Das freie Wort

Verkauft’s mei Gwand, I foa in Urlaub!

Durch widrige Umstände, wie Pandemie, verantwortungslose Geldpolitik der EZB sowie Ukrainekrieg und die damit verbundenen Sanktionen der EU gegen Russland, erleben wir derzeit eine Inflationsrate von mehr als 8%. Dies hat zur Folge, dass sich ein Großteil unserer Bevölkerung die Verteuerung fast aller Güter des täglichen Bedarfs finanziell kaum oder im schlimmsten Fall gar nicht mehr leisten kann. Umso erstaunlicher ist deshalb, dass eine geradezu enorme Zunahme bei Buchungen von Urlaubsflugreisen trotz spürbarer Preiserhöhungen feststellbar ist. Möglicherweise ist dieser scheinbare Widerspruch dadurch zu erklären, dass viele Menschen in Anbetracht ihrer mehr als trüben wirtschaftlichen Zukunft und in Anlehnung an das ein „Wurschtigkeitsgefühl“ ausdrückende Wienerlied „Verkauft’s mei Gwand, I foa in Himmel“ den Himmel durch „Urlaub“ ersetzen und sich dadurch noch einmal eine kleine Freude gönnen möchten. Aufgrund dessen ist das kürzlich ausbezahlte 13. Monatsgehalt nicht mehr, wie früher üblich, größtenteils zum Stopfen finanzieller Löcher verfügbar, was zu Beginn der Nachsaison einen Anstieg bei Privatinsolvenzen nicht nur befürchten lässt, sondern als gesichert angesehen werden kann.

Herwig Sembol, St.Georgen an der Gusen

Erschienen am Di, 5.7.2022

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