Do, 24. Mai 2018

Schwer in der Krise

04.02.2009 17:44

Russland durch fallende Ölpreise unter Druck

Russland kommt wegen des Verfalls der Rohstoffpreise und der Kapitalflucht ausländischer Investoren immer mehr in Schwierigkeiten. Die Menge des Geldes, das abgezogen werde, und das rasche Schwinden der Devisenreserven belasteten die Bilanzen des Landes, sagte Edward Parker von der Ratingagentur Fitch am Mittwoch. Die Agentur stufte die Bewertung des Landes herunter und erachtet auch langfristig eine schlechte Einstufung der Kreditwürdigkeit Russlands als wahrscheinlich. Die russische Regierung kündigte zugleich an, sich beim Kampf gegen die Wirtschaftskrise auf die Banken zu konzentrieren und bei Investitionen zu sparen.

Russland steckt derzeit in der schwersten Wirtschaftskrise seit einem Jahrzehnt. Die Industrieproduktion bricht nach jahrelangem starkem Wachstum rapide ein, die Firmen entlassen Tausende Mitarbeiter. Der stellvertretende Ministerpräsident Igor Schuwalow sagte bei einer Investorenveranstaltung, besonders das zweite und dritte Quartal dieses Jahres dürften schwierig werden. Die Wirtschaftsleistung werde 2009 bestenfalls stagnieren. Die Zahl der Arbeitslosen könnte um eine Million steigen, zitierten ihn Teilnehmer der Veranstaltung. Derzeit sind in Russland 5,8 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz.

Kapitalflucht erreicht bedenklich Ausmaße
Erschwert wird die Krise von der Flucht der ausländischen Investoren, die in Scharen ihr Geld abziehen. Allein im vierten Quartal 2008 waren dies nach Fitch-Angaben mehr als 90 Milliarden Dollar. Binnen sechs Monaten hat der Rubel zum Dollar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Die Notenbank stützt immer wieder die Währung, um einen unkontrollierten Absturz wie vor zehn Jahren zu vermeiden, der Russland tief in eine Finanzkrise brachte. Doch das lässt die Reserven schwinden, die in den vergangenen wachstumsstarken Jahren angehäuft wurden: Innerhalb von sechs Monaten gingen sie um 210 Mrd. auf 386,5 Mrd. Dollar (302 Mrd. Euro) zurück.

Dazu kommen ausbleibende Einkünfte, weil der Ölpreis seit Juli massiv eingebrochen ist. Die russische Regierung will nun einen neuen Haushalt vorlegen, der auf einem Ölpreis von 41 Dollar je Barrel basiert - bisher hatte die Führung in Moskau mit 95 Dollar je Barrel gerechnet. Die dafür nötigen Einsparungen könnten bereits am Donnerstag verkündet werden, sagte Schuwalow. Dabei sollten vor allem Infrastrukturprojekte hintangestellt werden, fügte er an.

Russland nur noch knapp über "Ramsch"-Status
Fitch sorgt sich jedoch um die Fähigkeit der Regierung, in der Krise gegenzusteuern. Russland habe Schwierigkeiten damit, "die nötigen makroökonomischen Anpassungen politisch umzusetzen". Sollten die Behörden an ihrer inkonsistenten Wirtschaftspolitik festhalten oder sollte das Vertrauen in die Finanzen des Landes und die Institutionen schwach bleiben, könnten die Kapitalabflüsse anhalten, erklärte Fitch. Mit "BBB" ist die Bewertung des Landes nun gerade noch zwei Stufen über dem "Ramsch"-Status. Bereits im Dezember hatte erstmals seit zehn Jahren mit Standard & Poor's die erste Agentur die Kreditwürdigkeit Russlands herabgesetzt. Experten gehen nun davon aus, dass sich nun auch die dritte Ratingagentur Moody's anschließt. Die Herabstufungen verteuern für das Land die Beschaffung von frischem Kapital in Form von Krediten.

Der Euro verlor nach der Entscheidung mehr als ein Prozent und notierte unter 1,29 Dollar. Russland werde gezwungen sein, zum Ausgleich seiner Handelsbilanz mehr Euro zu verkaufen, wenn die schlechtere Bewertung zu einem Rückzug von Investoren aus dem Rubel führe, sagte der Devisenexperte Russel Bloom in London.

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