Mi, 18. Juli 2018

39 Jahre eingesperrt

20.01.2018 12:56

Verwirrung um Langzeit-Häftling

Mord, Mordversuch, Vergewaltigung, Raub, Geiselnahme - wegen dieser Delikte wurde Juan Carlos Chmelir verurteilt und sitzt bereits seit 39 Jahren hinter Gittern! Stets auf ein Freikommen bedacht, hat er nun völlig überraschend den Antrag auf bedingte Haftentlassung zurückgezogen.

Es gibt keinen Häftling, der länger in einem österreichischen Gefängnis sitzt als Juan Carlos Chmelir. Seit 1978 fristet er sein Dasein hinter Gittern. Bekannt wurde er vor allem 1983 durch einen Sitzstreik auf dem Kirchendach der Justizanstalt Garsten, wo er die schlechten Haftbedingungen anprangerte. Sein "Aufstand" gipfelte 1989, als der heute 68-Jährige aus der Grazer Karlau ausbrach, eine fünffache Mutter eines namhaften Politikers als Geisel nahm und sie mehrmals vergewaltigte. Schließlich ließ er sie frei mit einem Schreiben, in dem er abermals die schlimmen Zustände anprangerte.

Entlassungs-Antrag zurückgezogen
Der Tragweite seiner Taten sei er sich immer bewusst gewesen, auch, dass er dafür "einsitzt" sei gerecht, behauptet er. Es gehe ihm ausschließlich um die Art und Weise der Unterbringung und Behandlung. Immer wieder suchte er um bedingte Entlassung an, was ihm lange versagt wurde. Er wetterte öffentlich gegen seine Gutachter, warf ihnen vor, ihn falsch einzuschätzen. Sein Kampf hätte in naher Zukunft nun aussichtsreich enden können. Denn in einigen wenigen Stunden durfte er bereits Frischluft außerhalb der Gefängnismauern in Begleitung schnuppern. Doch völlig überraschend zog er den Antrag auf bedingte Entlassung im November 2017 zurück, wie auch Hansjörg Bacher, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Graz, bestätigt. Über das Warum darf gerätselt werden.

Die Entlassungsvorbereitung läuft aber weiter. Immerhin könnte es sich der Langzeit-Häftling ja wieder anders überlegen...

Monika Krisper, Kronen Zeitung

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