Di, 21. November 2017

Tiefgreifender Hass

13.05.2009 12:52

Vier Jahre Haft für 87-jährigen Weinviertler

Ein Familiendrama war am Mittwoch Gegenstand einer Verhandlung am Landesgericht Korneuburg. Ein 87-jähriger Weinviertler musste sich wegen Versuchen der Brandstiftung und absichtlicher schwerer Körperverletzung sowie Sachbeschädigung verantworten und wurde - nicht rechtskräftig - zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Laut Staatsanwaltschaft führte tiefgreifende Feindschaft mit seinem Sohn zu den Delikten.

Aus Hass heraus habe der Angeklagte beschlossen, das von ihm bewohnte, allerdings seinem Sohn gehörende Haus im Bezirk Mistelbach in Brand zu stecken. Dazu verschüttete er Benzin im Haus und schoss mit einer Signalpistole mehrmals in die Räume, um das Benzin zu entzünden.

Auch auf Sohn gefeuert
Als sein im Zubau lebender Sohn bemerkte, dass auch Schuppen und Garage in Flammen standen, und herbeieilte, habe der Pensionist auch auf ihn gefeuert, ihn aber knapp verfehlt. Durch das Feuer beschädigt wurde auch der Pkw des Sohnes. Genau konnte sich der hoch betagte Angeklagte - schwerhörig, am Stock gehend - vor dem Schöffensenat nicht an das Geschehen erinnern, in seinen Wortmeldungen wurde aber ständig der seit langem schwelende Konflikt mit seinem Sohn deutlich.

Warum er ihn derart hasse, konnte er aber auf Richterfrage nicht genau definieren. Er sei schon zwei Wochen lang schwer verkühlt gewesen und wollte weder Hilfe holen noch "einfach im Bett verrecken", sprach er von Suizidgedanken.

Pulsadern auf Friedhof aufgeschnitten
Zuvor wollte er alles vernichten - "es ist ja mein Haus" - meinte er zur Brandlegung in der Nacht zum 17. Dezember 2008. Dann allerdings habe ihm sein Sohn einen Stoß versetzt, wodurch die noch aus dem Krieg stammende Signalpistole, mit der er das Feuer entfachen wollte, "losging". Dann ging er zum Friedhof und schnitt sich die Pulsadern auf, wurde aber gefunden und gerettet. "Ich wasche meine Hände in Unschuld", meinte er zum Vorwurf der absichtlichen Körperverletzung.

Der "früher sehr nette" Mann veränderte sich
Das von ihm gebaute Haus hatte der Beschuldigte seiner - 1986 verstorbenen - Frau überschrieben, die es testamentarisch einer Enkelin vermachte, von der es wiederum der Sohn übernahm. Der 87-Jährige lebte später einige Jahre bei einer Lebensgefährtin, ehe er in das Haus, in dem er lebenslanges Wohnrecht hatte, zurückkehrte. Dann habe sich der "früher sehr nette" Mann verändert, sagten Nachbarn und entfernte Verwandte aus. Sie sprachen unter anderem unter Hinweis auf diverse Anzeigen des 87-Jährigen - etwa wegen Autowaschens vor seinem Haus - von wunderlichem Verhalten, Boshaftigkeit und Eigensinnigkeit.

Gerichtspsychiater: "Alterskonsequenz"
Die Veränderung der Persönlichkeit und eingeengte Kritikfähigkeit interpretierte Gerichtspsychiater Werner Brosch als Alterskonsequenz. Der Angeklagte sei aber weder dement noch paranoid und konnte erkennen, was er tat, auch wenn das Haus emotional ihm gehörte.

Ihm sei es "eh wurscht", sagte der Angeklagte, als er das Urteil vernahm. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

Symbolbild

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