Zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf?
Raich: "Nach vier Wochen ohne lange Ski war ich froh, dass es in Lake Louise gleich so lief. Aber meistens hole ich schnell auf, wenn es wirklich zur Sache geht. Es sind gerade sehr viele Rennen und Trainings in Folge. Im Vorjahr habe ich deshalb die Abfahrt in Beaver Creek ausgelassen."
Zweiter in Lake Louise, dabei sollte der Super G doch gar nicht mehr im Programm sein?
Raich (lachend): "Für mich wär's natürlich gut, wenn der Super G raus fliegt. Aber mit der Superkombination ist man auch auf einem sehr guten Weg, weil viele jetzt darauf hintrainieren. Dort kann man den besten Allrounder herausfinden."
Und die Abfahrt?
Raich: "Die Ergebnisse haben bisher nicht ganz meinen Ankündigungen und meinem Gefühl entsprochen. Deshalb will ich gar nicht mehr groß darüber reden."
Die neue Startregel ist...?
Raich: "...gut. Aber für mich ist in den Speed-Disziplinen wichtiger, dass ich gut fahre, als welche Nummer ich habe."
Sie werden im Februar 30 Jahre alt. Ist das einschneidend?
Raich: "Nein, obwohl man den 30er schon ordentlich feiern sollte. Ein Geburtstag ist ja nicht so meine Leistung, eher die meiner Eltern."
Hermann Maier hat mit 30 gesagt, dass das Karriere-Ende noch weit weg ist. Was denken sie?
Raich: "Ich bin zwei Jahre nach dem Hermann in den Weltcup gekommen. Ich bin also lange dabei, aber noch nicht müde. Aufhören ist für mich kein Thema. Gerade der Hermann hat gezeigt, dass die guten Jahre erst kommen mit 30. Ich habe nach wie vor viel Spaß am Sport und meinem Beruf."
Haben Sie finanziell ausgesorgt?
Raich: "Das ist relativ. Verglichen mit einem normalen Arbeiter habe ich sehr gut verdient, verglichen mit einem Formel-1-Fahrer oder einem Golfer extrem wenig. Ich bin zufrieden. Alles kann man sich sowieso nicht kaufen."
Werden sie Ihre Bekanntheit später dazu verwenden, um sich öffentlich zu engagieren?
Raich: "Natürlich mache ich mir Gedanken darüber. Aber noch ist nichts spruchreif. Jetzt mache ich mal das, was ich kann und was ich will. Skifahren."
Was sagen Sie zu den Protesten der Indianer in Kanada gegen den ÖSV?
Raich: "Es ist schwierig, 200 Jahre später festzustellen, was rechtmäßig ist. Der ÖSV wird zum Anlass genommen, weil man weiß, dass dann darüber berichtet wird. Ich bin grundsätzlich dafür, dass wir alle friedlich zusammenleben. Aber die Menschheit muss aufpassen, dass sie sich nicht überall einmischt. Die Leute richten sich das vor Ort schon selbst."
Seit Österreich nicht mehr alles gewinnt, herrscht Aufbruchstimmung im Ski-Weltcup. Spüren Sie das auch?
Raich: "Auf jeden Fall. Man hat uns immer vorgeworfen, dass es nur noch österreichische Meisterschaften wären. Irgendwann hat es dann so ausgesehen, als ob eh nichts mehr dabei wäre und wir die einzigen sind, die diesen Sport ernsthaft betreiben. Jetzt beweisen uns die Anderen leider das Gegenteil. Das ist Wettkampf. Und wenn es leicht wäre, wär's eh nichts wert. Es hat für jeden mehr Wert, wenn es unterschiedliche Sieger gibt. Wir wollen aber natürlich weiterhin möglichst viele Rennen gewinnen."
Die ÖSV-Herrenerfolge hängen derzeit aber hauptsächlich an Benni Raich. Macht das Druck?
Raich: "Mir ist das bewusst. Aber ich mache mir höchstens selbst Druck, denn nur den kann ich auch kontrollieren. Aber am Start haben solche Gedanken nichts in meinem Kopf verloren."
Sie mussten schon mehrmals auf und neben der Piste herbe Rückschläge hinnehmen, bleiben aber auch in Extremsituationen stets fair und positiv. Wie geht das?
Raich: "Ist das wirklich etwas Besonderes? Skifahren ist doch kein Wunschkonzert und man muss akzeptieren, wenn ein Anderer schneller war. Natürlich könnte ich oft lamentieren, dass alles gegen mich geht. Aber das bin ich nicht. Ich sehe immer das Positive und formuliere das auch. Aber natürlich wird man im Alter auch gescheiter."
Sie nehmen kein professionelles Coaching von außen in Anspruch?
Raich: "Nein. Aber ich habe gute Leute um mich herum. Freunde, die Familie und meine Freundin beeinflussen mich positiv."
Sie und Freundin Marlies Schild lachen derzeit in ganz Österreich von den Plakatwänden. Macht das stolz?
Raich: "An sich gehen wir ja nicht so gerne mit unserer Beziehung nach außen. Aber diese Kampagne ist wirklich gelungen. Es war eine gute Entscheidung. Es gefällt mir."
Sind Sie mit ihrem Image zufrieden?
Raich: "Ich denke, dass ich ganz gut rüber komme, so wie ich bin. Dass ich authentisch bin, wie man so sagt. Das ist mir auch wichtig. Wenn etwas so ankommt, wie ich es gemeint habe, dann freut mich das."








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