Mi, 18. Juli 2018

05.10.2006 16:20

"Single-Strafsteuer"?

Das freie Wort

Ich bin 36, weiblich und kinderlos. Das liegt sicherlich nicht daran, dass ich keine Kinder haben will. Doch wenn der passende Mann dazu fehlt, entscheide ich mich lieber für kinderlos als für allein stehende Mutter. Für mich gehört zu einem Kind auch eine Familie und dazu auch ein Partner. Und dafür soll man zukünftig also bestraft werden? Für Umstände, die man eben nicht beeinflussen kann?

Was ist mit Paaren, die sich seit Jahren um Kinder bemühen und keine bekommen können? Oder Menschen, die in Beziehungen mit Partnern sind, welche lieber kinderlos bleiben wollen? Was ist mit Frauen, die todunglücklich sind darüber, kinderlos zu sein, und es doch nicht ändern können?

Wie komme ich als Frau dazu, mich als Gebärmaschine benutzen zu lassen, nur damit die Pensionen gesichert sind? Ist Mann/Frau zukünftig ab einem gewissen Alter verpflichtet, bei einem Arzt seine Fruchtbarkeit testen zu lassen? Oder seine Lebensgeschichte einem Bürokraten darzulegen, der dann darüber entscheidet, ob einem die Strafsteuer erlassen werden kann?

Ich beziehe kein Kindergeld, keinen Alleinverdiener-Absetzbetrag, arbeite Vollzeit mit fünf Wochen Urlaub im Jahr, zahle volle Sozialversicherungs- und Lohnsteuer und betreibe zusätzlich private Pensionsvorsorge. Ich bekomme keine Ermäßigungen irgendwelcher Art, die Familien oft in Anspruch nehmen können (Eintrittsgelder, Zimmerpreise, Großpackungen bei Lebensmitteln...). Ich verlasse mich auch nicht darauf, dass schon irgendwer für mich im Alter aufkommen wird, sondern versuche so gut wie möglich vorzusorgen.

Ich finde den Vorschlag der "Single-Strafsteuer" absolut bedenklich, diskriminierend und einen Eingriff in die ureigenste Lebensplanung. Genauso gut könnte man Frauen verpflichten, mindestens zwei Kinder großzuziehen oder sonst "Strafsteuer" zu zahlen. Jede Partei, die diesen Weg vorschlägt, ist für mich unwählbar. Und ich hoffe auf einen gewaltigen Aufschrei aller anderen gewollt oder ungewollt Kinderlosen!




Isabell Bachler, Bruck/Mur
erschienen am Fr, 6.10.

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