09.11.2006 20:34 |

Großes Köpferollen

Köpferollen nach Wahlschlappe

Schwer angeschlagen präsentierte sich der Präsident nach verlorener Wahl der Presse. Keine Phrasen mehr vom „Durchhalten“ und „Endsieg“. Keine Spur mehr von der üblichen Arroganz und Geringschätzung des politischen Gegners.

„Wir müssen zusammenarbeiten!“, verkündete George Bush und präsentierte den siegreichen Demokraten als Einstandsgeschenk den Kopf seines Verteidigungsministers Donald Rumsfeld. Gleichzeitig distanzierte er sich von den Kriegshetzern am rechten Flügel seiner Republikanischen Partei und versprach, neuen Ideen zur Beendigung des Krieges im Irak zum Durchbruch zu verhelfen.

Krieg-Kritiker wird Verteidigungsminister
Der neue Verteidigungsminister, Robert Gates, hat die bisherige Politik schwer kritisiert. Er ist 20 Jahre lang sechs Präsidenten als Sicherheitsexperte und CIA-Direktor zur Seite gestanden. Er ist für die Demokraten akzeptabel und auch im Pentagon hoch angesehen. Am wichtigsten ist freilich die Haltung der Demokraten, die jetzt auf Grund der Ergebnisse von Virginia, Montana und Missouri auch im Senat die Mehrheit haben und den Präsidenten praktisch bei jedem Schritt zum Stolpern bringen können.

„House“-Sprecherin reicht Bush die Friedenspalme
Aber die wortgewaltige Sprecherin des Repräsentantenhauses und nunmehr mächtigste Frau Amerikas, Nancy Pelosi, hat Bush die Friedenspalme gereicht. „Wir sitzen im selben Boot“, erklärte sie, „wir müssen unserem Volk gemeinsam dienen und unsere Zerwürfnisse der Vergangenheit vergessen!“ Tatsächlich hatte sie Bush im Wahlkampf als „Lügner“ und „Volksverführer“ beschimpft und seine Absetzung gefordert. Aber als Tochter des ehemaligen Bürgermeisters von Baltimore italienischer Abstammung hat sie auch gelernt, nach geschlagener Wahlschlacht zur Realität zurückzukehren.

Rivalin für Hillary
Mit ihr ist im Übrigen der strahlenden Wahlsiegerin von New York, Hillary Clinton, echte Konkurrenz beim Kampf ums Weiße Haus entstanden. Zwischen den beiden herrscht schon seit langem Kühle, nicht zuletzt deshalb, weil Bill Clinton der dunkelhaarigen Pelosi einmal den Hof machte.

Von Hans Janitschek, „Krone“-USA-Korrespondent