Mo, 21. Mai 2018

Große Anteilnahme

14.10.2008 12:57

Tausende bei Trauergottesdienst für Haider

Die Anteilnahme der Kärntner Bevölkerung am Tod von Landeshauptmann Jörg Haider reißt nicht ab. Hunderte Menschen pilgern noch immer zum Unfallort und zur Kärntner Landesregierung, um Kerzen aufzustellen und sich ins Kondolenzbuch einzutragen. Am Sonntagabend ist, ebenfalls unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, im Dom zu Klagenfurt ein Trauergottesdienst für den 58-Jährigen gefeiert worden. Auch die Witwe Claudia mit ihren Töchtern Ulrike und Cornelia waren beim Wortgottesdienst unter der Leitung von Diözesanbischof Alois Schwarz und Superintendent Manfred Sauer anwesend.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Feier am Sonntag um 19.00 Uhr war im Dom kein Sitzplatz mehr zu ergattern. Hunderte Menschen fanden iselbst m Kircheninnenraum auch keinen Stehplatz mehr und waren gezwungen, der Trauerstunde am Domplatz zu folgen.

Neben zahlreichen Vertretern des öffentlichen Lebens und der Kärntner Politiklandschaft kamen auch Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach und Ex-Minister Herbert Haupt nach Klagenfurt. Im Chorgestühl nahm eine Abordnung von Goldhaubenfrauen Platz. Vor dem Altar war ein Bild des Verstorbenen aufgebaut.

Ein Video und Bilder vom Trauergottesdienst findest du in der Infobox!

Trauernde lasen Fürbitten und Danksagungen vor. Dabei wurden die Hilfsbereitschaft und das offene Herz des Verstorbenen gewürdigt. Eine Frau bat darum, dass "alles Gute und Liebenswerte" seines Lebens Früchte tragen möge. Am Ende der Feier rief Bischof Schwarz zu einer Minute stillen Gedenkens auf. In dieser Zeit läutete die große Glocke des Domes. "Sie möge für uns alle unsere Trauer zum Ausdruck bringen", sagte Schwarz. "Es tut besonders weh, wenn man unerwartet Abschied nehmen muss", meinte Superintendent Sauer. Die Feierstunde wurde mit einem Vaterunser beendet.

"Nichts begreifen, erklären und definieren"
Auch Stunden vor dem offiziellen Trauergottesdienst hatten die Sonntagsmessen im Dom zu Klagenfurt bereits Trauercharakter. Bereits eine halbe Stunde vor dem Beginn der 10.00-Uhr-Messe versammelten sich zahlreiche Menschen im Dom, um Rosenkranz zu beten. Während der Messfeier spendete Vikar Alois Krawanja in seiner Predigt den Menschen Trost. "Wir erleben heute eine Situation, wo man nichts begreifen, erklären und definieren kann", sagte der katholische Priester.

Warteschlange bis zur Straße
Vor dem Amt der Landesregierung herrschte am Sonntag bis spät in die Nacht wieder Hochbetrieb. Die Schlange der Wartenden, die sich ins Kondolenzbuch eintragen wollten, reichte rasch bis zur Straße zurück. Menschen mit Kindern im Arm stellten sich genauso an wie ältere Personen im Rollstuhl. Wegen des enormen Andrangs war die Landesregierung am Samstag bis Mitternacht geöffnet und hatte am Sonntag um 9.00 Uhr ihre Pforten bereits wieder aufgesperrt. "Wir lassen offen, solange Menschen kommen", meinte ein Polizeibeamter.

"Man kann über ihn denken, was man will"
Am Klagenfurter Benediktinermarkt hatte sich ebenfalls das Gefühl kollektiver Trauer breitgemacht. "Ich habe Jörg Haider politisch nie gemocht, ich bin aber trotzdem zutiefst betroffen", meinte eine Marktbesucherin. "Man kann über ihn denken, was man will, er war ein echter Landeshauptmann", erklärte ein Standler. "Es ist ein schwarzer Tag für Kärnten, ich bin fassungslos", sagte Christian Fischer, der Wirt des Klagenfurter Traditionsgasthauses "Pumpe". Haider hatte noch am Vortag - dem Kärntner Landesfeiertag - wie in jedem Jahr die Gaststätte am Nachmittag kurz besucht.

"Habe einige Tränen geweint"
"Ich dachte immer, Jörg Haider ist unsterblich", sagte ein junger Mann auf der Straße. "Ich habe heute schon einige Tränen geweint", meinte seine Begleiterin. Tränen flossen auch vor der Landesregierung, wo Menschen aus ganz Kärnten ihrer Trauer Ausdruck verliehen. Eine Frau legte ein Schreiben mit folgendem Inhalt nieder: "Lieber Jörg! Du wirst für uns unvergessen bleiben. Du warst für uns wie Lady Di. Ein Mann mit Herz."

"Immer gedacht, dass Haider so sterben wird"
Andere Personen assoziierten den Tod Haiders mit dem Ableben des legendären amerikanischen Schauspielers James Dean, der ebenfalls bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. "Irgendwie habe ich immer gedacht, dass Haider so sterben wird. Ich konnte ihn mir nie als Altpolitiker vorstellen, der wie Kreisky auf Mallorca sitzt und hin und wieder das Geschehen in Österreich kommentiert", meinte eine Passantin.

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