Wende in Crans-Montana
Chef von Todesbar nach Brandkatastrophe in U-Haft
Nach einer Vernehmung sitzt der Chef der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana nun doch in Untersuchungshaft. Die Schweizer Staatsanwaltschaft beantragte die Haft wegen Fluchtgefahr. Bei einem Feuerinferno in dem Lokal waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen.
Am 4. Jänner hatte es noch geheißen, dass die Voraussetzungen für Untersuchungshaft derzeit nicht erfüllt seien. Auch weitere Kriterien wie Rückfallgefahr oder Kollisionsgefahr waren vor wenigen Tagen verneint worden. Der Chef der Bar, Jacques Moretti (49), und seine Ehefrau Jessica, die Mitbesitzerin ist, werden der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und Brandstiftung verdächtigt – sie wurde aber nicht festgenommen.
Am Dienstag hatten die beiden noch zugesagt, „vollständig“ mit den Schweizer Behörden zusammenzuarbeiten. Sie seien „am Boden zerstört und voller Trauer“. „Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können. Das ist in unserer Einrichtung passiert und ich möchte mich entschuldigen“, sagte Jessica Moretti. Ihre Gedanken seien die ganze Zeit über bei den Opfern und denjenigen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen hätten.
Die U-Haft für ihren Ehemann muss noch gerichtlich innerhalb von 48 Stunden bestätigt werden. Die Ermittlungen gegen die Morettis hatte die Walliser Staatsanwaltschaft am Samstag eröffnet.
Sprühkerzen lösten Feuer aus
Das Feuer ging – wie berichtet – vermutlich von „Wunderkerzen“ aus, die auf Champagnerflaschen angebracht waren. Eine Person auf den Schultern einer anderen dürfte versehentlich die Decke damit in Brand gesetzt haben. Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach oder nicht. Auch wenn keine Berichte der Gemeinden vorliegen, gehe man davon aus, dass die gesetzlichen Brandschutzkontrollen durchgeführt wurden, sagte Philipp Hildbrand, Leiter des Walliser Kantonalen Amts für Feuerwesen.
Letzte Kontrolle 2019
Die Gemeindebehörden hatten am Dienstag zugegeben, dass die letzte Kontrolle der Bar aus dem Jahr 2019 stammt, obwohl eine jährliche Kontrolle vorgeschrieben ist. Hildbrand sagte, dass auch viele andere keine Berichte abliefern würden, und Kontrollen in anderen Kantonen nur alle fünf oder zehn Jahre stattfänden. Im Fall von „Le constellation“ habe man nur einen Inspektionsbericht zum Bau einer Veranda erhalten.
Festnahme am Gedenktag
Noch kurz vor der Meldung über die Untersuchungshaft hatte das Gedenken für die 40 Toten stattgefunden. Am Freitag um 14 Uhr wurde eine Schweigeminute abgehalten. Westlich von Crans-Montana nahmen der Schweizer Bundespräsident und viele Gäste aus dem Ausland an einer Trauerfeier teil. Die jungen Menschen hätten nur feiern und ihren Traum leben wollen, sagte der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard. Worte und Schweigen würden nicht reichen, man müsse auch darüber reden, wer die Verantwortung für das Unglück trage. Der Gemeindechef schiebt die Verantwortung auf die Barbetreiber.
Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig, das jüngste war erst 14 Jahre alt, das älteste 39. Zudem wurden 116 Menschen verletzt, viele von ihnen müssen noch auf Intensivstationen behandelt werden und haben einen langen Weg bis zur Genesung vor sich.












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