26.04.2007 16:52 |

Pumpe kaputt

Schon wieder eine Panne im AKW Temelin

Am Donnerstag ist es im tschechischen Atomkraftwerk Temelin neuerlich zu einer Panne gekommen. Österreich wurde informiert, dass ein Reaktorblock wegen des Ausfalls einer Kühlmittelpumpe abgeschaltet werden musste. Prag will Österreich nun offenbar vorschlagen, den Melker Prozess zu beenden, in dem Experten beider Länder über die Sicherheit des südböhmischen Atomkraftwerks sprechen.

Der Vorfall ereignete sich tschechischen Informationen zufolge im (nuklearen) Primärkreislauf des Kraftwerkes, wird aber laut österreichischen Umweltministerium von den Experten auf der INES-Skala zur Klassifizierung von nuklearen Ereignissen mit dem Wert 0 eingestuft. Eine Gefährdung der österreichischen Bevölkerung sei daher nicht gegeben. Erst ab INES 2 sprechen Experten von einem "Störfall". Erst gestern war es in Temelin zu einem Zwischenfall gekommen. Laut der Plattform "atomstopp_oberösterreich" bereits der 105.

Prag sieht Melker Prozess als beendet
Nach einer Kabinettsitzung bezeichnete der tschechische Vizepremier Vondra in der Nacht auf Donnerstag den Melker Prozess als gemäß Plan "verlaufen". Die Prager Regierung habe einen Bericht über das Erfüllen der Verpflichtungen zur Kenntnis, die im Jahr 2006 aus den Beschlüssen des Melker Prozesses hervorgehen. Deshalb habe die Regierung beschlossen, die Tätigkeit der Kommission zur Beurteilung des Einflusses des Atomkraftwerks Temelin auf die Umwelt zu beenden.

Vondra präsentierte außerdem die Absicht Tschechiens, mit einem standardmäßigen internationalen Abkommen über die gegenseitige Information zu Temelin fortzufahren. Das "Aktionskomitee Stop Temelin" fordert wegen des Beschlusses der tschechischen Regierung eine Völkerrechtsklage gegen Prag. Aus österreichischer Sicht sind die Verpflichtungen aus dem Melker Prozess noch nicht erfüllt. Die Regierung in Wien sieht noch ungelöste Sicherheitsfragen.

Am Freitag finden aus Protest Grenzblockaden an zehn von 16 Grenzübergängen zu Tschechien statt, die von Atomkraftgegnern aus allen Bundesländern unterstützt werden.