Mi, 26. September 2018

Empörung über "Ja"

28.11.2017 18:39

Glyphosat-Minister in Deutschland unter Beschuss

Er machte den Alleingang und stimmte in der EU für die Weiterverwendung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat: Dafür hat sich der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) jetzt eine deutliche und offizielle Rüge von Kanzlerin Angela Merkel und jede Menge wütende Reaktionen im Netz eingehandelt. Schon bevor in Berlin überhaupt Koalitionsgespräche aufgenommen wurden, kracht es wegen des Alleingangs zudem bereits zwischen Rot und Schwarz.

Deutschland hatte in Brüssel am Montag auf Veranlassung von Schmidt einer Verlängerung der Glyphosat-Zulassung zugestimmt, obwohl die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dem widersprochen hatte. In so einem Fall sieht die Geschäftsordnung der Regierung vor, dass sich Deutschland der Stimme enthält.

SPD sieht "schweren Vertrauensbruch"
Doch der CSU-Mann Christian Schmidt setzte sich über diese Fairness-Vereinbarung hinweg und stimmte für eine Verlängerung der Zulassung des möglicherweise krebserregenden Mittels. Kanzlerin Merkel, die bei dieser Entscheidung nicht involviert gewesen sein soll, rügte ihren Minister: "Das entsprach nicht der Weisungslage" und dürfe sich nicht wiederholen. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sprach wiederum von einem "schwerem Vertrauensbruch".

Auch in sozialen Netzwerken kassierte der "Glyphosat-Minister" für seinen Alleingang ordentlich Kritik. So sieht eine Twitter-Nutzerin einen "Skandal" und ist mit der Entscheidung überhaupt nicht einverstanden.

Andere Twitter-User wundern sich über das Timing des Glyphosat-Skandals. Schließlich befindet sich die deutsche Bundesregierung seit dem spektakulären Scheitern der "Jamaika"-Sondierungen in einer äußerst schwierigen Lage.

Zahlreiche Deutsche fordern nun im Netz die Entlassung des Landwirtschaftsministers. Auch die - eben noch der CDU sehr freundlich gesinnten - Grünen ließen es sich nicht nehmen, per Twitter gegen Schmidt zu schießen.

Auch die Rechtfertigungsversuche des Ministers am Dienstag machten die Sache nicht besser: "So ist er, der Schmidt", sagte er über sich selbst. Und fuhr fort: "Er entscheidet an Sache und an nichts anderem."

Dass der Minister, wie in einem Video festgehalten, tatsächlich in der dritten Person über sich sprach, erregte im Netz die Gemüter noch weiter.Deutschland machte jedenfalls die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung mit der Zustimmung des Landwirtschaftsministers überhaupt erst möglich. Zwei Unternehmen hatten die Entscheidung vorangetrieben: Monsanto, das das Pflanzengift im großen Stil vertreibt, und der deutsche Konzern Bayer. Er will Monsanto übernehmen.

Österreich stimmte gegen weitere Zulassung
Wie Österreich stimmte übrigens auch die Agrarnation Frankreich gegen die weitere Zulassung von Glyphosat. Präsident Emmanuel Macron erklärte, den Einsatz des umstrittenen Mittels zu verbieten, sobald es Alternativen gebe - spätestens in drei Jahren.

Kronen Zeitung/krone.at

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