Sa, 21. Juli 2018

Meine Geschichte

16.11.2016 15:09

Mann steckte in Schacht fest: "Niemand hörte mich"

Neun Stunden lang steckte Josef kopfüber in einem Schacht und eine Lampe brannte sich in seine Haut. Das Protokoll eines Höllen-Szenarios ...

Am Mittwoch, dem 14. Mai 2014, muss ich in meinem Haus eine Wasserleitung abschließen. Sie befindet sich in einem 40 mal 50 cm großen Erdloch.

8 Uhr: Ich hänge eine Kabel-Lampe in den Schacht. Dann krieche ich kopfüber hinein. Mit einem Winkelschleifer schneide ich das Rohr ab. Zum Abdichten rücke ich dann, auf dem Bauch liegend, mit den Händen voraus, tiefer in die Grube.

8.15 Uhr: Es ist passiert. Mein Oberkörper ist eingeklemmt. Ich komme weder vor noch zurück. Ich stecke fest. Wie ein Ertrinkender fange ich an herumzurudern, nur im umgekehrten Sinne. Von alleine befreien kann ich mich nicht.

8.45 Uhr: Alle Versuche sind gescheitert. Ich bin gefangen in einem Loch. Ich weiß, dass meine Frau und meine Tochter nicht da sind. Niemand kann mir heraushelfen. Panik steigt auf.

9.00 Uhr: Durch meine Ruderbewegungen hat sich die Kabel-Lampe gelöst. Sie fällt auf meinen Rücken.

9.15 Uhr: Ich rufe: "Hilfe!" Vergebens. Niemand hört mich. Meine Schreie verhallen im Loch. Aber ich versuche es wieder und wieder. Die Lampe brennt sich in mein Gewand.

9.45 Uhr: Ich atme ganz schnell, mein Herz rast. Es ist klar: Diese Situation bedroht mein Leben.

War es das? Dann verfalle ich in Trance
10.30 Uhr: Meine Kraft geht aus. Ich denke: Bloß nicht ohnmächtig werden. Dann würde mein Kopf in die Pfütze vor mir fallen. Das wäre der sichere Tod.

11 Uhr: Ich höre Spaziergänger vor dem Haus. Ich wimmere nur. Die Lampe hat sich nun in mein Fleisch gebrannt. Die Schmerzen werden unerträglich.

12 Uhr: Das Zwölfeläuten ertönt. Zuversicht steigt auf. Meine Frau kommt manchmal schon nachmittags nach Hause.

12.30 Uhr: Ich denke an die Serie "Alice im Wunderland". An die Folge, in der Alice in eine Grube fällt und in Australien rauskommt.

13 Uhr: Der Briefträger läutet. Er hört mich nicht.

14 Uhr: In der größten Not summe ich eine Melodie. "I have a dream".

15 Uhr: Der Mut verlässt mich endgültig. Ich finde mich damit ab, dass mein Ende bevor steht.

15.30 Uhr: Ich denke daran, dass ich noch nie geflogen bin. Ich hätte so gern Amerika gesehen.

16.00 Uhr: Zwiegespräch mit Gott. Ich frage: "War es das?" Dann verfalle ich in eine Art Trance. Ich habe die Situation vollkommen akzeptiert. Ich habe keine Schmerzen mehr.

17.30 Uhr: Ich höre, dass die Haustür aufgeht. Meine Frau. Sie sieht meine Beine aus dem Loch ragen. Sie versucht, mich rauszuziehen, schafft es nicht. Sie holt unseren Nachbarn.

Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe
18 Uhr: Der Rettungshubschrauber landet. Ich werde ins Spital geflogen. Der Arzt sagt, es ist ein Wunder, dass ich noch lebe.

Ein Jahr später steige ich mit meiner Familie ins Flugzeug nach Miami, Florida. Eins habe ich gelernt: Träume soll man sich erfüllen, solange es noch geht!

DAS PASSIERT, WENN …

  • ein Mensch neun Stunden kopfüber hängt: Das Herz muss das Blut gegen die Schwerkraft nach oben pumpen. Der Blutdruck steigt. Schlaganfall-Risiko! Durch die Ansammlung von Blut im Kopf können Gefäße im Gehirn platzen und zum Tod führen!
  • sich eine Lampe stundenlang in die Haut brennt: Die betroffene Stelle sowie das darunterliegende Muskelgewebe samt Knochen werden verkohlt. Auch die Organe werden nicht mehr durchblutet.
  • man bei einem schweren Unfall plötzlich nichts mehr spürt: Der Körper produziert Endorphine (körpereigene Drogen) und blockiert damit den Schmerz.

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