wir ein Fenster nach Deutschland geöffnet", sagte er und erinnerte auch an die Verdienste der vorangegangenen Generationen um die Wiedervereinigung. "Das ist ja nicht vom Himmel gefallen", sagte der frühere sowjetische Staatschef. Er ermutigte Europa, den Weg der Einigung weiterzugehen. Viele Möglichkeiten nach dem Kalten Krieg seien noch nicht genutzt worden. Allerdings warnte er, das europäische Projekt könne nicht erfolgreich abgeschlossen werden, wenn es auf anti-russischen oder gegen die USA gerichteten Gefühlen aufbaue.

Bush (85) zeigte sich "stolz und geehrt", an der Veranstaltung teilzunehmen. Er erinnert daran, dass die Ereignisse des Herbstes 1989 zuerst in den "Herzen und Gedanken" jener Menschen in Bewegung gesetzt worden seien, die hinter dem Eisernen Vorhang so lange ihrer "Gott gegebenen Rechte" vorenthalten worden seien. Kohl (79) wiederum lobte der frühere US-Präsident als "echten Partner" und "großen Staatsmann des 20. Jahrhunderts".

Auch Köhler und Merkel mit dabei
An den Feierlichkeiten nahmen auch Deutschlands Bundespräsident Horst Köhler und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Köhler rief die heutigen Staats- und Regierungschefs auf, das Erbe des Kalten Krieges endgültig zu überwinden. Auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer stecke die internationale Ordnung noch in den Strukturen der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg fest, "statt endlich dem Aufstieg der Nationen in Asien und Lateinamerika und der Bedeutung des afrikanischen Kontinents Rechnung zu tragen". Insbesondere die USA und Europa müssten dabei ihrer Verantwortung gerecht werden, sagte Köhler. "Die Völker der Welt beobachten genau, ob es bei uns eine gute Regierungsführung gibt, ob wir glaubhaft für unsere Werte eintreten und ob wir unsere Fähigkeiten und unsere Macht für den Ordnungsrahmen einsetzen, den die Menschheit braucht."

Merkel sagte in ihrem wöchentlichen Video-Podcast mit Blick auf ihre USA-Reise Anfang kommender Woche: "Der Zeitpunkt könnte aus meiner Sicht nicht besser gewählt sein." Ihr sei aus persönlicher Erfahrung die Zeit des Mauerfalls von 20 Jahren "noch bestens in Erinnerung". Sie wisse auch, dass die USA und der damalige Präsident Bush "mit großer Begeisterung und mit viel Zuneigung diesen politischen Prozess begleitet haben". Merkel wird in Washington vor beiden Häusern des Kongresses reden.

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