Di, 19. Juni 2018

Steinbruch am Lidaun

26.09.2017 20:44

„Wir in Faistenau sind doch nicht taub und blind!"

Zum zweiten Mal wurde in Faistenau am Dienstag bei der Verhandlung zum Thema Mineralrohstoffgesetz über den Schotterabbau am Lidaun diskutiert. Wie berichtet, musste der erste Bescheid wegen massiver Formalfehler aufgehoben werden. Die Bewohner sind besorgt, das Treffen war dementsprechend emotional.

Fünf gestandene Männer der Prangerstutzenschützen marschierten am Dienstag zu einer Lichtung am Lidaun, um dort um 9 Uhr vor der Verhandlung 15 Salven abzufeuern. "Um auf unser Problem aufmerksam zu machen und verdeutlichen, wie laut es bei den Sprengungen wird", sagte Kommandant Friedrich Schöpp im Naturidyll zur "Krone". Ein starkes Zeichen der Schützen, auch sie stehen gegen den geplanten Schotterabbau am Hausberg zusammen.

Bürgermeister Josef Wörndl sprach den Faistenauern dann in der Turnhalle am deutlichsten aus der Seele: "Ja glauben denn alle, dass wir taub und blind sind? Dieses Projekt kann man nicht schön reden!" Der Ortschef erntete dafür zustimmenden Applaus, es folgten mehrere Wortmeldungen der rund 100 anwesenden Betroffenen, die alle in die gleiche Kerbe schlugen: Man fühlt sich unverstanden und übergangen, wirtschaftliche Interessen würden die menschlichen übertrumpfen. Aufgeben wollen die Faistenauer nicht, das betont die Gemeindepolitik einhellig.

Mehr neue Fragen als geforderte Antworten
Als Schützenhilfe hat sich Bürgermeister Wörndl einen Anwalt und einen Geologen geholt, beide warfen mehr Fragen auf, als die Projektbetreiber beantworten konnten. "Niemand schert sich darum, was mit den anderen Betrieben im Ort passiert, wenn der Steinbruch kommt", ärgert sich Vizebürgermeister Andreas Teufl, selbst Hotelier. Und er fügt hinzu: "Wie die Lidaunstraße gegen Steinschlag abgesichert wird, ist völlig unklar. Was mit dem ganzen Material passiert, das abgetragen werden muss, um überhaupt einmal an den eigentlichen Stein zu kommen, ist auch rätselhaft." Seine Befürchtungen gehen noch weiter: "In den ursprünglichen Plänen sollte der Bergrücken verschont bleiben. Jetzt heißt es auf einmal, dass der ganze Lidaun um 100 Meter abgetragen werden soll", so der Vizebürgermeister.

Seine Prognose, wie es weiter geht: "Der letzte Bescheid hat drei Jahre gedauert, wurde dann aufgehoben. Die Wasserrechtsverhandlung findet extra statt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Behörden bei so geschlossenem Widerstand einer ganzen Gemeinde trauen, zum zweiten Mal einen positiven Bescheid auszustellen."

Genau das ist aber das Ziel der Familie Eder, die den Rohstoff für den Straßenbau im Flachgau abbauen möchte. Juniorchef Hans Eder in einer Verhandlungspause zur "Krone": "Wir haben 20 Gutachten, die unter dem Strich sagen, dass das Projekt mit Mensch und Natur gut vereinbar ist. Die Bedenken verstehen wir natürlich auch, geben jede Information, die gewünscht wird." Der Juniorchef fügt hinzu: "Einfach zu sagen ,Wollen wir nicht’, ist nicht genug. Man muss schon bei den Fakten bleiben, deswegen haben wir am Dienstag Interessierte zu einem Lokalaugenschein mitgenommen."

Melanie Hutter, Kronen Zeitung

Stierwascher:
"Die Faistenauer haben a wirklich gute Idee g’habt: Wir lassen jetzt im ganzen Land die Schützen aufmarschieren und dann können die Wiener mit ihrer Stromleitung baden gehen!"

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