Mo, 21. Jänner 2019

WM-Qualifikation

05.10.2017 17:04

Spaniens "Finale" im Schatten der Katalonien-Krise

Spanien hat das Ticket für die Fußball-WM 2018 in Russland praktisch in der Tasche. Doch bei "La Roja" herrscht alles andere als eine heile Welt. Defensivstar Gerard Pique hat viel Unruhe ins Team gebracht. Medien behaupten, dass es nach den Auseinandersetzungen um das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien im Kader gewaltig rumort.

Sorgen bereitet vor dem WM-Qualifikationsspiel am Freitag in Alicante gegen Albanien nicht der Gegner, sondern der "Feind in den eigenen Reihen", wie es ein TV-Kommentator formulierte. Pique, der sich mit den Separatisten in der Region Katalonien solidarisch erklärt hatte, war beim Training von Hunderten Fans beschimpft und ausgebuht worden. Auf Ähnliches wird sich der Ehemann von Popstar Shakira auch im Spiel einstellen müssen. Die Affäre könnte die Mannschaft auch im Hinblick auf die WM belasten. "Seit ich im Nationalteam bin, ist es der schwierigste Augenblick. Ich glaube nicht, dass sich eine Lösung für den Pique-Fall wird finden lassen", meinte dessen FC-Barcelona-Kollege Sergio Busquets im Trainingsgelände in Las Rozas bei Madrid vor Journalisten.

Angesichts der angespannten Situation sah sich sogar Alicantes Bürgermeister Gabriel Echavarri dazu veranlasst, einzugreifen. "Solange Pique dieses Dress trägt, müssen wir alle ihn und das ganze Team anfeuern", appellierte das Stadtoberhaupt an die Besucher im mit 28.000 Zuschauern vermutlich ausverkauften Estadio Jose Rico Perez. Das Problem sind aber nicht nur die Fans außerhalb Kataloniens und deren Pfiffe. Auch innerhalb des Teams soll es Gräben geben. Andere Nationalspieler, unter anderem von Barcas Erzrivalen Real Madrid, seien im Teamcamp "auf Distanz - auch physischer Art" - zu Pique gegangen, berichtete die Zeitung "El Mundo". Real-Profi Nacho sagte der Sportzeitung "Marca": "Ich fühle mich als Spanier, sehr spanisch. Damit ist alles gesagt."

"Die Seleccion ist meine Familie"
Pique war in den Mittelpunkt gerückt, nachdem er sich einmal mehr vehement für die Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen hatte. Am Wochenende hatte er ein Foto aus der Wahlkabine gepostet und geschrieben: "Gemeinsam sind wir nicht zu stoppen!" Das nahmen dem 30-Jährigen sehr viele Spanier übel. Beim öffentlichen Training am Montag wurde er von vielen Fans heftig beschimpft, Teamchef Julen Lopetegui brach die Einheit ab. Der mit Popstar Shakira verheiratete Pique blieb nicht tatenlos und versuchte alles, um die Affäre beiseitezulegen. Bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch versicherte der Katalane: "Die Seleccion ist meine Familie." Er sei "stolz, für Spanien spielen zu dürfen." Mit dem Nationalteam war der Innenverteidiger 2010 Welt- und 2012 Europameister.

Die Unruhe war allerdings so groß, dass Lopetegui darauf hinweisen musste, dass ein wichtiges Spiel ansteht. "Vorsicht mit Albanien! Im Gegensatz zur Meinung vieler ist es kein leichter Gegner. Das Team hat sich ja für die vergangene EM-Endrunde qualifiziert", erinnerte der Coach. Dort scheiterten die Albaner aber wie Österreich in der Gruppenphase. Mit 22 Punkten aus acht Spielen führen die Spanier die Quali-Gruppe G drei Punkte vor Italien an. Der Gruppensieg und das Ticket nach Russland scheinen sicher. Aus den Begegnungen gegen Albanien und am Montag in Israel werden nur vier Punkte benötigt. Dazu spricht das Torverhältnis gegenüber Italien, das in Turin zeitgleich Mazedonien empfängt, klar für Spanien.

Italiener gehen mit Sorgen ins "Finale"
Die Italiener müssen sich nach der 0:3-Niederlage Anfang September in Madrid auf eine Teilnahme am Play-off der Gruppenzweiten einstellen. Die WM zu verpassen wäre eine "Apokalypse", meinte Verbandspräsident Carlo Tavecchio. Teamchef Giampiero Ventura warnte zwar vor Übertreibungen, sprach aber selbst erst von einem "Drama", dann von einem "Desaster". Noch ist es aber nicht so weit, die entscheidenden Spiele für Italien steigen erst Mitte November. Gegen Mazedonien und drei Tage später in Albanien soll neues Selbstvertrauen getankt werden, allerdings hat auch Ventura zahlreiche Absagen zu verkraften - unter anderem von seinem besten Scorer Andrea Belotti. Der Torino-Stürmer laboriert an einer Knieverletzung und scheint derzeit auch für November fraglich.

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