Mi, 15. August 2018

Nach 100-m-Finale

07.08.2017 08:34

Buh-Konzert: Justin Gatlin tut Bolt "richtig leid"

Usain Bolt ist der Spaß nicht vergangen. WM-Bronze statt Gold zum Ausklang seiner Megakarriere scheint kein Beinbruch für den erfolgreichsten Sprinter aller Zeiten, für die Lichtgestalt der Leichtathletik. Die Fans im Londoner Olympiastadion riefen noch lange nach dem denkwürdigen 100-m-Finale nach dem Jamaikaner, der seinem Dauerrivalen Justin Gatlin zum "verdienten Titelgewinn" gratulierte.

Die Mehrheit der 55.900 Zuschauer sah das anders, Gatlins Jubel wurde von einem beispiellosen Buh-Konzert begleitet. "Justin Gatlin tat mir richtig leid", so Bolt. Die sportaffinen Briten sind für normal ein großartiges Publikum, kannten aber keine Gnade. Auch nicht, als Gatlin vor Bolt sogar auf die Knie ging und ihm als dem Größten aller Zeiten huldigte. Seiner Dopingvergangenheit wird Gatlin wohl nie davonlaufen können. Der zweifache ehemalige Dopingsünder tat also gut daran, auf die obligatorische Gratulations-Runde im Stadionoval zu verzichten.

"Usain hat mir gratuliert und gesagt, du hast hart dafür gearbeitet und all diese Buh-Rufe hast du nicht verdient", berichtete der 35-jährige Gatlin, der von 2001 bis 2002 (Amphetamine) und von 2006 bis 2010 (Testosteron) von den Bühnen der Sportwelt verbannt war. "Ich habe ihn immer als Konkurrenten respektiert", versicherte Bolt, der als Erster dem Dauerkonkurrenten, gegen den er in nun zehn Duellen nur zweimal verloren hat, gratuliert und ihn umarmt hatte.

Buh-Rufe lauter als Jubelschreie
"Es ist traurig, dass die Buh-Rufe für mich lauter waren als die Jubelschreie", sagte der US-Amerikaner Gatlin. "Ich sitze hier, ich bin ein Läufer, ich bin zurück im Sport. Ich habe meine Zeit abgesessen." Als Wiederholungstäter war er einem lebenslangen Bann nur entgangen, weil er als Kronzeuge gegen seinen damaligen Trainer ausgesagt hatte.

Bolt: "Start hat mich gekillt"
Der Rennausgang war eng, Gatlin lief nach 9,92 Sekunden über die Ziellinie, sein Landsmann Christian Coleman in 9,94, Weltrekordler Bolt folgte in 9,95. "Die beiden waren heute besser als ich und haben das durchgezogen", erklärte Bolt, der wie üblich schlecht aus den Startblöcken gekommen war, anders als sonst den Rückstand am Ende aber nicht mehr wettmachte. "Der Start hat mich gekillt."

Am kommenden Samstag wird er mit seinen Teamkollegen noch den Sprint-Staffelbewerb (4 x 100 m) bestreiten und danach seine Laufbahn beenden. Ein 12. WM-Gold könnte der achtfache Olympiasieger seinem Steckbrief also noch hinzufügen.

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