06.12.2007 21:20 |

Familientragödien

Mütter verdächtig: Acht tote Kinder in Deutschland

Zwei grausige Fälle von Kindstötungen erschüttern die Menschen in Deutschland. Eine 31-Jährige soll in Schleswig-Holstein ihre fünf kleinen Söhne erstickt haben. Die Leichen der Jungen im Alter von drei bis neun Jahren wurden am Mittwochnachmittag in einem Einfamilienhaus in Darry (Bild) im Kreis Plön entdeckt. Nur wenige Stunden zuvor war im sächsischen Plauen das dritte tote Baby einer 28-Jährigen gefunden worden.

Sie hatte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Chemnitz ihre drei Töchter jeweils kurz nach der Geburt getötet und die Leichen dann jahrelang in den Häusern von Verwandten versteckt. Die Frau aus Sachsen sitzt in Haft; die Mutter aus dem Osten Schleswig-Holsteins war aus freien Stücken in der psychiatrischen Klinik im holsteinischen Neustadt erschienen und hatte von ihrer Tat berichtet.

Wie ein Sprecher mitteilte, war die 31-Jährige am Mittwoch gegen 12.00 Uhr mit schweren Schnittverletzungen an beiden Armen in der Klinik erschienen. Offenbar wollte sich die Mutter der fünf toten Buben nach der Tat selbst töten. Sie sei dann in Begleitung eines Mitarbeiters der psychiatrischen Abteilung in die Chirurgie überwiesen worden, wo die Schnittverletzungen medizinisch versorgt worden seien.

Bei ihrer Rückkehr in die Psychiatrie gegen 15.00 Uhr habe die Frau dann von ihrer Tat berichtet, erklärte der Sprecher. "Nach derzeitigem Erkenntnisstand dürfte das Motiv in einer psychischen Erkrankung der Frau zu suchen sein", teilten die Ermittler mit.

Kinder sind erstickt worden
Die fünf getöteten Kinder sind erstickt worden. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Obduktion, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Donnerstag in Kiel. "Eine Verabreichung von Schlafmitteln ist nicht auszuschließen", ergänzte Wick. Die Mutter hatte sich einem Arzt in der Psychiatrie gestellt und dort darauf hingewiesen, ihre fünf Söhne durch Verabreichung von Schlafmitteln getötet zu haben.

Die letzten toxikologischen Untersuchungen standen zunächst noch aus. Am Mittwoch waren in Darry (Kreis Plön) die Leichen der drei bis neun Jahre alten Buben im Einfamilienhaus der Familie gefunden worden. Die Mutter (31) steht in dringendem Verdacht, ihre Söhne getötet zu haben. Sie soll in einer Psychiatrie untergebracht werden.

Jugendamt wollte Familie überprüfen
Nach Informationen von "Spiegel Online" soll Lehrern der örtlichen Grundschule ein verwahrloster Zustand der beiden älteren Kinder aufgefallen sein. So seien sie ohne Jacke oder mit alten Pausenbroten in der Schule aufgetaucht. Das Jugendamt sei informiert gewesen. Mitarbeiter wollten demnach die Familie am Mittwoch aufsuchen, weil die Kinder nicht in die Schule des 450-Einwohner-Dorfes gekommen waren.

Mutter von drei Kindern: Alle waren "plötzlich tot"
Die Taten im sächsischen Plauen liegen schon länger zurück. Die Mädchen wurden nach Angaben der Ermittler im Februar 2002, im Januar 2004 und im September 2005 geboren. Alle drei seien "plötzlich tot" gewesen, habe die Mutter in den Verhören ausgesagt. Dies bezweifeln Polizei und Staatsanwaltschaft. Sie werfen der heute 28-Jährigen dreifachen Totschlag vor.

Eine Obduktion am Donnerstag von zwei der drei Babyleichen brachte jedoch keine neuen Erkenntnisse über die genaue Todesursache, so ein Sprecher der Chemnitzer Staatsanwaltschaft. Aufgrund des Zustandes der Leichen könne nicht mehr gesagt werden, ob die Mädchen eines natürlichen Todes gestorben seien oder getötet wurden.

Babyleichen im Keller, Tiefkühler und auf dem Balkon
Am Mittwoch vor einer Woche hatte die Polizei nach einem Behördenhinweis die Leiche der 2002 geborenen Tochter Celine gefunden, nachdem das Mädchen nicht zur Einschulungsuntersuchung gekommen war. Das in Plastikfolie eingewickelte Baby war in einem Koffer im Keller von Verwandten versteckt. Noch während die Frau am Dienstag dieser Woche von einem Haftrichter aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, fanden Beamten die zweite Babyleiche, am Mittwoch die dritte. Die beiden Leichen fanden sich in einer Tiefkühltruhe und auf einem Balkon in einem Haus, in dem die Frau aber nicht wohnte.

Lebensgefährte will nichts bemerkt haben
Nur das erste Mädchen wurde in einem Krankenhaus geboren, weshalb die Stadt auch von dessen Existenz wusste. Die beiden anderen Töchter soll die Mutter zu Hause allein zur Welt gebracht haben. Von den Schwangerschaften will niemand in der Familie oder im näheren Umfeld etwas gewusst haben. Selbst der langjährige Lebensgefährte gab bei der Polizei an, nichts bemerkt zu haben. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass den Angehörigen nichts aufgefallen ist", sagte der Präsident der Polizeidirektion Südwestsachsen, Dieter Kroll.

Mutter der toten Kinder "wirkt erleichtert"
Die arbeitslose Mutter hat zudem zwei Söhne, ein und sieben Jahre alt, die nach Polizeiangaben nun bei Verwandten leben. "Die Frau wirkt nicht krankhaft, eher gefasst und erleichtert", sagte Kroll. Bislang habe es keine psychiatrische Untersuchung der Frau gegeben. Die Staatsanwaltschaft rechnet eigenen Angaben zufolge nicht mit weiteren Leichenfunden.

Die Frau stammt entgegen früheren Angaben aus sozial schwachen Verhältnissen. In den vergangenen Jahren habe sie neun verschiedene Wohnsitze gehabt und sei des öfteren bei Verwandten untergekommen, erklärten die Ermittler.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).