70 andere Bewerber

Freundin des ÖGK-Chefs erhält Top-Job in der Kasse

Geht es der Österreichischen Gesundheitskasse um die Versorgung von beitragszahlenden Patienten, oder um Versorgungsposten für Parteifreunde? Innerhalb der Kasse sorgt mindestens eine aktuelle Postenbesetzung aktuell jedenfalls für gehörigen Unmut.

In Österreichs Gesundheitskasse glaubten im November viele schon nicht mehr an ein verfrühtes Weihnachtswunder. Ein solches wäre es für den einen und die andere gewesen, wenn beim Bewerbungsprozess für den Posten der Leitung des Fachbereichs Gesundheitsförderung, Prävention und Public Health nicht am Ende gestanden wäre, was seit Dienstag nun eben am Ende steht. Das Weihnachtswunder blieb aus – und wie „Krone“ und „Profil“ bestätigt wurde, erhielt just die Lebensgefährtin des ÖGK-Obmanns Andreas Huss einen echten Top-Job in der Kasse.

Genossen unter sich
Gewundert haben sich weder interne Kritiker, die eben das vor Wochen so prophezeit hatten, noch objektive Beobachter. Schließlich sei die Partnerin des Obmanns erfahren und hochqualifiziert. Ebenso wie Huss ist sie seit mehr als einem Jahrzehnt bei der Kasse tätig – und ebenso ist sie auch SPÖ-Mitglied. Anders als Huss, der seit 2020 Obmann ist, setzte sie sich mit ihrer Bewerbung aber immerhin gegen mehr als 70 Bewerber durch. Hat der enge Draht zum mächtigen ÖGK-Chef da etwa geholfen? Mitnichten, meint man bei der ÖGK auf Anfrage beider Medien. Huss habe eine Befangenheitserklärung abgegeben – auch eine Complianceprüfung sei durchgeführt worden.

Kasse ortet „größtmögliche Objektivität“
Der gesamte Prozess sei zudem von einer externen Personalberatung durchgeführt worden, die einen Besetzungsvorschlag für die fachlich bestqualifizierte Person vorgelegt habe, wodurch „größtmögliche Objektivität“ sichergestellt worden sei. Die Personalberater bewerteten die neue Fachbereichsleiterin als „hochqualifizierte Führungskraft mit langjähriger Erfahrung in der österreichischen Sozialversicherung“, die „über ein starkes Team, breite Akzeptanz und klare Visionen für die Weiterentwicklung“ verfüge. Der Verwaltungsrat, dem Huss turnusmäßig aktuell auch vorsitzt, sei war zwar nicht an den Vorschlag der Personalberater gebunden gewesen, habe sich diesem aber angeschlossen. Einstimmig wohlgemerkt, wie die Kasse transparent preisgibt.

Interessant ist, auf welche Frage man bei der ÖGK weniger transparent antwortete. So wollten „Krone“ und „Profil“ etwa wissen, wie viele besser, oder ähnlich gut qualifizierte Personen unter den Bewerbern waren – dazu gab es jedoch keine konkreten Angaben. Insider berichten von vielen ähnlich qualifizierten Personen, von denen zumindest eine die Position sogar bereits innehatte.

Satte Bezüge
Vage war auch die Antwort nach dem genauen Gehalt der Frau. Fest steht hierbei nur: Die SPÖ-Gemeinderätin einer Salzburger Kommune dürfte in der Kasse künftig auch ohne Zulagen so gut verdienen, wie wenn sie für die SPÖ im Salzburger Landtag oder Nationalrat sitzen würde, also zwischen 7000 und 10.000 Euro. Als Fachbereichsleiterin wäre sie übrigens freilich auch wieder beim nächsten Luxusseminar der Kasse im Mai dabei. Sofern sich ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer heuer noch dafür entscheidet, es trotz der Kritik überhaupt zu veranstalten.

Am Ende stellen sich so manche in der ÖGK die Frage, ob es ausschließlich um die Versorgung der Beitragszahler geht, oder auch um lukrative Versorgungsposten? Es hängt wohl einfach davon ab, wen man fragt.

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